Elektromobilität : Französische Autohersteller im Elektro-Fieber

Frankreichs angeschlagene Autohersteller suchen ihr Heil im Elektroantrieb. Besonders Renault prescht mit vier Modellen voran – eine riskante Strategie.
Ein Exemplar des Renault-Elektroautos Fluence Z.E. auf der Piazza della Scala in Mailand (Archivbild) © Vittorio Zunino Celotto/Getty Images

"Wenn man heute an Hybridautos denkt, denkt man an Toyota ", sagte Renault-Chef Charles Ghosn vor zwei Jahren und fügte hinzu: "Wenn bald von Elektroautos die Rede ist, wird man an Renault-Nissan denken." Ghosn beschrieb damit nicht nur die Hoffnung des von ihm geleiteten französischen Autobauers. Er hätte ebenso gut auch über die Erwartungen seines Erzrivalen Peugeot-Citroën (PSA) sprechen können.

Die Rechnung der beiden Traditionshersteller von der anderen Rheinseite ist einfach: Im Geschäft mit Fahrzeugen, die herkömmlichen Treibstoff tanken, fallen sie seit Jahren immer weiter zurück. Einerseits schrumpfen die Margen für die Kleinwagen, die die französischen Unternehmen hauptsächlich produzieren. Denn der Wettbewerb mit Opel, Fiat , VW und Co. drückt in diesem Segment die Preise. Andererseits haben sich beide Marken aus dem profitablen Geschäft mit Oberklassefahrzeugen weitgehend zurückgezogen.

Auch was die Breite und technische Leistung ihrer Modellpalette betrifft, können Renault und PSA mit Konkurrenten wie Volkswagen immer weniger mithalten. Das Ergebnis: Ein Verlust bei der Autosparte von PSA von rund 90 Millionen Euro im Jahr 2011. Zwar macht Renault noch Gewinn, aber auch hier gab es 2011 einen Gewinneinbruch um 39 Prozent.

Kooperationen sollen helfen

Nun soll also die Elektromobilität für die französischen Autobauer Licht in die sonst düstere Zukunft bringen. Zehn Prozent der verkauften Autos im Jahr 2020, so schätzen die Marktforscher bei Europas zweitgrößtem Autobauer Renault, werden ausschließlich mit Strom angetrieben. Wer technisch in diesem neuen Segment die Nase vorn hat, so das Kalkül, bekommt das größte Stück vom neuen Mobilitätskuchen.

Um künftig in diesem neuen Segment die Technologieführerschaft zu übernehmen, setzt Renault auf die Kooperation mit dem japanischen Autobauer Nissan , mit dem seit 1999 ein Bündnis besteht. Insgesamt haben Renault und Nissan in den vergangenen Jahren vier Milliarden Euro in die neue Antriebs- und Batterietechnik investiert. Hinzu kommt eine Kooperation mit Daimler, um gemeinsam Plattformen und Teile für die Elektroautos zu bauen. Durch die Skaleneffekte bei der Produktion größerer Stückzahlen sollen die Kosten für die Stromer sinken.

Auch bei Peugeot-Citroën hofft man auf eine Kooperation, um bei den Batteriefahrzeugen anzugreifen. Hier ist es eine Liaison mit dem bayerischen Autobauer BMW , die im Oktober vergangenen Jahres startete. Dafür forschen mehr als 400 Mitarbeiter am Standort München . Im französischen Mulhouse sollen mehr als 200 Mitarbeiter ab 2015 dann Autoteile produzieren. Entwickelt, und später produziert, wird alles von der Batterie über den Motor, von der Leitungselektronik bis zu den Ladeeinheiten.

Gemeinsam sind wir stark, lautet also das Motto bei beiden französischen Autobauern. In technisch besseren Leistungen – etwa bei Reichweite, Kosten oder Ladezeit – haben sich die Kooperationen aber noch nicht niedergeschlagen. Eine der wichtigsten Fragen bleibt deshalb vorerst für die französischen Autobauer: Wie viele Steckdosen-Autos werden tatsächlich in den kommenden Jahren verkauft?

Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Monatsmiete

@ 1: Nicht jeder verdient nur 8€/Stunde. Es gibt Leute, die kaufen sich für 30000€ einen Zweitwagen. ;-)
Das ganze anti-kapitalistische Rumgejammer braucht kein Mensch. Am besten zieht man mit so einer Einstellung nach Nordkorea - nur dort hat man Ruhe vor Coca Cola.

Topic:
Ich fahre ca. 25000KM/Jahr Arbeitsweg und zahle ca. 85-95€ für Diesel/Monat für meine Marke mit Stern aus der E-Reihe. Wenn der Akku also 85€ Monatsmiete + ~15€ Ladestrom kostet, ist das für mich persönlich schon mal kein guter Deal.
Das Auto ist später wahrscheinlich nicht einfach zu verkaufen (Franzose) und die Qualität ist erfahrungsgemäß auch nicht das Maß aller Dinge (man siehe die Markenauswertung bei der ADAC Pannenstatistik).

Mein Fazit: Sinnfrei - besser einen gebrauchten, sparsamen Diesel kaufen.

Renault ...

... gibt eine Reichweite in einem bestimmten Zyklus an. Der ist aber für die Fahrpraxis irrelevant.

7 kWh/100 km sind im Flottenschnitt nicht machbar.

i-MiEV : 13,4 kWh / 100 km

Quelle: http://www.spritmonitor.d...

Der einzige Leaf, der erfaßt wurde, braucht sogar 17,4 kWh / 100 km

Quelle: http://www.spritmonitor.d...

Vor diesem Hintergrund ist es für den Zoe schlicht und ergreifend unmöglich bei vergleichbarer Nutzung 7 kWh / 100 km zu erreichen.

Völlig utopisch.

Warum kostet der Kleinwagen ohne Akku 10 000 Euro?

Da stimmt doch was nicht. Die sollen allen Luxuskram rauslassen und dann kostet das Ding auch nur noch 5000 Euro. Dacia, übernehmen sie.
Das war doch mal die einstimmige Meinung, ein Elektroauto ist wesentlich einfacher aufgebaut und verzichtet auf viele Teile eines Verbrenners, also billiger.
Klar, dass der Akku kostet, aber der Rest?

...es gibt nicht nur Kleinwagen unter 10.000 Euro

Entschuldigung, aber wenn hier ein Redakteur schreibt, dass es einen herkömmlichen Kleinwagen kaum für unter 10.000 Euro gibt, muss ich einfach widersprechen. Mittlerweile dürfte die Marke Dacia wohl fast jedem hinlängliche bekannt sein, so dass es mir als eingefleischter Fan fast schon peinlich ist, dafür Werbung zu machen.

Es muss aber einfach gesagt werden, dass es (z.B. von Dacia) selbstverständlich Autos unter 10.000 Euro gibt. Und zwar nicht nur Kleinwagen, sondern mit dem Dacia Logan MCV auch einen riesengroßen Familien-Kombi. Natürlich bekommt man das Auto dafür nur in der Grundausstattung ohne Servolenkung, Klimaanlagen, elektr. Fensterheber und sonstige Zusatzausstattung. Aus eigener Erfahrung darf ich aber sagen, dass man so ein Auto trotzdem ganz wunderbar und zufrieden fahren kann.

Daher ist auch die vorangegangene Frage von "eirenarch" berechtigt, warum ein E-Auto ohne Batterie schon einmal mindestens 10.000 Euro kosten muss. Ich bin jedenfalls schon gespannt darauf, wenn Dacia sich des Themas E-Auto annimmt und allen anderen Herstellern vormacht, wie günstig es bei Verzicht auf allen Luxus wirklich geht.