Computerzeichnung der geplanten Monorail in São Paulo © Bombardier

Das kann ja nur schiefgehen: Ein windiger Geschäftsmann verkauft der gutgläubigen Stadt Springfield mit Taschenspieler-Tricks eine Einschienenbahn. Sie entpuppt sich als glänzend angepinselter Schrott, und als Fahrer wird auch noch Homer Simpson engagiert. Die Katastrophe ist programmiert.

So dramatisch wie in dieser Folge der Kultserie Die Simpsons war das Schicksal der echten Einschienenbahn zwar nicht. Richtig durchsetzen konnte sich das Verkehrskonzept einer elektrisch angetriebenen Bahn mit Gummibereifung auf einer Betonschiene in der Realität aber auch nicht – bisher. Nur einzelne Bahnen entstanden in den vergangenen Jahrzehnten in Japan , Malaysia oder Dubai . Erst in jüngster Zeit erlebt das ungewöhnliche Verkehrsmittel eine wirkliche Renaissance. In Las Vegas entstand von 1995 an schrittweise eine Monorail, die Hotels und Casinos auf dem Strip verbindet. Und die brasilianische Großstadt São Paulo setzt nun auf mehrere Monorail-Linien, um den Verkehrsinfarkt zu bekämpfen.

Damit geht nach mehr als sechs Jahrzehnten zumindest teilweise eine Vision in Erfüllung, die den Multimillionär und Electrolux-Gründer Axel Lennart Wenner-Gren sein Leben lang nicht losließ. Der 1881 geborene Schwede wollte in den 1950er Jahren den Schienenverkehr revolutionieren. Sicher, modern, rasant und umweltfreundlich sollte seine Alweg-Bahn sein, deren Bezeichnung sich aus den Anfangsbuchstaben von Wenner-Grens Namen ableitet. Er scharte eine Reihe von Ingenieuren um sich, davon viele Flugzeugkonstrukteure. Bei Köln entstand ein Versuchsgelände, 1952 drehte der erste Testzug im Maßstab 1:2,5 seine Runden. Auf der 1,7 Kilometer langen Strecke erreichte der Zug Geschwindigkeiten bis 160 Kilometer pro Stunde.

Medieninteresse, doch kaum Aufträge

Einschienenbahnen haben eine lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert wurden teils exotische Züge konstruiert, die Wuppertaler Schwebebahn verrichtet ihren Dienst seit 1901. Doch Wenner-Gren wollte den Fahrgästen ein viel beeindruckenderes Erlebnis bieten. Allenfalls Stromlinienzüge wie der berühmte Schienenzeppelin flitzten so faszinierend über die Strecke wie Alwegs Monorail. Ihre gummibereiften Räder – das Fahrgestell bestand aus senkrechten Laufrädern und seitlichen Führungsrädern – blieben den Blicken verborgen, die Bahn umklammerte die Schiene wie ein Wellenreiter sein Surfboard. Die auf Ständern errichtete Strecke sollte sich in die Landschaft einfügen wie ein römischer Aquädukt.

Außerdem hatte Wenner-Gren eine größere Vision: "Schnelle, bequeme Vororts- und Nahverkehrszüge mit niedrigen Tarifen könnten der Verkehrsballung entgegen wirken", sagte Wenner-Gren bei der ersten Präsentation seiner Monorail in Köln. "Durch die Alweg-Bahn würde eine Abwanderung aus den überfüllten Städten in Vororte möglich, ein gesünderes naturnahes Leben in schönerer Umgebung", beschrieb der Schwede seine Pläne in einem Land, das damals noch nicht einmal alle Trümmerwüsten des Zweiten Weltkriegs beseitigt hatte. Die Teststrecke erfuhr ein großes Medienecho, die Technik wurde stetig weiterentwickelt und ein Testzug im Maßstab 1:1 gebaut.

Doch die erhofften Aufträge blieben aus. Die Stadt Köln erwog eine Alweg-Strecke nach Opladen und Leverkusen, aber grünes Licht gab es nie – wohl aus finanziellen Gründen und vielleicht auch deshalb, weil sich Wenner-Gren nicht recht durch den berüchtigten Kölner Klüngel hindurch wurschteln konnte. Eine weitere Hoffnung war die Stadt Frankfurt, doch dort entschied man sich ebenfalls gegen die Monorail und für eine U-Bahn. Auch jenseits der westdeutschen Grenzen hatte Wenner-Gren kein Glück. Hochfliegende Pläne für Monorails in der Schweiz, in Israel , Südamerika oder den USA – teils sogar als Fernverkehr geplant – verliefen im Sande. Auch eine Langstrecke von Hamburg bis nach Madrid war mal im Gespräch. Umgesetzt wurde sie nicht.

Dass die Alweg-Bahn nicht völlig in Vergessenheit geriet, ist insbesondere einem Mann zu verdanken, den man eher mit Kitsch und Comics in Verbindung bringt: Walt Disney. Der große Eisenbahn- und Technikfan bewunderte im Sommer 1958 bei einem Besuch in Deutschland Alwegs Teststrecke. Der Erfinder der Micky Maus holte die Monorail als Attraktion in seinen Themenpark: 1959 surrte die Bahn, versehen mit einer futuristisch-chromblitzenden Hülle, erstmals durchs Disneyland. Disney-Ingenieure entwickelten sie weiter und setzten sie auch in anderen Parks ein.