Antrieb : Der Dieselmotor hat die besten Tage hinter sich

Dieselautos gelten als sparsam und zuverlässig. Doch sie zehren vom guten Ruf vergangener Tage. Jürgen Rees nennt sieben Gründe, warum die Diesel-Ära vorüber ist.

Noch vor einem Jahrzehnt konnten Menschen wie Hans-Peter Kratz stundenlang von den Stärken des Dieselmotors schwärmen: Sparsam seien die, robust und zuverlässig. Wenn Taxifahrer wie Kratz ihre Dieselfahrzeuge 300.000 Kilometer durch Großstädte gelenkt hatten, konnten sie die Autos immer noch für gutes Geld nach Afrika verkaufen, wo sie noch 700.000 Kilometer liefen. Irgendwann danach fielen sie auseinander. Nicht, weil der Motor aufgab, sondern weil die Karosserie durchgerostet war.

"Das ist vorbei", sagt Kratz, der heute Chef der Taxi-Vereinigung Frankfurt ist: "Der Diesel verspielt seine Vorteile." Der Hesse beobachtet, dass neue Dieselfahrzeuge, obwohl im Schnitt mindestens 2.000 Euro teurer als Benziner, immer empfindlicher werden: 300.000 Kilometer laufe kaum noch ein Wagen ohne größere Reparaturen.

Früher war das Standard. Heute lässt die empfindliche Technik den Fahrer oft schon nach der halben Strecke im Stich.

Zwar ist heute immer noch jeder zweite neu angemeldete Pkw in Deutschland (47,1 Prozent in 2011) ein Selbstzünder. Doch die einstigen Vorteile sind für Kratz passé: "Wir fahren den Diesel, was die Betriebskosten angeht, mit richtigen Schmerzen."

Zu teuer und zu anfällig: Für immer mehr Fachleute neigt sich die Erfolgsgeschichte der beliebten Selbstzünder daher dem Ende zu. Im informellen Gespräch räumen das auch Vertreter von Autokonzernen und deren Zulieferern ein: Ulrich Hackenberg , Chefentwickler bei Volkswagen, formuliert diplomatisch: "Aufgrund der höheren Kosten ist die Verbreitung des Dieselmotors in kleineren und preissensibleren Fahrzeugklassen schon heute geringer."

Der japanische Hersteller Toyota hat die Konsequenzen schon gezogen: Der zweitgrößte Autokonzern der Welt zieht sich aus der Entwicklung eigener Dieselantriebe weitgehend zurück und kauft sie beim Münchner Konkurrenten BMW ein. "Autos mit Dieseltechnik verursachen bei Toyota fünf Mal höhere Kosten in der Garantiezeit als vergleichbare Hybridautos", sagt Toyota-Techniker Dirk Breuer. Das ist nicht nur bei Toyota so, sondern auch bei anderen Herstellern, vermuten Insider.

Zumal die Zahl der Alternativen wächst: Toyota etwa bietet ab Juni den Hybridkleinwagen Yaris zum gleichen Preis wie die Dieselvariante an. In Sachen Spritkosten, verspricht der Konzern, unterscheiden sich die beiden Modelle kaum noch. Der Hybrid verbraucht 3,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer, sein Pendant 3,9 Liter Diesel. Damit wird der Umstieg für viele traditionelle Dieselkunden schon aus ökonomischen Gründen in den nächsten Jahren immer interessanter.

Kommentare

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Zu 1: ... aber brauchen wir die Dieselära noch?

Wozu brauchte man den Diesel? Er hat den besseren Wirkungsgrad (~30%) als der Benziner (~25%). Der Preisvorteil beim Kraftstoff wurde durch den Mehrpreis beim Kauf kompensiert und war niemals sachlich begründet. Aber Diesel ist wie Benzin nur ein fossiler Kohlenwasserstoff.

Wie sollten moderne Treibstoffe aussehen? Die Energie sollte wg. des Treibhauseffekts mehr aus Wasserstoff und weniger aus Kohlenstoff gewonnen werden. Bei Alkanen CnH(2n+2) führt das auf Methan CH4, also Erdgas. Die Energie des Methan kann man mit einem Wirkungsgrad von 43% bis 50% in einer Brennstoffzelle in elektrische Energie umsetzen.

Praktikabler für Autos wäre jedoch Methanol (CH3OH), der flüssige Alkohol des gasförmigen Methan, mit Brennstoffzelle und Elektroantrieb.

Die neue Ära der Autos wird also durch einen Elektromotor geprägt! Die Energie kommt aus Batteriespeichern für Kurzstrecken und der Brennstoffzelle für Langstrecken. Das ist der neue Hybrid!

Gegenüber Diesel oder Benzin hat Methan bzw. Methanol den Vorteil, dass man es technisch (nicht biologisch) aus Wasser + CO2 + Energie herstellen kann. Sinnvoll wird das Ganze aber erst, wenn die Energie regenerativ erzeugt wird.!

Moderne Autos brauchen nur einen Elektromotor als Antrieb, Batterien und Ladeanschluss für regenerative Energie für die Kurzstrecke sowie Methanoltank und Brennstoffzelle für die Langstrecke!

Wer also braucht noch eine Dieselära?
Wer es nicht versteht, der frage seine Enkelkinder!

"Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich"

...heißt es in der Statistik, und auch sonst ist etwas Wahres an dem Satz dran. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern und gute Alternativen aufkommen, dann mag die Zeit des Diesels halt zu Ende gehen. Mir reicht es, dass mein Diesel zur Zeit real 2-3 Liter weniger verbraucht, als ein vergleichbarer Benziner. Und später werde ich wohl ohnehin auf ein Elektrofahrzeug umsteigen.

Länger sogar...

Gucken sie mal in die Statistiken der Autoclubs. Der Prius ist stets mit Abstand Nr. 1. Der bleibt nicht liegen und hat keine Reaparaturen. Deer Hintergrund ist einfach. Der Benzinmotor läuft nie im Hochlastbereich sondern immer im optimierten Bereich. Er brauch auch nicht aus niedrigen Drehzahlbereichen den Wagen anzuschleppen. Das macht der E-Motor viel besser mit seinem bulligen Drehmoment und seiner praktisch unbegrenzten Lebensdauer. Übrigens: Der Prius II hat ein Gesamtdrehmoment von 450 Nm. Für ein gleiches Drehmoment brauchen Sie sonst einen 6-Zylinder Diesel oder einen V8-Benziner. Und 4 l/100 km Benzinverbrauch bei ruhiger Fahrweise, 5 bei zügiger und maximal 6 bei vollkommen unkontrollierter Fahrweise sind für einen Wagen der mit dem Passat vergleichbar ist schon nicht schlecht. Da kommen die Diesel nicht hin, vor allem nicht, wenn man den Energiegehalt von Diesel bedenkt. Nach TDI-Motorren in AUDI und VW habe ich mich vor 5 Jahren zum Umstieg auf Toyota Hybride entschieden. Das war mehr als richtig. Ich habe ein sehr viel leiseres Fahrzeug, das weniger Energie konsumiert und noch keine Reaparatur hatte.

Mal zurück zur Realität...

Der Prius ist ein Kompaktfahrzeug der "Golf-Klasse". Der Passat ist dort 1,5 Nummern drüber. (Die 0,5 ergeben sich aus den längeren Kombi-Versionen.)

Natürlich gibt es auch 4 Zylinder Diesel mit dem Drehmoment. In der Motorentechnik ist ja nun VW wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Weder von der Leistung, noch vom Verbrauch.

Ein Hybrid lohnt eigentlich nur dann, wenn man häufig Verkehrssituationen hat, die den Verbrauch in die Höhe treiben. Der etwas bessere Wirkungsgrad dürfte durch das höhere Fahrzeuggewicht locker kompensiert werden.

Wenn es Toyota irgendwann einmal schafft, auch Autos für große Europäer zu bauen, könnte solch ein Fahrzeug auch für mich interessant werden.

Prius

Die Hybridtechnik im Prius funktioniert,keine Frage. Aber: Wer hauptsächlich Landstraße und Autobahn fährt, wird mit einem modernen Diesel immer am sparsamsten fahren. Die Vorteile des Prius liegen im Stadt- und Kurzstreckenverkehr. Dieser ist jedoch für Fahrrad, zu Fuß und ÖPNV prädestiniert.

Ganz wichtig beim Prius ist, dass der Wagen sehr windschlüpfrig ist. Man müsste mal einen Renault 1,5 Liter Diesel in den Prius einbauen - ich bin sicher, da stünde Überland bei gemäßigter Fahrweise eine 2 vor dem Komma.

Im Übrigen stehen in diesem Artikel so viele Halbwahrheiten und Falschaussagen zum Diesel, dass es ein Schwein graust. Nur ein Beispiel "mindestens 2000 Euro teurer" kann man mit einem Blick in aktuelle Preislisten widerlegen. Und die Verbrauchsunterschiede sind bei vergleichbaren Modellen oft so groß (Norm 2-3 Liter mehr), dass sich der Diesel eben doch rechnet. Die Realverbräuche gehen sogar noch weiter auseinander, weil Benziner zum hochtourigen Fahren verleiten