Alternativer AntriebVolvos teures Plug-in-Vergnügen

Volvo bietet den ersten Diesel mit Elektromotor, dessen Akku man an der Steckdose laden kann. Den kräftigen Plug-in-Aufpreis wird sich aber kaum einer leisten können. von Stefan Grundhoff

Volvo V60 D6 AWD

Volvo V60 D6 AWD  |  © press-inform

Volvo hat in den vergangenen Jahren kaum durch Hightech-Produkte von sich reden gemacht. Es gab zumeist nicht viel mehr als eher geringe Verkaufszahlen und betagte Produkte. Nach der Übernahme durch den chinesischen Hersteller Geely geht es bei Volvo wieder aufwärts. Auch in der Technikentwicklung kommen die Schweden wieder: Als erster Hersteller bringt Volvo im Dezember die technische Symbiose aus einem Dieselmotor und einem Plug-in-Hybriden auf den Markt, als neues Topmodell der V60-Familie.

Der V60 D6 AWD soll mit einem Mini-Verbrauch und sportlichen Fahrleistungen locken. Sein Preis lockt nämlich nicht, selbst Elektro-Fanatiker kaum: Mindestens 56.900 Euro soll das Modell kosten. Sein Schwestermodell V60 D5 AWD kostet mit Automatik-Getriebe gerade einmal 40.450 Euro. Einen Preisunterschied von mehr als 16.000 Euro wird in einem normalen Autoleben niemand herausfahren. Da tröstet es wenig, dass der Plug-in-Hybrid eine Komplettausstattung enthält, die einen Wert von rund 5.000 Euro hat.

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Der Volvo V60 D6 AWD ist technisch ähnlich wie der Peugeot 508 RXH oder ein Citroën DS5 aufgebaut – nur, dass die französischen Modelle nicht an eine Steckdose angeschlossen werden können. Im Volvo treibt ein 215 PS starker Dieselmotor mit 440 Nm maximalem Drehmoment die Vorderachse über eine Sechsgang-Automatik an, die Hinterachse wird von einem Elektromotor mit 51 kW (70 PS) Leistung in Schwung gebracht. Gespeist wird er von einer 11,2 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie unter dem Ladeboden. Unter bestmöglichen Bedingungen kann der V60 D6 AWD rein elektrisch 50 Kilometer zurücklegen, dann maximal mit 120 Stundenkilometern. Ansonsten erreicht der Wagen bis zu 230 Stundenkilometer.

Im Prototyp ruckelt's noch

Im Fahrbetrieb zeigt sich der Dieselhybrid als kräftige Limousine. Den Spurt von 0 auf 100 Stundenkilometer schafft der Wagen in 6,2 Sekunden. Man hat aber nie das Gefühl, mit rund 280 PS unterwegs zu sein oder gar über 640 Nm maximales Drehmoment zu verfügen. Die 200 Batteriezellen bringen ein Mehrgewicht von rund 250 Kilogramm und liegen satt auf der Hinterachse. So muss der Antrieb knapp 2,1 Tonnen Gesamtgewicht beschleunigen, eine gewaltige Aufgabe. Man merkt auch schnell, dass die vom Verbrenner angetriebene Vorderachse und die elektrisch betriebene Hinterachse es nicht mit einem dynamisch abgestimmten Allradantrieb aufnehmen können.

Der Fahrer kann sich zwischen drei Fahrmodi entscheiden. Rein elektrisch fährt er im Pure-Modus; außerdem stehen die Einstellungen Hybrid und Power zur Wahl. Die volle Gesamtleistung von 206 kW (280 PS) liefert der kombinierte Antrieb nur im Power-Modus. "Im Hybridmodus sparen wir rund 15 bis 20 Prozent an Kraftstoff", erläutert der Produktverantwortliche Per-Arne Reinholdsson. "Zudem gibt es die Save-for-later -Variante: Sie hält eine rein elektrische Restreichweite von 20 Kilometern zurück, die man später zum Beispiel in der Innenstadt nutzen kann."

Der Hybrid-V60 fährt sich weitgehend unspektakulär. Beim Heranbremsen an eine Kreuzung ruckelt es allerdings bisweilen. "Wir sind derzeit noch bei der Abstimmung der Regelsysteme", sagt Reinholdsson entschuldigend. "Bei den Serienfahrzeugen Ende des Jahres wird man davon natürlich nichts merken." Derzeit hat Volvo knapp 50 Prototypen auf den Straßen, um am Fahrzeug die letzten Feinheiten nachzuschleifen.

Nicht verbessern wird sich aber die lange Ladezeit, ehe das Batteriepack wieder voll ist. An einer normalen Steckdose benötigt der Akku bis zu 7,5 Stunden. Viel Zeit für eine elektrische Reichweite zwischen 30 und 50 Kilometern. Da bringt es auch wenig, dass man den Ladezustand der Batterie oder den Startzyklus des Ladevorgangs auf seinem Mobiltelefon jederzeit kontrollieren kann. Selbst wer mit einer höheren Stromstärke von zehn Ampere lädt, braucht noch immer 4,5 Stunden. Ärgerlich ist die Reduzierung des Tankvolumens von 67 auf gerade einmal 43 Liter.

Deutlich kleinerer Kofferraum

Das Schwestermodell V60 D5 mit Fünfzylinder-Diesel und Allrad (AWD) hat einen Verbrauch nach ECE-Norm von 6,4 Litern pro 100 Kilometer. Der Plug-in-Dieselhybrid D6 gab sich bei den Testfahrten mit 5,2 bis 5,6 Litern zufrieden. Der Normverbrauch mit vollem Akku soll bei wenig glaubhaften 1,9 Litern liegen.

Im Innenraum ist der Unterschied zwischen dem normalen V60 und dem Plug-in-Hybrid kaum zu bemerken, abgesehen von dem elektrisierend illuminierten Automatikwählhebel. Ähnlich wie der neue Volvo V40 ist auch die Hybridversion des V60 mit TFT-Instrumenten ausgestattet. Der Kofferraum bietet weniger Stauplatz als im herkömmlichen V60: Die Batterien verringern das Volumen von 430 auf rund 300 Liter. Immerhin bleibt noch die umklappbare Rückbank. Zudem ist der Ladeboden sechs Zentimeter höher als beim Modell ohne Hybridtechnik.

Solche Kleinigkeiten sind es letztlich nicht, die es dem V60 Plug-in-Dieselhybrid schwer machen werden, am Markt Fuß zu fassen. Abschrecken wird der unglaublich hohe Preis für den Mittelklasse-Kombi. Auch Reinholdsson weiß, dass das Modell mit dem alternativen Antrieb vorerst kein Wagen für die Masse ist. "In einer ersten Serie wird es 1.000 Hybridfahrzeuge geben", sagt der Volvo-Projektleiter. Von Mitte 2013 an soll die Stückzahl dann abhängig von der Nachfrage auf 4.000 bis 6.000 Fahrzeuge steigen.

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Leserkommentare
    • bugme
    • 25. Mai 2012 17:53 Uhr

    Der Preis war schon das KO Kriterium für den 3l Audi und den 3l Lupo. Der Bürger hat zwar Idealismus beim Umweltschutz, beim Geldbeutel wird aber zum harten Kapitalisten - was sich nicht rechnet wird meist nicht gekauft, egal wie sehr das Gewissen anklopft.
    Was folgt daraus? Der Umweltschaden, den fossile und nukleare Energien mit sich bringt muss mehr monetär bewertet auf die Käufer umgelegt werden.

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    Den Verbrauch von 5,2 - 5,6l bekommt man auch mit einem sparsamen Diesel ohne E-Motor hin.
    Somit ist diese Kombination nicht umweltfreundlicher als die von Ihnen gegeißelten rein fossilen Verbrenner.

    Im Gegenteil, man produziert einen Akku, der in der Ökobilanz alles andere als unbedenklich ist. Und die zusätzlich in den E-Motor geladene Energie aus dem Kraftwerk ist es auch nicht, sofern sie nicht aus regenerierbaren Quellen stammt.

    Für mich sind die Hybriden marketingtechnisch aufgemotzte Mogelpackungen, mit denen man den Kunden hinters Licht führt.

    Weil dies einer meisterhaft geschafft hat, nötigt man jetzt alle anderen, auf diesen Zug mit aufzuspringen.

  1. Die Stärke des V60-Hybrid ist der geringe Verbrauch.
    http://www.volvocars.com/de/campaigns/hybrid/pages/v60-plugin-hybrid.aspx
    Bei einem Verbrauch von 1,9 Litern/100km ist ein Tankinhalt von 43 Litern nicht wirklich ärgerlich und da sich die Akkus im Fahrbetrieb aufladen ist die Plug-In-Funktion mit der langen Ladezeit meiner Meinung nach nur ein Gimmick.

    Ärgerlich ist der Preis.
    Im Gegensatz zu 3-Liter Kleinwagen könnte dieser hier aber als Firmenwagen interessant sein und nach der Abschreibung auf dem Gebrauchtwagenmarkt einen annehmbaren Preis für den Normalverbraucher haben.

  2. Schön zu sehen ist, dass es mit dem Volvo jetzt endlich einen Hybrid mit relativ hohem Nutzwert (na gut er ist kein Passat) und einer tollen Optik (zum Glück ist er kein Passat) gibt.
    Der Preis ist natürlich heftig. Aber für einen Premiumhersteller zahlt man eben auch Premiumpreise.

    Ich denke aber dennoch dass hier die Chance besteht den Markt für preiswerte Produkte (vielleicht Hyundai o.Ä.) zu öffnen.

  3. Den Verbrauch von 5,2 - 5,6l bekommt man auch mit einem sparsamen Diesel ohne E-Motor hin.
    Somit ist diese Kombination nicht umweltfreundlicher als die von Ihnen gegeißelten rein fossilen Verbrenner.

    Im Gegenteil, man produziert einen Akku, der in der Ökobilanz alles andere als unbedenklich ist. Und die zusätzlich in den E-Motor geladene Energie aus dem Kraftwerk ist es auch nicht, sofern sie nicht aus regenerierbaren Quellen stammt.

    Für mich sind die Hybriden marketingtechnisch aufgemotzte Mogelpackungen, mit denen man den Kunden hinters Licht führt.

    Weil dies einer meisterhaft geschafft hat, nötigt man jetzt alle anderen, auf diesen Zug mit aufzuspringen.

    Antwort auf "Das liebe Geld"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    5,2 bis 5,6 Liter - das wäre nach meinen Infos der Power-Modus,
    1,9 l - der Hybrid-Modus, Reichweite 1200 km (mit dem "ärgerlich kleinen" Tank
    0 Liter - im Pure-Modus für das letzte Stück in der Stadt.

  4. 5,2 bis 5,6 Liter - das wäre nach meinen Infos der Power-Modus,
    1,9 l - der Hybrid-Modus, Reichweite 1200 km (mit dem "ärgerlich kleinen" Tank
    0 Liter - im Pure-Modus für das letzte Stück in der Stadt.

  5. wird es keinen elektrisch betriebenen Wagen geben, der auch nur annähernd mit den Dieselmotor betriebenen Fahrzeugen mithalten kann.
    Da nütz das ganze linksgrüne Geplapper nichts.
    Physik ist Physik, ist Physik.

  6. So ein Panzer ist einfach lächerlich.

    Wenn hier was fortschrittlich sein sollte, dürfte er höchstens die Hälfte wiegen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Volvo | Peugeot | AWD | Akku | Dieselmotor | Schweden
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