Am Sonntagabend ist die Angst des automobilen Großstadtbewohners am größten. Wo gibt es noch einen Parkplatz, der nicht entweder weit weg von der eigenen Haustür ist oder das Risiko birgt, als Falschparker abgeschleppt zu werden? Die Antwort: Überall – wenn man einen Renault Twizy fährt. Die geringe Verkehrsfläche von 2,32 Metern Länge mal 1,19 Metern Breite lässt selbst einen Ur-Smart verschwenderisch ausladend wirken. Eine Lücke gibt es immer, am besten zum Querparken.

Ist der Wendekreis von unter sieben Metern verinnerlicht, gelingt das in einem Zug ohne lästiges Rangieren. Auch das Aussteigen bereitet trotz Enge keine Mühe, weil die Türen sich nicht in weitem Winkel öffnen, sondern wie bei einem Lamborghini nach oben gleiten. Der Twizy ist für die Stadt gemacht, hier spielt er seine Stärken aus.

Wenn es nach der Aufmerksamkeit geht, die ihm in der Öffentlichkeit zuteil wird, müssen sich die Renault-Händler auf einen Ansturm gefasst machen. Der Twizy ist eine Kontaktmaschine, er provoziert die Menschen zu permanenten Äußerungen und Gesprächsanfragen, deren Gemeinsamkeit ein wohlwollend-positiver Grundton ist. Am häufigsten dringen die Wörter "Geil!" von Männern und "Witzig!" von Frauen in den Innenraum.

Sobald der Twizy steht, und sei es an der Ampel, beginnt das Interview: Ist der elektrisch? Gibt es den zu kaufen? Was kostet der? Zwei Mal ein Ja, und 8.280 Euro ist der Mindestpreis, der investiert werden sollte. Dafür gibt es die schnellere der beiden angebotenen Varianten sowie die oben offenen und unten transparenten Türen, die dem Basismodell fehlen, in unseren Breitengraden aber ein Pflichtextra sind. Zum Kaufpreis addiert sich die Batteriemiete von monatlich ab 50 Euro bei 7.500 Kilometern Jahreslaufleistung.

Aufs Notwendigste reduziert

Im Gegenzug sind die Fahrenergiekosten fast lächerlich: Im Praxistest von ZEIT ONLINE verbrauchte der Twizy hochgerechnet auf 100 Kilometer knapp neun Kilowattstunden Strom, Renault gibt als Normverbrauch 6,3 kWh an. Die Reichweite lag zwischen 70 und 80 Kilometern. Zugegeben, dieses Mal wurde nicht mit sanftem Gasfuß gefahren. Denn neben der geringen Verkehrsfläche ist die Agilität eine weitere große Stärke dieses Stadtstromers.

Der Renault Twizy macht Spaß wie ein Ur-Mini, an den er im Fahrverhalten erinnert. Der Schwerpunkt liegt wegen der Batterie sehr niedrig, die Federung ist bretthart. Etwas mehr Fahrwerkskomfort wäre hier wünschenswert. Die Lenkung ist so direkt und leichtgängig, dass die Versuchung wächst, immer schneller und brachialer um die Ecken zu fahren. Auf trockener Asphaltdecke kündigt sich der Grenzbereich gut kontrollierbar durch das Klagen der Reifen an. Wenn es nass wird, ist Umsicht gefordert. Im Unterschied zum britischen Mini der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sitzt man bei allen Fahrmanövern aber nicht sehr tief, sondern mit guter Übersicht.

Auch die Bremsen packen sehr gut zu. Aber Vorsicht, es gibt kein Antiblockiersystem. Fahrer älterer Autos kennen das unangenehme Pedalgefühl, wenn die Vorderreifen bei Regen stehen, obwohl das Gefährt noch in Bewegung ist. Ja, das Gefährt, denn so viel muss jedem Interessenten klar sein: Der Twizy ist kein Auto und kein Ersatz dafür. Er hat keine Heizung, keine Fenster und kein Radio. Er hat kein ABS und kein ESP, aber immerhin einen Airbag. Alles ist auf das Notwendigste reduziert. Die Außenspiegel müssen direkt per Hand verstellt werden. Der Fahrersitz ist längs verstellbar, die Lehne kann in ihrer Neigung aber nicht variiert werden. Die Halbtüren sind nicht abschließbar. Erfreulich: Die Hupe sitzt wieder da, wo sie bei einem echten Franzosen erwartet wird – links im Blinkerhebel.