Ein Toyota Prius Plug-in-Hybrid auf der Automesse in Detroit im Januar 2012 (Archivbild) © Stan Honda/AFP/Getty Images

Ganz allein geht es in der Automobilbranche ganz offenkundig nicht mehr: Erst vor wenigen Tagen bestätigte Daimler, dass der Antriebsstrang in der künftigen Elektroversion der Mercedes B-Klasse vom US-Elektropionier Tesla kommen soll. Und jetzt bauen BMW und Toyota ihre Kooperation erheblich aus. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten die Chefs beider Hersteller, Norbert Reithofer und Akio Toyoda , in München . Der Toyota-Präsident war dazu eigens nach Deutschland gekommen.

In vier Bereichen soll die Zusammenarbeit intensiviert werden. BMW und Toyota wollen bei der Elektrifizierung von Antriebssystemen kooperieren, gemeinsam den für das verbrauchsärmere Fahren wichtige Leichtbau voranbringen, zusammen Brennstoffzellen entwickeln und an Architektur und Komponenten für einen neuen Sportwagen arbeiten. "Unsere Firmen werden dadurch beide stärker", sagte Toyoda. Beide Konzerne seien ideale Partner. "Wir teilen die gleiche strategische Vision, wie eine nachhaltige Mobilität von morgen aussehen kann", sagte Reithofer.

Bisher existierte nur ein Übereinkommen für eine gemeinsame Batterie-Grundlagenforschung für Elektrofahrzeuge. Außerdem hatten beide Seiten im Dezember vereinbart, dass BMW ab 2014 Dieselmotoren an die europäische Toyota-Tochter liefert. Hier hat Toyota eine Lücke, während BMW in der Branche als führender Hersteller effizienter Verbrennungsmotoren gilt.

Toyota als Ersatz für PSA

Jetzt möchten die Japaner auch von der Kompetenz der Bayern in der Entwicklung von Sportwagen profitieren, wie auch Akio Toyoda bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung sagte. "Ich bin voller Vorfreude bei dem Gedanken, welche Fahrzeuge aus dieser Zusammenarbeit entstehen werden." Zudem ist BMW beim Leichtbau mit Karbon führend , nicht zuletzt wegen der Beteiligung am Karbonfaser-Hersteller SGL. BMW nutzt für die geplanten Elektroautos i3 und i8 den leichten Werkstoff.

Den größeren Vorteil aus der Kooperation scheint dennoch BMW zu ziehen. Toyota hat sich in der Entwicklung von Hybridtechnologie – also der Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektroaggregat – weltweit einen Namen gemacht: Der Hersteller war Vorreiter mit dem erfolgreichen Hybridmodell Prius . Außerdem forschen die Japaner schon länger am elektrischen Antrieb mit einer Brennstoffzelle als Stromlieferant. Beides spielt im langfristigen Umbau der Autoindustrie hin zu nachhaltiger individueller Mobilität eine entscheidende Rolle.

Hinzu kommt, dass BMW dringend auf der Suche nach einem neuen Partner war. Vorige Woche war bekannt geworden, dass die Hybrid-Partnerschaft zwischen BMW und dem französischen Autobauer PSA ( Peugeot , Citroën ) vor dem Aus steht. Berichten zufolge hatte der im Frühjahr bei PSA eingestiegene US-Konzern General Motors darauf gedrängt, dass die Franzosen die Kooperation mit BMW aufgeben. Zudem spricht die BMW-Führung nach eigener Auskunft nicht länger mit der amerikanischen Opel-Mutter über eine Allianz bei der Entwicklung von Brennstoffzellen. Gespräche über eine solche Partnerschaft hatte es seit Dezember 2011 gegeben.

Weltweit hat die Zahl der Bündnisse zwischen Autoherstellern zugenommen. Die verschärften Umweltvorgaben für die Fahrzeuge und der Weg hin zum nachhaltigen Autofahren kostet viel Geld, daher setzen Hersteller auf technische Partnerschaften, um die Milliardenkosten für Forschung und Entwicklung zu senken. Allianzen helfen dabei insbesondere kleineren Herstellern, wie hier BMW.