Radverkehrsförderung: Was Radler vom Nationalen Radverkehrsplan erwarten
Der Radverkehr in den Städten nimmt gewaltig zu, doch der Wege-Ausbau stockt. Der neue Radverkehrsplan der Bundesregierung könnte eine Initialzündung sein.
Eine Nachricht in den Regionalzeitungen ließ kürzlich Münchens Radler aufstöhnen. Der Bau dreier wichtiger Radwege durch die Stadt wird zum dritten Mal um ein Jahr verschoben. Das Radverkehrsnetz der bayerischen Hauptstadt bleibt damit auch in diesem Sommer ein Flickenteppich.
So wie in München geht es derzeit vielen Radfahrern in deutschen Städten. Pläne für den Ausbau des Radwegenetzes liegen allerorten in den Schubladen und warten darauf, umgesetzt zu werden. Mal fehlt Geld, mal der politische Wille. Die Hoffnung der Radverkehrsförderer ruhen auf dem neuen Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) 2020. Er wird – wenn das Bundeskabinett den Empfehlungen des von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) berufenen Expertengremiums folgt – für die Städte ein Strategiepapier, das genau festlegt, in welchem Umfang und Zeitraum sie ihr Radwegenetz ausbauen sollen.
Offen ist allerdings, ob das Kabinett und später der Bundestag für die Umsetzung ein Budget nebst Personal genehmigen wird. Die Experten fordern das ein. Nur dann könne der NRVP 2020 zur Initialzündung für ein besseres Radwegenetz in Deutschland werden. Noch ist der Ausgang ungewiss.
Verkehrsexperten von ADAC wie ADFC sind sich einig: Ein Verkehrskonzept wie der NRVP 2020 ist in Deutschland längst überfällig. Welche Chancen eine schlüssige Radinfrastruktur dem gesamten mobilen Alltag bietet, zeigt ein Blick nach Nordrhein-Westfalen. Dort werden viele Empfehlungen der Experten schon umgesetzt. Längst hat sich im bevölkerungsreichsten Bundesland die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit dem demographischen Wandel eine neue Mobilitätskultur entstehen muss.
- Radverkehrsplan
Der erste Nationale Radverkehrsplan (NRVP) wurde im Jahr 2002 von der rot-grünen Bundesregierung initiiert. Das erklärte Ziel war, den Radverkehr in Deutschland zu fördern. Das große Manko des Plans lag in seiner Unverbindlichkeit. Die Verfasser hatten weder Fristen noch Ziele benannt, bis wann und wie die Städte die Radwegeinfrastruktur verbessern sollten. Außerdem fehlte eine klare Vorgabe, welcher Radanteil überhaupt erreicht werden sollte. Radverkehrsförderer kritisierten, dem NRVP fehle der politische Wille und ohne Budget jeglicher Handlungsspielraum.
- Erfolge
Seit 2008 werden über den NRVP nicht-investive Maßnahmen mit drei Millionen Euro jährlich unterstützt. In diesem Rahmen wurde im Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) die Fahrradakademie eingerichtet, die wichtigste Errungenschaft des NRVP. Damit gibt es erstmals ein Institut, das Fortbildungen und Fachexkursionen im Bereich Radverkehrsplanung organisiert und Experten eine Plattform bietet, um sich regelmäßig auszutauschen. Außerdem wurde ein Portal zum NRVP aufgebaut sowie der Bund-Länder-Arbeitskreis "Fahrradverkehr" eingerichtet.
- Neuer NRVP
Seit 2011 wird der NRVP weiter entwickelt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer berief ein Expertengremium, um Empfehlungen zum neuen NRVP 2020 zu erarbeiten. Die Fachleute empfehlen, den NRVP 2020 zu einem Strategiepapier und Handlungsprogramm zu machen, das klare Ziele für den Ausbau des Radverkehrs benennt und ein angemessenes Budget erhält. Noch vor der Sommerpause wird wahrscheinlich das Bundeskabinett den neuen NRVP beschließen. Anschließend muss er vom Bundestag verabschiedet werden.
Bereits jetzt bietet das Rhein-Ruhrgebiet seinen Bewohnern gute Rahmenbedingungen. Es gibt mehr als 23.000 Kilometer ausgeschilderte Radwege und 70 Radstationen zum Parken und Reparieren von Rädern. Die eingerichtete Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise (AGFS) setzt seit Jahren innovative Radkonzepte um und berät Politik und Verwaltung. Die AGFS ist Mittler und Botschafter. Mit ihrer Hilfe will das Land den Radverkehr weiter steigern, denn Nordrhein-Westfalen führt seit Jahren mit großem Abstand auch die ADAC-Staustatistik an. 60.000 Staus waren es im Jahr 2011.
Deshalb sollen hier zukünftig verstärkt Radfahrer und Fußgänger gefördert werden. Im Frühjahr hat die Landesregierung einen Aktionsplan vorgelegt, der die Planer verpflichtet, Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichrangig zu behandeln. Das heißt: Die Straße ist für alle da. Wo viele Radler und Fußgänger unterwegs sind, werden ihre Wege breiter, auch zulasten der Autofahrer. Der Unterschied: Bisher werden neue Straßen nach der erwarteten Autoverkehrsdichte ausgelegt – und was an Platz übrig bleibt, müssen sich Radfahrer und Fußgänger teilen.







das merkt man vor allem dort, wo der "Radweg" auch noch leicht abschüssig ist. eine Schräge, die eine 10-15 cm Stufe in 20-30 cm überwindet, ist für einen 10-15 km/h fahrenden Fahrradfahrer sicher nicht störend, wer die selbe Strecke mit 30-40 nimmt, der hebt ab. Noch weniger witzig ist der Übergang an Straßeneinmündungen, wo einfach mal die letzten 2-3 cm stehen gelassen werden. Wer hier kein vollgefedertes Rad hat, der hat bei o.g. Geschwindigkeiten ganz schnell Schläge in der Felge. Wie sowas die Bauabnahme übersteht, frag ich mich jedesmal.
Hier müssen Normen her, und die Einhaltung muss überprüft werden.
Wechselt man unter gegebenen Bedingungen auf die Straße, wird man selbst dann dumm angehupt, wenn man die 50 fast erreicht.
Besonders spannend sind Fahrradwege auch immer dann, wenn direkt daneben ein Parkplatz entlang der Straße vorhanden ist, oder der Fußweg nicht mit Grünstreifen abgetrennt wurde. Der Blick in den Spiegel vor'm Öffnen der Tür scheint überflüssig, genau wie der Blick nach hinten vor'm betreten oder auffahren auf den Fahrradweg. Vielleicht sollte man die E-Autos geräuschlos lassen, damit sich eine andere Mentalität durchsetzt, denn die wären ne Nummer gefährlicher.
"die schnellen, schweren Verkehrsteilnehmer haben sich an die langsameren, ungeschützteren anzupassen, sie müssen runter mit dem Tempo und (als "ruhender Verkehr") raus aus den Straßen"
...hilft doch niemandem. Ein Autofahrer ignoriert idR Fahrradfahrer ja nicht aus Bösartigkeit, zu verlangen er solle nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren ist aber genauso unsinnig. Und die parkenden Autos müssen nunmal auch irgendwohin.
Städte sind halt dicht besiedelte Gebiete und die Bewohner haben unterschiedliche Notwendigkeiten und Ansprüche, wenn man aber vom Land in die Stadt mit dem Auto pendelt, wird auch wieder nicht gern gesehen. Jeder solle am besten neben seiner Firma wohnen, alles andere sei Luxus, ist ja momentan eine beliebte Forderung.
"Ein Autofahrer ignoriert idR Fahrradfahrer ja nicht aus Bösartigkeit,.."
Glauben Sie mir, es gibt mehr motorisierte Schulmeister als man denkt. Meist ältere Jahrgänge, die ihre kruden Vorstellungen von Verkehrsrecht auch schon mal mit Gewalt durchsetzen wollen.
Insofern kann ich mich dem Wunsch nach einem Mentalitätswechsel als wesentliche Voraussetzung hier nur anschliessen.
Was wird heute zu dem Thema eigentlich von den Fahrschulen vermittelt?
"Und die parkenden Autos müssen nunmal auch irgendwohin"
Am besten wäre es, sie würden ganz einfach wieder dem fahrenden Verkehr zugeführt - in Form von (privatem) Carsharing. Siehe Nachbarschaftsauto und ähnliche Angebote.
als es noch keine Autos gab. Die autogrechte Stadt hat sich nicht als besonders attraktiv erwiesen. Das Auto ist also das Problem. Mit der Zersiedlung hat man sich eine Struktur geschaffen wo man auf das Auto gar nicht mehr verzichten kann, das war nur möglich durch den billigen Sprit. Was wir jetzt brauchen ist eine Umkehrung des Prozesses und da kann das Fahrrad einen teil leisten. Dafür müsste das Auto aber zurückstecken, einfach in der Wertigkeit.
... müsste es ja nicht gerade sein, aber 30 als Standard in der Stadt wäre der richtige Ansatz. Und dann die Räder auf die Straße. Bei dem ganzen Gemeckere über angebliche Kampfradler wird immer ignoriert, dass alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern Regelverstöße begehen. Ich bin selbst Rad-, Bahn- und Autofahrer und kann aus keiner dieser Rollen heraus erkennen, dass Radfahrer da besonders schlimm wären.
Sowohl als Radler als auch als PKW-Fahrer fallen mir dagegen hauptsächlich Autofahrer auf, die regelmäßig zu schnell fahren (in der Stadt nahezu alle und immer), nicht blinken (leider zunehmend und sehr gefährlich), zu dicht auffahren, beim Rechtsabbiegen nicht auf Radler achten, beim Überholen zu Radler nicht den - vorgeschriebenen - Mindestabstand von 1,5 m einhalten, auf Rad- und Fußwegen parken etc.
Das Gefährdungspotenzial das von diesen Verkehrsteilnehmer ausgeht ist ungleich höher, als das, das Radler verursachen. Die Verstöße, die ich von Radlern am häufigsten beobachte werden durch Verkehrsführungen provoziert, die den Fahrradfahrer vor die Wahl stellen, sich entweder zu gefährden oder regelkonform zu fahren.
"Ein Autofahrer ignoriert idR Fahrradfahrer ja nicht aus Bösartigkeit,.."
Glauben Sie mir, es gibt mehr motorisierte Schulmeister als man denkt. Meist ältere Jahrgänge, die ihre kruden Vorstellungen von Verkehrsrecht auch schon mal mit Gewalt durchsetzen wollen.
Insofern kann ich mich dem Wunsch nach einem Mentalitätswechsel als wesentliche Voraussetzung hier nur anschliessen.
Was wird heute zu dem Thema eigentlich von den Fahrschulen vermittelt?
"Und die parkenden Autos müssen nunmal auch irgendwohin"
Am besten wäre es, sie würden ganz einfach wieder dem fahrenden Verkehr zugeführt - in Form von (privatem) Carsharing. Siehe Nachbarschaftsauto und ähnliche Angebote.
als es noch keine Autos gab. Die autogrechte Stadt hat sich nicht als besonders attraktiv erwiesen. Das Auto ist also das Problem. Mit der Zersiedlung hat man sich eine Struktur geschaffen wo man auf das Auto gar nicht mehr verzichten kann, das war nur möglich durch den billigen Sprit. Was wir jetzt brauchen ist eine Umkehrung des Prozesses und da kann das Fahrrad einen teil leisten. Dafür müsste das Auto aber zurückstecken, einfach in der Wertigkeit.
... müsste es ja nicht gerade sein, aber 30 als Standard in der Stadt wäre der richtige Ansatz. Und dann die Räder auf die Straße. Bei dem ganzen Gemeckere über angebliche Kampfradler wird immer ignoriert, dass alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern Regelverstöße begehen. Ich bin selbst Rad-, Bahn- und Autofahrer und kann aus keiner dieser Rollen heraus erkennen, dass Radfahrer da besonders schlimm wären.
Sowohl als Radler als auch als PKW-Fahrer fallen mir dagegen hauptsächlich Autofahrer auf, die regelmäßig zu schnell fahren (in der Stadt nahezu alle und immer), nicht blinken (leider zunehmend und sehr gefährlich), zu dicht auffahren, beim Rechtsabbiegen nicht auf Radler achten, beim Überholen zu Radler nicht den - vorgeschriebenen - Mindestabstand von 1,5 m einhalten, auf Rad- und Fußwegen parken etc.
Das Gefährdungspotenzial das von diesen Verkehrsteilnehmer ausgeht ist ungleich höher, als das, das Radler verursachen. Die Verstöße, die ich von Radlern am häufigsten beobachte werden durch Verkehrsführungen provoziert, die den Fahrradfahrer vor die Wahl stellen, sich entweder zu gefährden oder regelkonform zu fahren.
...an sich, finde ich extrem cool.
Über die Beleuchtung kann man streiten. Zum einen ist die sicher auch relativ stromsparend möglich, zum anderen ist die zu beleuchtende Fläche viel kleiner als bei einer Autobahn und drittens ist ein Fahrradfahrer uU stärker unfallgefährdet, wenn er etwa einen Gegenstand nicht rechtzeitig sieht. Außerdem dürfte sich das Sicherheitsgefühl verbessern, gerade für Frauen die nachts unterwegs sind. Allerdings stellt sich die Frage wie oft so eine Straße in der Nacht überhaupt genutzt wird.
... ob die werten Herren Planer und Politiker selbst mit dem Fahrrad fahren, damit ganz einfache Gegebenheiten oder Missstände nachvollziehbar werden.
Das fängt oft schon bei einfachen Radständern/Abstellplätzen an (und ich habe wirklich viele verschiedene Radtypen), die wohl nicht einmal der Konstrukteur ausprobiert hat, ganz geschweige der Herr, der den Kauf unterzeichnet hat.
"Ein Autofahrer ignoriert idR Fahrradfahrer ja nicht aus Bösartigkeit,.."
Glauben Sie mir, es gibt mehr motorisierte Schulmeister als man denkt. Meist ältere Jahrgänge, die ihre kruden Vorstellungen von Verkehrsrecht auch schon mal mit Gewalt durchsetzen wollen.
Insofern kann ich mich dem Wunsch nach einem Mentalitätswechsel als wesentliche Voraussetzung hier nur anschliessen.
Was wird heute zu dem Thema eigentlich von den Fahrschulen vermittelt?
Kann ich nur bestätigen! Oft war es auch ganz abseits des Rechts, was mir vor allem während meiner Schulzeit auffiel, da klaute man mir als dreizehnjährigen Knilch eher die Vorfahrt oder drängte mich gen Rinnstein.
Jetzt wo ich Erwachsen bin passiert mir das wirklich selten.
Kann ich nur bestätigen! Oft war es auch ganz abseits des Rechts, was mir vor allem während meiner Schulzeit auffiel, da klaute man mir als dreizehnjährigen Knilch eher die Vorfahrt oder drängte mich gen Rinnstein.
Jetzt wo ich Erwachsen bin passiert mir das wirklich selten.
Kann ich nur bestätigen! Oft war es auch ganz abseits des Rechts, was mir vor allem während meiner Schulzeit auffiel, da klaute man mir als dreizehnjährigen Knilch eher die Vorfahrt oder drängte mich gen Rinnstein.
Jetzt wo ich Erwachsen bin passiert mir das wirklich selten.
"Und die parkenden Autos müssen nunmal auch irgendwohin"
Am besten wäre es, sie würden ganz einfach wieder dem fahrenden Verkehr zugeführt - in Form von (privatem) Carsharing. Siehe Nachbarschaftsauto und ähnliche Angebote.
@gustav.wendlandt Das ist keine Tatsache, sondern einfach falsch. Dort gelten dieselben Regeln wie sonst auch.
Dort traut sich auch keiner so wie in Deutschland den Radverkehr durch Falschparken etc. zu behindern.
@Zeugma den Witz Radwege vergessen verstehe ich nicht.
Auch in den Niederlanden ist es so gewesen, dass erst eine ausreichende Radinfrastruktur gebaut wurde und dann der entsprechende Verkehr aufkam. Es wird also höchste Zeit da aktiv zu werden und dem steigenden Radaufkommen gerecht zu werden.
Sicherlich wäre es nicht ganz verkehrt, mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen einzubauen.
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