Audi galt lange als Automarke für den Opa mit Hut. Doch in den achtziger Jahren wurde Audi plötzlich cool, vor allem dank des Allradantriebs Quattro . Wegweisend für das Design der Marke war aber der Audi 100 aus dem Jahr 1982. Das vor 30 Jahren erschienene Modell war damals die windschlüpfrigste Serienlimousine der Welt und wurde sogar von den Amerikanern kopiert.

Der Ölpreis-Schock der siebziger Jahre machte der Automobilindustrie damals noch immer zu schaffen. Die Aufgabe der Konstrukteure: Autos sollten effizienter werden und weniger Sprit verbrauchen . Der Windkanal wurde für die Hersteller immer wichtiger, denn je weniger Angriffsfläche ein Auto dem Wind bieten würde, desto besser wäre es für den Spritverbrauch – das war die Maxime, unter der Audi das neue Modell entwickelte.

Als Audi sein Forschungsauto schließlich im Herbst 1981 auf der Frankfurter Automesse IAA vorstellte, hatten die Designer sich bis zum Exzess im Windkanal ausgetobt. Die Studie, die dem späteren Audi 100 der dritten Generation schon sehr nahe kam, hatte eine glattflächige Karosserie mit bündig eingesetzten und hochgezogenen Seitenscheiben. Front und Heck wirkten noch etwas unbeholfen; sie wurden aber für das Serienmodell von 1982 noch hübsch gemacht und geglättet. Am Ende war der Audi 100 der Generation C3 fast so stromlinienförmig wie das Forschungsauto. Sein cW-Wert lag bei 0,3. Der cW-Wert misst die Windschlüpfrigkeit – zum Vergleich: Ein Gleitschirm im Normalflug hat einen cW-Wert von 0,6; der cW-Wert eines Pinguins liegt bei 0,03.

Kein Auto war je so stromlinienförmig gebaut. Selbst amerikanische Autodesigner bewunderten die Form des neuen Audi 100. Besonders bei Ford schielte man nach Ingolstadt : Die Mittelklasselimousine Ford Taurus, die 1986 auf den Markt kam, wirkte fast wie eine Kopie des Audi. Der Taurus war enorm erfolgreich und wurde in den USA zum bestverkauften Wagen seiner Klasse.

Windschnittiges Raumwunder

Allerdings hatte die neue Form des Audi mit den großen schrägen Seitenscheiben auch Nachteile: Der Innenraum heizte sich im Sommer stark auf – eine Klimaanlage gehörte in den Achtzigern in der Mittelklasse selten zur Serienausstattung. Wenn die Fenster geöffnet waren, tröpfelten allzu leicht Schnee und Regen auf die Sitze.

Weil der Audi 100 so windschnittig war, verbrauchte er nicht nur weniger Sprit als sein Vorgängermodell – durchschnittlich einen Liter weniger auf 100 Kilometer. Er verursachte auch weniger Windgeräusche. Sein Innenraum war indes viel größer. 1983 erschien die Kombi-Version Avant, ein echtes Raumwunder. Um sein Fassungsvermögen in einer Werbeanzeige zu demonstrieren, drapierte man 18 Koffer hinter der Heckklappe.

Der Audi 100 war 4,79 Meter lang und 1,8 Meter breit und damit auch deutlich größer als sein Vorgänger. Dennoch wog er 80 Kilo weniger: Sein Leergewicht betrug 1.130 Kilo. Das Basismodell hatte einen phlegmatischen Vergasermotor mit vier Zylindern und 75 PS. Flotter unterwegs war man mit den Fünfzylinder-Benzinern des Audi 100. Sie boten 100 bis 136 PS. Unter ihnen war 1984 auch das erste in Deutschland angebotene Modell mit einem geregelten Katalysator.

 Ein Auto für die Skisprungschanze

Am sparsamsten fuhr man natürlich mit den Dieselmodellen. Die stärkste Version war der Audi 100 TDI von 1990. Er setzte nicht mehr auf das Wirbelkammer-Prinzip, sondern funktionierte mit Direkteinspritzung. 120 PS trieben den Wagen in zwölf Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Sein Durchschnittsverbrauch lag bei 8,5 Litern Diesel pro 100 Kilometer. Durch den 80 Liter großen Kraftstofftank konnte man, bei sparsamer Fahrweise, mit einer Tankfüllung 1.000 Kilometer weit kommen. Zudem experimentierte Audi mit einem Dieselhybridantrieb: Der erste Audi Duo wurde 1989 präsentiert.

Sparen war jedoch nicht alles. Modelle mit Allradantrieb oder Turbolader gaben der Marke ein sportlicheres Image. Die Quattro-Version des Audi 100 war 1984 der Star eines der berühmtesten Auto-Werbespots . Der Wagen fuhr mühelos auf einer steilen Skisprungschanze – und zwar von unten nach oben. Der Audi 100 Turbo hatte fünf Zylinder und 165 PS.

James Bond und Professor Brinkmann fuhren einen Audi

Noch mehr Leistung bot die Sport- und Luxusversion Audi 200. Das Top-Modell 200 Quattro 20V protzte mit 220 PS und beschleunigte in nur acht Sekunden von 0 auf 100. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 242 Kilometern pro Stunde machten die großen Audis plötzlich der Konkurrenz von BMW und Mercedes die linke Autobahnspur streitig.

Der Audi 200 hatte außerdem einen besonderen Promi-Bonus: James Bond alias Timothy Dalton fuhr den Wagen 1987 im Film Der Hauch des Todes , und Klausjürgen Wussow alias Professor Brinkmann brauste mit verschiedenen Audi 200 in der Serie Die Schwarzwaldklinik durchs Glottertal.

Auf die Spitze trieb es schließlich der auf Basis des Audi 100 konstruierte Audi V8, der ab 1988 mit 250 PS und ab 1991 sogar mit 280 PS auftrumpfte. Der Leistungshunger einer Marke, die endlich in die Premiumliga aufsteigen wollte, trieb leider auch die Preise in schwindelerregende Höhen. Die Top-Version des V8 kostete im Jahr 1991 satte 163.000 D-Mark. Das Basismodell des Audi 100 von 1982 hatte man noch für 21.600 D-Mark kaufen können.