"Diesel so gefährlich wie Asbest, Arsen oder Senfgas": Als das Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich bekannt gab, Dieselabgase als für Menschen krebserregend neu einzustufen , formulierten manche Medien dafür polemische Überschriften. Zuvor hatte die WHO, eine Organisation der Vereinten Nationen, die Verbrennungsprodukte des Selbstzünders nur als "wahrscheinlich krebserregend" bewertet.

Dennoch hält Kurt Straif, Direktor der für Studien zuständigen Abteilung am WHO IARC, die Gleichsetzung mit Chemiewaffen und Mordgift für unglücklich – selbst wenn diese Stoffe in der gleichen Gefahrenklasse sind. Er hält "einen Vergleich mit Passivrauchen für angebracht". Damit will Straif nicht von der neuen Einstufung abrücken. Sondern sie lediglich einordnen. Das Ergebnis bleibt.

Für den Umweltberater Axel Friedrich, früher in leitender Position am Umweltbundesamt tätig, ist die Meldung der WHO keine echte Überraschung: "Wir wissen seit Mitte der achtziger Jahre, dass Diesel krebserregend ist", sagt Friedrich. "Die neue Qualität ist, dass es jetzt von der UN offiziell bestätigt wird und darum der Handlungsdruck steigt." Zum Beispiel, so fordert es Friedrich, müsste Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen den Arbeitsschutz etwa für Bauarbeiter erhöhen, um sie vor Lungenkrebs zu schützen.

Deutschland blockiert neue EU-Steuerregeln

Jeder, der hohen Dieselemissionen ausgesetzt ist, wie Berufskraftfahrer oder die Anwohner stark befahrener Straßen, ist also gesundheitlich gefährdet. Und das nicht nur, weil Dieselabgase kanzerogen sind, wie Friedrich erklärt: "Ultrafeine Partikel in der Größe von 20 bis 600 Nanometern dringen tief in die Lunge ein, passieren die Lungenwand und lösen Herzkreislaufkrankheiten aus."

Der deutsche Staat aber privilegiert Diesel. Der Nachlass auf die Energiesteuer, früher als Mineralölsteuer bekannt, beträgt mehr als 18 Cent pro Liter. Ohne diesen Vorteil wäre der Kraftstoff nach heutigen Preisen ungefähr genauso teuer wie Benzin.

Pläne der EU-Kommission , die Mindestbesteuerung für Kraftstoffe langfristig auf den Energiegehalt umzustellen und damit den Bonus zu kassieren, werden von der Bundesregierung in Brüssel gebremst. Man wehrt sich mit Händen und Füßen. Und das, obwohl die Kommission die Einführung über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren strecken will und der Begriff "Mindestbesteuerung" genau gelesen werden muss: Über nationalstaatliche Extrasteuern könnte jedes EU-Land den Diesel weiter bevorzugen. Befürchtungen, Fahrzeugparks würden kollektiv entwertet, sind also unbegründet.