FahrzeugsicherheitEU will Autos jedes Jahr zum TÜV schicken

Ältere Fahrzeuge sollen nicht mehr nur alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, wünscht die EU-Kommission. Werkstätten freut das bestimmt, der ADAC aber zweifelt am Nutzen. von dpa

Dekra-Tester im Labor

Dekra-Tester im Labor  |  © Fabian Matzerath/AFP/Getty Images

Autofahrern droht zusätzlicher Aufwand: EU-Verkehrskommissar Siim Kallas will eine jährliche TÜV-Untersuchung für ältere Autos in Europa zur Pflicht machen. In Deutschland und anderswo müssen Autofahrer bisher nur alle zwei Jahre den Test absolvieren.

Ein vertraulicher Entwurf aus Kallas' Haus für eine neue EU-Verordnung sehe für Fahrzeuge ab dem siebten Jahr oder ab einem bestimmten Kilometerstand eine jährliche Hauptuntersuchung vor, berichten die Financial Times Deutschland und das Magazin Focus .

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In Deutschland wären laut FTD mehr als die Hälfte der rund 43 Millionen Pkw betroffen. In Kreisen des Europaparlaments wird nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa damit gerechnet, dass der Vorschlag noch vor der Sommerpause kommt, die Ende Juli beginnt. Die EU strebt dem Focus zufolge an, bis 2015 die Prüfpraxis in ihren Mitgliedstaaten zu vereinheitlichen.

Eine halbe Milliarde Euro Mehrkosten

"Die Forderung ist nichts Neues, jetzt kommt sie eben von der EU. Damit ist aber nicht gesagt, dass die Zahl der Unfälle reduziert wird", sagte eine Sprecherin des Automobilclubs ADAC. Technische Defekte seien weder bei neuen noch bei alten Modellen eine häufige Unfallursache. Die Fahrer älterer Fahrzeuge würden durch die Pläne aber stark zur Kasse gebeten – die Mehrkosten summieren sich ADAC-Berechnungen zufolge bei einer Prüfgebühr von 60 Euro auf mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr.

Der Entwurf des estnischen EU-Kommissars sieht laut FTD vor, dass bei neuen Pkw spätestens vier Jahre nach der Erstzulassung eine Hauptuntersuchung durchgeführt werden muss. In Deutschland sind dies derzeit drei Jahre . Danach soll es die nächste Prüfung nach spätestens zwei Jahren geben, anschließend soll sie jährlich Pflicht sein. Zur Begründung heißt es dem Bericht zufolge, dass ältere Autos häufiger technische Mängel aufwiesen. Für Fahrzeuge, die bei der ersten Untersuchung 160.000 Kilometer oder mehr auf dem Zähler haben, soll die jährliche Pflicht gleich greifen.

Bislang schrieben die EU-Vorgaben nach der ersten Prüfung nur alle zwei Jahre eine Hauptuntersuchung vor. Die neuen Vorgaben sollen anscheinend für alle Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen gültig sein. Außerdem sieht Kallas' Entwurf der FTD zufolge vor, dass die jährliche TÜV-Pflicht künftig auch für ältere Motorräder gilt.

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Leserkommentare
    • Ron777
    • 16. Juni 2012 15:44 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  1. so kann man natürlich auch das wachstum ankurbeln!

  2. Bremsen, die verschlissen sind, sind nicht abhängig vom Alter des Fahrzeuges.
    Sicherheitsrelevante Mängel sind auch kein Phänomen das sich auf das Alter von Autos beschränkt, sondern ergeben sich durch intensive Nutzung.
    Was da eigentlich hinter steht, das ist der sinkende Absatz von Neuwagen und der muss auf Biegen und Brechen angekurbelt werden.
    Die Autoindustrie hat da mal wieder einen geschickten Schachzug gelandet, Gratulation.

  3. Haben die ´´Kommissare`` eigentlich bemerkt, dass wir eine Finanzkrise haben?
    Dient wohl als Arbeitsnachweis für eine der vielen überflüssigen Ämter und Behördenangestellten der EU.

  4. Informiert man sich über die Forderungen der EU-Kommission in den letzten Monaten, so stellt sich die Frage, wer diesen Kommissaren eigentlich die Legitimation erteilt hat, derartige Forderungen zu stellen. VW-Gesetz, Umsetzung der Datenspeicherung, jetzt jährlich zum TüV. Es wäre besser, wenn dieser Haufen von abgeschobenen Politikern endlich aufgelöst und sich sinnvoller Tätigkeit widmen würde.
    Das wäre für Europa jedenfalls besser.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sollte man endlich in den TÜV schicken !!!

  5. Langeweile oder schaler Nachweis für die Daseinsberechtigung?
    "Nebenkriegsschauplätze" als Flucht vor den offenkundig erheblichen Schwierigkeiten bei der Lösung vieler echter,schwerwiegender und dringender Probleme? Wahrnehmung bestimmter wirtschaftlicher Interessen? Ein wenig oder alles von jedem? Mehr fällt mir persönlich zu derart überflüssigen Erwägungen nicht ein.Außer vielleicht, dass es nach meinem Empfinden deutlich angezeigt scheint,künftig die Arbeit und Qualität der EU-Kommission und des zuständigen Personenkreises sehr genau und regelmäßig zu überprüfen.
    Europa braucht mehr denn je wirklich fähige Köpfe um die Zukunft zu bewältigen. Bürokratischen Unsinn und Scheintätigkeit können und sollten wir uns wahrlich nicht leisten.

  6. Das ist Unfug, genauso wie die 2-jährigen Untersuchungen von Thermen, und was es nicht alles für Termine von Gesetz wegen gibt, die nur die Handwerkerseele erfreuen lässt!

    Oder die Tüv-Mitarbeiter.
    Man muss heute eben sehen, wo man Geld machen kann - es ist ja alles nicht mehr zu bezahlen, und so ein Betrieb muss existieren. Noch vor der Existenz des Einzelnen steht der Betrieb.

    Wohl dem, der Politiker einlullen kann (eigentlich ein Schmieren ).

    Lobbyisten weg, haben kein zweck.

  7. Es ist klar, wenn die Autos zu warten teurer wird, als ein Neukauf, wird der Konsum angetrieben, wegschmeissen was alt ist, und wer profitiert: Hurra, die Autoindustrie, die sich gegen die Konkurrenz aus China und USA durchsetzen muss. Hurra! Es lebe der Wirtschaftsfaschismus.

    Mit nachhaltiger Politik hat das nix mehr zu tun . Statt Umwelt und Ressourcenschonung wird die Spirale weiter angetrieben. Meine Nachbarn haben schon alle 5 Jahre ein neues Auto, dank Propaganda, nur neue Autos sind sicher!
    Das "neue Autokaufen", obwohl das alte noch tadellos ist, das ist ja heute schon Tendenz!

    Mich wundert es, dass man denen das Handwerk nicht legt, sozusagen die Bruchbudenideen nicht stillegt.

    Es ist in Ordnung, wenn eine alte Dreckschleuder eingetauscht wird, gegen sparsame und Luftfreundliche Karren, aber in Wahrheit geht es denen ja nur darum, irgendwelche Interessen durchzusetzen, die nicht im Interesse des Allgemeinwohls sind,.

    Pfui Deibel, habe ich beim Lesen vieler Nachrichten schon wieder aussprechen müssen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte ADAC | Europäische Union | Auto | Autofahrer | Euro | Fahrzeug
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