Vianney Bureau auf dem Elektroroller vor der Kathedrale in Nantes © Vianney Bureau

Es ist stockdunkel, und Vianney Bureau ist durchnässt bis auf die Knochen. Seit 35 Kilometern kämpft er sich im Regen über die Straße. Die Hände sind klamm, und nur das monotone Surren seines Elektrorollers ist sein steter Begleiter. Jetzt ein warmes Bett und etwas Feines zu Essen, das wäre schön – doch Vianney hält eisern durch. Schließlich steht er erst am Anfang seiner 3.500-Kilometer-Tour durch Frankreich .

Zu allem Überfluss geht auch noch der Strom im Akku zur Neige. Es ist die erste Panne auf der Reise. Der 21-jährige Franzose schiebt seinen Roller einen Kilometer weit, bis ihn eine nette Familie zum Essen einlädt. "Das waren definitiv die schönsten Stunden des Tages", schreibt Vianney auf seiner Facebook-Seite – und fällt todmüde ins Bett. Am nächsten Tag muss er Kilometer 386 seiner Tour erreichen und nicht zu spät in Le Mans ankommen. Immerhin ist die Frage der Unterkunft diesmal geklärt. Ein Freund der Familie, Polizist von Beruf, will ihm auf einer Polizeiwache Unterschlupf gewähren. Eine Steckdose wird sich dann sicher auch finden.

Seit dem 1. Juni, also seit zwei Wochen, surrt Vianney Bureau mit seinem Elektroroller durch Frankreich – ohne lokale Emissionen und mit dem festen Willen, die Langstreckentauglichkeit von elektrischen Zweirädern unter Beweis zu stellen. Ausgangs- und Zielpunkt der Reise ist Paris . Die 3.500 Kilometer will der 21-Jährige in einem Monat zurücklegen, mit einem Budget von zehn Euro am Tag. Unterstützt wird der BWL-Student von der Firma GOVECS aus München , sie lieh Vianney für die Tour einen Elektroroller vom Typ GOVECS Go S2.4 aus. Pro Batterieladung kann der Scooter bis zu 100 Kilometer zurücklegen, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometer.

Salat und ein bisschen Strom

Vianney schläft meistens im Freien. Außer seinem Schlafsack, einer Regenjacke, einer Abdeckung für seinen Elektroroller und ein bisschen Werkzeug hat er kaum etwas dabei. Jeden Tag sieht er sich vor allem mit einer Herausforderung konfrontiert: Wo lädt er seinen elektrischen Scooter auf? 120 Kilometer muss er im Schnitt jeden Tag zurücklegen und zwei Ladepausen einplanen. Vor allem wenn die Strecke bergauf führt, schrumpft die Batteriereichweite des Rollers schnell.

Eine Strom-Zapfstelle findet sich letztlich immer, doch schon am vierten Tag bekommt Vianney die erste Abfuhr. "Sie zahlen ja nicht einmal dafür", keift ihn eine Dame im westfranzösischen Städtchen Oudon an, als er um Strom für eineinhalb Stunden bittet. Meistens aber erfährt der französische Student Unterstützung. Menschen laden ihn zum Essen ein und spendieren ihm Saft für seinen Roller, den Vianney liebevoll Gogo nennt. So war er nach anfänglichem Misstrauen auch bei einer Bauersfamilie willkommen, die ihm frischen Salat und Gemüse vorsetzte, während der Roller an der Steckdose hing. Die Energie reichte für 105 Kilometer bis ins mittelfranzösische Bellac.

Auf seiner Facebook-Seite hält Vianney Freunde und Bekannte auf dem Laufenden und erntet anerkennende Kommentare. Die kann er auch brauchen, denn bis zum Zieleinlauf in Paris liegt noch reichlich Weg vor ihm. Auf der Strecke liegen unter anderem Bordeaux , Toulouse , Montpellier , Aix-en-Provence, Cannes , Nizza , Monaco und Lyon . Vorgesehen sind außerdem Stopps im italienischen Turin und in Genf . Am 2. Juli wird der 21-Jährige wieder in der französischen Hauptstadt erwartet.