ElektromobilitätMit halber Muskelkraft auf Smarts E-Bike

Der Markt für Elektrofahrräder wächst kräftig. Daran möchten auch Autobauer teilhaben. Smart geht voran: Sein Pedelec ist gut, aber ein Luxusgefährt. von Sebastian Viehmann

Radfahrer auf Pedelecs von Smart

Radfahrer auf Pedelecs von Smart  |  © Hersteller

Die Sonne brennt, die Straße steigt immer steiler an. Jetzt muss man sich auf dem Fahrradsattel eigentlich ganz schön abstrampeln. Nicht aber auf einem E-Bike: Ein Knopfdruck, schon wird das Treten kinderleicht. Man tritt mit wenig Kraft in die Pedale, den Rest übernimmt ein Elektromotor. Das Strampeln fällt so leicht, dass sich selbst Steigungen spielend überwinden lassen.

Kein Wunder also, dass sich die Fahrräder mit Hilfsmotor sehr gut verkaufen. Die Elektromobilität mag nur schleppend in Gang kommen – Elektro-Bikes jedenfalls sind der große Renner . Von dem Boom will nun auch die Daimler-Sparte Smart profitieren: Ihr Elektrofahrrad hat einen 250 Watt starken E-Motor, der den Radler in vier verschiedenen Leistungsstufen und bis zu einem Tempo von maximal 25 km/h unterstützt. Eine Kette sucht man vergeblich, ein Zahnriemen übernimmt die Kraftübertragung.

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Das Smart E-Bike ist ein so genanntes Pedelec, also ein echtes Hybridfahrzeug: Der Fahrer muss immer noch in die Pedale treten, wird dabei aber unterstützt vom elektrischen Nabenmotor im Hinterrad. Die Stärke der Unterstützung ist in vier Stufen regelbar. Schaltet man den Motor aus, bewegt sich das Bike wie ein normales Rad. Man kann also auch bei leerem Akku jederzeit per Muskelkraft weiterstrampeln. Leider hat das Smart-Velo nur eine Nabenschaltung mit drei Gängen, ein paar mehr Gänge hätten es schon sein können.

Energierückgewinnung beim Bremsen

Je nachdem wie sehr und wie oft man sich vom Motor helfen lässt, soll eine Ladung des 423 Wattstunden großen Lithium-Ionen-Akkus für bis zu 100 Kilometer reichen. Das wäre erheblich mehr als bei den gängigen Pedelecs auf dem Markt. "Auch das Gewicht des Fahrers beeinflusst die Reichweite", sagt E-Bike-Entwickler Felix Britsch. Der Akku ist herausnehmbar und wird zu Hause an der Steckdose aufgeladen – oder man stöpselt das kleine Ladegerät einfach direkt in der Garage an.

Das Smart-Fahrrad kann aber noch mehr als die meisten Pedelecs. Beim Bremsen wird der Motor zum Generator und gewinnt per Rekuperation Energie für die Batterie zurück, ähnlich wie bei vielen Elektroautos. Die Rekuperation lässt sich in verschiedenen Stufen einstellen und funktioniert auch während der Fahrt auf ebener Strecke per Muskelkraft. Dann fühlt es sich an, als würde man gegen einen starken Widerstand antreten. Auf Dauer wird das sehr anstrengend. Ohnehin reicht die Kraft des Radlers kaum aus, um die Reichweite nennenswert zu steigern. "Man gewinnt vielleicht fünf Prozent zurück", schätzt Britsch.

Neben der Technik spielte auch das Design bei der Entwicklung des Smart-Bikes eine große Rolle. "Wir haben nicht einfach eine Batterie an ein Fahrrad drangeklatscht", sagt Britsch. In der Tat wurde der Akku sehr gefällig ins Gesamtdesign des Rades integriert. Auch sonst kann sich die Ausstattung sehen lassen. Spezielle Leichtlaufreifen reduzieren die Reibung, der LED-Scheinwerfer hat eine Tagfahrlichtfunktion und die hydraulischen Scheibenbremsen packen kräftig zu.

Leserkommentare
  1. Man erkennt, wenn man mag, bei Smart einige Analogien zum Smart-PKW:

    - Das Konzept ist sehr gut, aber der Smart-PKW ist trotz Plastik-Spielereien im Innenraum ein recht teueres Gefährt
    - Nur drei Gänge beim Rad und eine überaus nervige Halb-Automatik, gern auch als "Kopfnicker"-Automatik bezeichnet, die jeden Fahrspaß und Komfort vermiesen..

    Und sind die E-Bikes wirklich der Ersatz für Berufstätige in Großstädten? Oder sind die E-Bikes eher eine Art Geriatrie-Shopper? Nichts gegen die Rentner, aber ich denke da geht die Marken-PR bewusst an der Zielgruppe vorbei, denn wer kauft sich ein teueres E-Bike? Ich sehe da nur "silver-ager", aber das mag ein subjektiver Eindruck sein...

    Dabei sind E-Bikes wohl der gegenwärtig einzig sinnvolle E-Antrieb für den Bürger, denn die Technik beim PKW ist auch weder "grün" (Herstellung, Wechsel der Akkus) noch ausreichend (Reichweite, außer beim teueren Tesla, Komfort etc.). Also sollte man hier den Absatz forcieren, auch mit städtischen Ladestellen und sicheren Rad-Parkplätzen (vielleicht auch mit massiven Schlössern oder ggf. Video-Überwachung), statt dem E-Autotraum mit der Gießkanne zu subventionieren. Der Effekt könnte bei den Räder weitaus höher sein. Dazu dann noch verbrauchsarme Kleinwagen, Smart könnte den Smart ja mal ohne die sinnlose Automatik ausstatten.. Aber lieber PR-wirksame Hybride usw., da freuen sich auch Politiker mehr, wer will schon heute nicht "grün" sein...

    • TDU
    • 06. Mai 2012 13:31 Uhr

    Bei den Preisen echte Notalgie. Im Bergland geht der Arme zu Fuss, ÖVPN grauenvoll und der Reiche hat ein Pedelec wie früher das Pferd. Ganz zu schwiegen von der Bekleidung im Winter. Und wie hoch sind eigentlich die Stromkosten pro Füllung?

    Aber schön hast du kein Auto kauf doch ein Pedelec. Damit lässt sich trerfflich Poltik machen und dem Geringverdeiner das Auto abspenstig machen, damit alle von Rot bis Grün mehr Platz haben mit ihren Autos. Und Mobilität beschränkt sich wieder auf die Umgebung.

  2. Sieht ja schick aus, aber 3 Gaenge sind ein Scherz. Angesichts des Designs und der technischen Spielereien (die zwar sinnlos sind, aber manche Leute sicher beeindrucken koennen), ist der Preis wohl OK. ("Nur" etwa doppelt so teuer wie das Elektrofahrrad mit 8 Gaengen und einer 360 Wh Batterie, das ich mir kuerzlich gekauft hab.)

    Tatsaechlich ist der hohe Preis wohl Teil der Strategie: dieses Fahrrad soll sich nicht jeder leisten wollen, sonst koennte man damit ja nicht angeben. Insofern braucht man ueber den Preis nicht meckern.

  3. Eigentlich ist das Fahrrad - bisher und auch noch auf längere Sicht - das einzige Verkehrsmittel, an dem ein Elektroantrieb wirklich Sinn macht. Aber solange ein Pedelec teurer als ein billiger Gebrauchtwagen ist und dann nur drei Gänge und noch nicht mal einen Gepäckträger hat, ist es ein Spielzeug für Wohlhabende.

    • jagu
    • 06. Mai 2012 14:59 Uhr

    Das kann man wohl mehr als Gag eines Autoherstellers ansehen.

    Es gibt diverse Räder, die mehr als 100 KM ohne die schwerere und teure Energierückgewinnung schaffen - die scheinen Redakteure bloß nicht zu entdecken.

    Mein Winora schafft bis zu 150 KM, kostet nicht soviel, hat statt des einfachen Litium Akkus den im Winter erheblich leistungsfähigeren Lithium-Polymer Akku, der Hersteller ist erfahren und der bei eBikes nicht ganz unwichtige Service stimmt.

    Ganz nebenbei - und das erfüllen diverse bekannte Hersteller aus dem Ausland nicht - stimmt die ganze Rücklaufkette, die Akkus werden zurückgenommen etc.

    Schade dass solche Artikel in der Regel relativ unreflektierte Marketingnummern sind und Redakteure selbbst bei Tests recht selten in der Materie sind.

  4. Warum aufregen über ein Premium-Modell mit Premium-Preis? Es kann doch nicht nur Discount-Pedelecs mit 2 Jahren Lebensdauer geben...

  5. Hier ein interessantes Video zum smart ebike: http://www.youtube.com/wa...

    • Peip
    • 06. Mai 2012 18:55 Uhr

    sind bei E-Motor ausreichend. Das Ding sieht eben nach Design aus, der Antrieb ist ohnehin zugekauft. Das Design auch, Smart selbst gibt nur den Markennamen. Um es böse zu sagen: das kriegen die natürlich selbst nicht hin. Label druff und fertig.

    ABER: wenn man so einen auffälligen Look möchte, muss man auch woanders soviel bezahlen, Preis ist also okay. Ist eben was für Design-Freunde.

    Aber der Ton wie "das Smart Fahrrad kann" legt natürlich nahe, dass man nicht gecheckt hat, dass ein BionX Antrieb verbaut ist, den zig-Hersteller so einsetzen. Der Antrieb ist eingentlich ganz gut, wenn man den Rahmen aber eigens designt, gibt es bessere Lösungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Toyota | Akku | App | E-Bike | Elektromobilität
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