Regierungspläne : Staatliche Kaufanreize für E-Autos wären falsch

Eine Million E-Autos bis 2020 sind mit den bisherigen Schritten nicht machbar. Die Regierung darf sich davon nicht unter Druck setzen lassen, kommentiert M. Breitinger.

Kann man sich vorstellen, die Bundesregierung hätte vor einigen Jahren ganz offiziell den Beschluss gefasst, dass es im Jahr 2014 in Deutschland 60 Millionen Smartphones geben solle? Oder sich das Ziel gesetzt, dass im Jahr 2015 jeder deutsche Haushalt eine Waschmaschine der Energieeffizienzklasse A+++ besitzt? Selbstverständlich nicht. Man hätte sich sofort an Fünfjahrespläne des real existierenden Sozialismus erinnert gefühlt.

Hingegen scheint es kaum Verwunderung darüber zu geben, dass die Bundesregierung nun schon seit mehr als zwei Jahren den Plan verfolgt, im Jahr 2020 müsse es eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen geben. Die vom Kabinett im Mai 2010 initiierte Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat diese Vorgabe übernommen – und stellt in ihrem neuesten Fortschrittsbericht fest, dass es mit den bisher getroffenen Maßnahmen in 2020 wohl nur 550.000 bis 600.000 batteriebetriebene Fahrzeuge sein werden.

Am heutigen Mittwoch überreicht der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann den zuständigen Bundesministern für Verkehr und für Wirtschaft, Peter Ramsauer und Philipp Rösler , den Bericht. Kagermann wird kritisieren, dass manche früheren Vorschläge der Plattform bisher nicht von der Regierung aufgegriffen wurden. Und der ebenfalls anwesende Chef des Automobilverbands, Matthias Wissmann , wird mal wieder betonen, dass noch mehr getan werden müsse, um das 2020-Ziel zu erreichen – und meint damit vor allem eines: eine weitere finanzielle Unterstützung durch den Steuerzahler. Direkt, zum Beispiel in Form einer Kaufprämie, oder indirekt, durch Steuerrabatte für die Besitzer von Elektroautos.

Produkte müssen sich am Markt bewähren

Die Bundesregierung darf sich hierdurch nicht unter Druck gesetzt fühlen und sollte schnell aufhören, am Eine-Million-Ziel für 2020 unbedingt festzuhalten. Zunächst einmal ist aus den NPE-Berichten bislang nie transparent geworden, woher diese Zahl kommt. Deutschland wolle "Leitmarkt für Elektromobilität" werden, heißt es lapidar. Dabei liegt Japan schon heute mit Abstand vorn, bis 2020 könnte – wie auch der neue NPE-Bericht einräumt – China hinzukommen. Die Regierung sollte sich hüten, mit Steuergeldern einen solch albernen Wettlauf gewinnen zu wollen.

Ohnehin sollte sich in einer Marktwirtschaft ein neues Produkt, allzumal ein Konsumprodukt wie ein Automobil, von sich aus durchsetzen – ist es attraktiv genug, findet es seinen Platz am Markt; andernfalls war es eben nicht marktreif und massentauglich. Förderung von Forschung und Entwicklung ist gut und richtig, vor allem wenn sie Mittelständlern und Forschungsinstituten zugute kommt. Es kann aber nicht Sinn staatlicher Förderung sein, mithilfe monetärer Anreize – womöglich gar einer Kaufprämie – ein Konsumprodukt in den Endkunden-Markt zu drücken, das ohne solche Hilfe nur in geringem Maß abzusetzen wäre.

Besser schärfere Emissionsobergrenzen

Hinzu kommt: Berechnungen der Umweltverbände WWF, Nabu und Klima-Bündnis sowie des Bundesverbands Erneuerbare Energie zufolge ist das Ziel der Bundesregierung ohne weitere Förderung zwar nicht im Jahr 2020, aber schon zwei Jahre später erreichbar. Auf zwei Jahre hin oder her kommt es wirklich nicht an. Das mögen die Industrievertreter in der NPE anders sehen – ihnen geht es, wie auch aus dem jüngsten Bericht deutlich durchschimmert, in erster Linie darum, möglichst günstig E-Autos zu entwickeln und dann abzusetzen. Das ist nicht verwerflich, aber es ist nicht an Kanzlerin Merkel, die Brille der Autohersteller aufzusetzen.

Die Regierung müsste ihr Ziel nicht einmal aus dem Auge verlieren. Um es zu erreichen, könnte sie anstelle von Kaufanreizen den Anreiz für die Hersteller erhöhen, attraktive Elektroautos für einen Massenmarkt anzubieten, etwa indem sie sich auf EU-Ebene entgegen ihrer bisherigen Politik für einen strengeren CO2-Grenzwert einsetzt. Da dieser sich auf die tatsächlich verkauften Fahrzeuge eines jeweiligen Herstellers bezieht, wären gerade die deutschen Hersteller gefordert, neben ihren größeren und damit mehr Sprit schluckenden Limousinen auch zahlreiche E-Autos zu verkaufen.

Bis 2020 sollen die Emissionen nach heutiger EU-Vorgabe auf 95 Gramm je Kilometer sinken – Experten von Umweltverbänden, aber auch Automobilprofessoren halten auch einen Wert von 80 Gramm für machbar. Das würde die Zahl der Elektrofahrzeuge auf den Straßen spürbar erhöhen. Oder man macht es wie Jürgen Resch: Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe zählte kürzlich Elektrofahrräder zu den elektrisch angetriebenen Fahrzeugen dazu. Dann ist die Million wohl schon heute fast erreicht.

Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Wir werden schon wieder verarscht - aber gehörig.

Ist aber nicht schlimm. Ich bin "denen" deswegen nicht böse. Es gehören auf der anderen Seite auch immer diejenigen dazu, die sich gehörig verarschen lassen.

" Bis 2020 - das Eine-Million-Ziel ??????

Per Kraftfahrbundesamt waren per 01.01.2011 - 2.308 E-Autos zugelassen. Im Laufe des Jahres 2011 kamen noch 1.800 neue hinzu.
Der Geamtanteil privat gekaufter und genutzter E-Autos beläuft sich momentan 101 Stück. (in Worten: einhunderteins).

... und jetzt in 7,5 Jahren auf eine Million steigern ?

Wer prognostiziert so etwas ? Und zwar - für sich selbst - glaubhaft ?

Bewegt sich dieser Mensch noch in Freiheit oder wird sich hinter verschlossenen Stationstüren liebevoll um ihn gekümmert ?

Nachtrag für China:

Das hier bislang vorherrschende Verkehrsmittel ist nicht - und könnte beim besten Willen nicht - motorisiert werden.

Es ist der Ochsenkarren und es wird auch in Zukunft so bleiben.

Ochsenkarre und China

Was die Ochsenkarren in China angeht, befürchte ich dass Sie sich gewaltig irren. Durch das Fehlen und anderen Regulierung gibt es kaum Grenzen für die Entfaltung. Es gibt so viele, wenn auch abenteuerlichen Gefährten, die elektrisch fahren.
Sogar Pizza Service (u.ä.) und fliegende Händler fahren schon elektrisch (aber keine Fahrräder mit Öko-stempel, VDE-stempel, GS-stempel, TÜV-stempel u.v.m).

Enrgiewende und Elektroauto

Zur Zeit ist es überhaupt nicht einzuschätzen, wann und wie die Versorgung mit elektrischen Strom auf dem heutigen Niveau garantiert werden kann. Was aus dem Traum der grünen Energie in der realen existieren Welt werden wird, ist nicht abzusehen. Mit diesem Hintergrund 1 Million richtige Elektroauto (richtig bedeutet, dass sie aus der Steckdose gespeist werden und nicht aus Benzinmotoren) an Netz gehen zu lassen ist ein Witz, woher soll der Strom kommen?
Das würde vielleicht gehen, wenn Rentner als einzige Nutzer solche Elektroauto für die Kaffefahrten am Wochenende benutzen würden.

Der Witz mit der Stromlücke

Mit diesem Hintergrund 1 Million richtige Elektroauto (richtig bedeutet, dass sie aus der Steckdose gespeist werden und nicht aus Benzinmotoren) an Netz gehen zu lassen ist ein Witz, woher soll der Strom kommen?

Mit dem notwendigen Hintergrundwissen (bestehend aus Grundrechenarten und 5 Minuten Recherche) könnten Sie selbst nachrechnen, dass 1 Mio. E-Autos, die 15kWh/100km verbrauchen und 15.000km im Jahr fahren, nicht mal 0,4% der jährlich erzeugten Strommenge in Deutschland beanspruchen würden.

einseitiger Kommentar

Leider ist der Kommentar sehr einseitig. Er betrachtet nämlich lediglich die ökonomische Seite der Elektromobilität.

Allerdings sieht die Leitstudie des BMU "Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und global" von 2010 eine Elektrifizierung der Fahrleistung von mindestens 50% vor. Damit ist die Elektromobilität vorallem ein zentraler Bestandteil der Energiewende.

Es hängt also mehr dran als Marktmechanismen. Und das Schreckgespenst vom "Staatssozialismus" durch Dorf zu treiben hilft weder den Herstellern (die planen müssen) noch der Energiewende.

Schon vergessen?

"Es kann aber nicht Sinn staatlicher Förderung sein, mithilfe monetärer Anreize – womöglich gar einer Kaufprämie – ein Konsumprodukt in den Endkunden-Markt zu drücken, das ohne solche Hilfe nur in geringem Maß abzusetzen wäre."

so im Artikel.

Was war nochmal die Abwrackprämie?

Ein monetärer Anreiz – womöglich gar eine Verschrottungsprämie – mit der Konsumprodukte in den Endkunden-Markt gedrückt wurden, die ohne solche Hilfe nur in geringem Maß abzusetzen gewesen wären.