Intelligenter VerkehrDas Auto schaut um die Ecke

Ein Großversuch in Frankfurt: Autos tauschen Infos über die Verkehrslage aus. Europaweit wird Telematik entwickelt, die Staus und Unfälle vermeiden soll. von 

Computeranimation von miteinander kommunizierenden Fahrzeugen: Telematik kann unübersichtlichen Kreuzungen den Schrecken nehmen.

Computeranimation von miteinander kommunizierenden Fahrzeugen: Telematik kann unübersichtlichen Kreuzungen den Schrecken nehmen.  |  © CAR 2 CAR Communication Consortium

Was geschähe, wenn ein Wagen mit 120 Kilometern pro Stunde durch ein kurvenreiches Waldgebiet raste und wenige Meter hinter der nächsten Biegung ein verunglücktes Auto die Strecke blockierte? Die Folgen wären verheerend. Um solch schwere Unfälle künftig zu verhindern, arbeiten Forscher und Automobilhersteller seit einigen Jahren an neuer Kommunikationstechnik. Im Juli startet in Frankfurt am Main der bislang größte Feldversuch: 120 Fahrzeuge tauschen untereinander Daten via Mobilfunk und WLAN aus, um sich gegenseitig über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. Der groß angelegte Test ist der Höhepunkt des Projekts Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland (simTD) .

Derzeit stattet das Team die Versuchsregion mit der Technik aus. Zum einen bringen die Mitarbeiter Antennen an und installieren die Infrastruktur, zum anderen rüsten sie die Fahrzeugflotte mit der notwendigen Technik aus. Darüber hinaus steht bereits die Versuchszentrale, in der sämtliche Daten zusammenlaufen, die die Techniker verwalten und verifizieren. Als Kommunikationsgrundlage dienen die derzeit gängigen Protokolle. Die Autos sind also mit Geräten ausgestattet, die WLAN sowie UMTS und GPRS beherrschen.

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Funktionieren soll der Informationsaustausch so: Kameras und Sensoren an bestimmten Verkehrsknotenpunkten, etwa an Ampeln oder vor Abfahrten, analysieren den Verkehrsfluss und informieren die Elektronik in einem Auto per Funk über etwaige Störungen auf der Strecke. Das Fahrzeug empfängt die Daten aber nicht nur, sondern speichert sie zugleich, um nachkommende Autos zu informieren. So kann sich ein Fahrer weiter hinten entscheiden, ob er nicht besser eine frühere Abfahrt nimmt oder auf eine Alternativstrecke ausweicht. Doch das Projekt soll letztlich weniger dazu führen, Staus abzuwenden; viel wichtiger ist den Forschern die Unfallvermeidung.

Riesige Datenmenge zur Auswertung

Das Zusammenspiel von Fahrzeugen und ihrer Umgebung macht die Komplexität des Ansatzes aus, wie Christian Weiß betont. Er ist Leiter des simTD-Projekts und arbeitet bei Daimler in der Forschung und Entwicklung. "Wir konzentrieren uns jetzt nicht mehr nur auf unser Fahrzeug, sondern arbeiten mit Verkehrsmanagementzentralen und anderen Herstellern zusammen", sagt Weiß. "Dadurch spielen jetzt ganz andere Aspekte eine Rolle: Wie zuverlässig ist die Kommunikation zu anderen Fahrzeugen? Wie viele Autos erkenne ich überhaupt in meiner Kommunikationsreichweite? Welche Rolle spielt die Infrastruktur?"

Weiß rechnet damit, dass das Team am Ende des Feldversuchs rund 30 Terabyte an Daten gesammelt hat. "Das ist eine enorme Menge, die man dann auswerten und untersuchen muss", sagt er. Eine der größeren Herausforderungen des ganzen Projekts wartet also sogar erst nach Abschluss des Experiments. Dazu entwickeln die Forscher derzeit entsprechende Werkzeuge, was den Starttermin etwas verzögert: Ursprünglich sollte simTD etwas früher loslegen. In einem Jahr rechnen die Beteiligten mit den ersten Ergebnissen.

Leserkommentare
    • joG
    • 22. Juni 2012 8:04 Uhr

    ....wenn die Technologie erwachsen geworden ist. Jeden Wurmhaufen auf dem Weg dahin sich anzusehen? Naja, manche Leute lieben Autos und einfache Technologie.

    Eine Leserempfehlung
  1. Dann sollte man dem Fahrer ganz schnell den Führerschein auf Dauer wegnehmen, weil er eine Gefahr für alle ANDEREN ist!
    .
    ABS,EMS, Kurvenassistent, ... jetzt Wlan,UMTS....
    .
    Wie wäre es mit der guten alten REGEL: Anhalteweg= 1/2 Sichtweite!
    .
    So lange der Fahrer SELBST steuert und die Geschwindigkeit bestimmt, kann KEINE Technik ihm die Verantwortung abnehmen.
    .
    Wenn er das nicht mehr tut, beutzt er kein AUTO d.h. ein Individualsverkehrsmittel, sonder eine wie auch immer benannte XYZ-Bahn.
    .
    Dann kann er auch auf die schon bekannten Massenverkehrsmittel umsteigen :-))
    .
    Kopfschüttelnde Gruesse, an die Technker, die aus einem unökonomischen Verkehrsmittel (2t Blech für 80Kg.Nutzlast)
    jetzt auch noch einen ZUG machen wollen :-((
    .
    Sikasuu

    4 Leserempfehlungen
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    • Jove
    • 22. Juni 2012 9:19 Uhr

    aber sind sie schon mal den Albaufstieg auf der A8 Stuttgart-München gefahren? Vorher 80 km/h, aber kaum geht's zweispurig kurvenreich den Berg hoch, ist unbegrenzt. Wahrscheinlich haben die Erbauer 1936 gedacht, bei der Steigung kann eh niemand schnell fahren, und das wurde bis heute nicht neu überprüft :)

    Anhalteweg= 1/2 Sichtweite ist übrigens eine seltsame Formel, da mir nicht ersichtlich wird, wieso ich bei schnurgerader, ebener Strecke, einen Anhalteweg von über einem Kilometer haben soll ;)

  2. So gut die Ziele der Forscher auch gemeint sind und sich dadurch wahrscheinlich der eine oder andere Stau vermeiden lässt, wird dieses System garantiert auch Begehrlichkeiten bei Sicherheitspolitikern wecken.

    Ist es doch klasse, jederzeit wissen zu können, wo sich welches Auto (Fahrzeughalter) befindet. Auch könnte man auf Grundlage der Daten Rückschlüsse auf verdächtiges Verhalten ziehen (Fahrzeug fährt auffällig häufig an Kernkraftwerk vorbei, obwohl der Fahrer woanders arbeitet). Oder man verteilt automatisch Strafzettel, weil der Fahrer den Weg von Punkt 1 zu Punkt 2 schneller bewältigt hat, als es ihm entsprechend der dort gültigen Geschwindigkeitsbegrenzung hätte möglich sein dürfen.

    Gerade durch die notwendige Zusammenführung der Daten in Verkehrsmanagementzentralen bietet es sich natürlich an, auch dort eine Schnittstelle für unsere Überwachungsfetischisten zu implementieren. Und damit das auch sinnvoll genutzt werden kann, müssen die Daten natürlich zig Monate aufbewahrt werden. Das mit der Aufbewahrung wird uns dann sicherlich damit verkauft werden, dass dies notwendig ist, damit das Verkehrsmanagement im Nachhinein auch aus den Daten trotzdem entstandener Staus lernen kann.

    Natürlich wird das alles nur passieren, um Terrorismus und maximal noch schwerste Straftaten zu bekämpfen. Und wie üblich wird das dann salamischeibenartig immer weiter ausgedehnt.

    4 Leserempfehlungen
    • UM
    • 22. Juni 2012 9:11 Uhr

    Alle Autos tauschen eines Tages Daten aus. Die Datenmenge ist riesig, Mobilfunknetze kapitulieren. Die Datenflut wird viel größer sein, als wenn man versucht, Sylvester 0:00 Uhr mobil zu telefonieren, was nicht immer möglich ist wegen der auftretenden Netzüberlastung.
    Wegen einer Überwachungsmöglichkeit der Autofahrer brauchen wir uns allerdings keine Sorgen machen, die Mobilfunk-Telefone können schon lang überwacht werden und der Standort ziemlich genau ermittelt werden.
    Wir leben in dem Informationszeitalter und leider ist nicht abzusehen, wann diese Info-Sammelwut, die übrigens auch reichlich Arbeitsplätze schafft, zu Ende geht.

    • Jove
    • 22. Juni 2012 9:19 Uhr

    aber sind sie schon mal den Albaufstieg auf der A8 Stuttgart-München gefahren? Vorher 80 km/h, aber kaum geht's zweispurig kurvenreich den Berg hoch, ist unbegrenzt. Wahrscheinlich haben die Erbauer 1936 gedacht, bei der Steigung kann eh niemand schnell fahren, und das wurde bis heute nicht neu überprüft :)

    Anhalteweg= 1/2 Sichtweite ist übrigens eine seltsame Formel, da mir nicht ersichtlich wird, wieso ich bei schnurgerader, ebener Strecke, einen Anhalteweg von über einem Kilometer haben soll ;)

    Eine Leserempfehlung
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    ... dieses Beispiel zeigt nur die allgemeine Vorgehensweise der VerkehrTexperten, die Regeln so zu formulieren, dass auch der DAU ( der Dümmste Arsch Unterwegs ) ohne zu denken, nur mit gehorchen, ohne Unfall fahren kann. Bei einer kurvenreichen engen Strecke glupfen 90% der Fahrer den Fuß vom Gaspedal, bei einer breiten, geraden Strecke treten sie drauf, ob im Ort oder im Wald.

    • thoyer
    • 22. Juni 2012 9:26 Uhr

    Weshalb verstehen die Menschen nicht, dass sicherere Autos nur eines bringen. MEHR VERKEHR. Wären Autos unsicher, würden die Menschen weniger fahren und sicher auch langsamer. Jeglicher Ausbau von Sicherheitssystemen im Straßenverkehr hilft der Autolobby noch mehr Fahrzeuge abzusetzen. Fahrt Rad und Bahn, dann braucht man keine Sicherheitssystem und spart auch noch viel Geld und allen ist geholfen.

  3. Unter dem Blech ist mehr Intelligenz vorhanden als unter dem Scheitel.

    Eine Leserempfehlung
  4. ... dieses Beispiel zeigt nur die allgemeine Vorgehensweise der VerkehrTexperten, die Regeln so zu formulieren, dass auch der DAU ( der Dümmste Arsch Unterwegs ) ohne zu denken, nur mit gehorchen, ohne Unfall fahren kann. Bei einer kurvenreichen engen Strecke glupfen 90% der Fahrer den Fuß vom Gaspedal, bei einer breiten, geraden Strecke treten sie drauf, ob im Ort oder im Wald.

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  • Schlagworte Verkehr | Europäische Union | Auto | Fahrzeug | UMTS | Wlan
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