Als Fernando Benavides im Alter von drei Jahren seinen ersten Lego-Baukasten bekam, war es um ihn geschehen. Stundenlang konnte der Knirps fortan im Kinderzimmer basteln und tüfteln, konstruierte seine eigenen Autos und Maschinen. Heute ist Benavides 26 Jahre alt und angehender Ingenieur, doch die Liebe zu den kleinen Bauklötzchen hat ihn nicht losgelassen. Mit Spielerei hat das allerdings nicht mehr viel zu tun – Fernandos Konstruktionen sind so ausgefeilt, dass jeder Baukasten aus dem Spielwarenladen daneben alt aussieht.

Die neueste Kreation des Spaniers ist eine Miniatur des Land Rover Defender 110 im Maßstab 1:8,5. Der 65 Zentimeter lange Lego-Geländewagen kommt nicht nur in der Optik erstaunlich nah an das Original heran. Auch das Innenleben entspricht der Vorlage. Von der Achsverschränkung bis zum Lenkmechanismus, von den Scheibenbremsen bis zum zweistufigen Verteilergetriebe hat der Madrider die Technik des Offroaders mit allen Funktionen und aus rund 2.800 Teilen akkurat nachgebaut.

Was auf den ersten Blick wie ein verspieltes Hobby aussieht, ist tatsächlich eine extrem knifflige Aufgabe. "Es ist sehr schwer, einen wirklich komplexen Mechanismus zu replizieren", sagt Benavides. "Man hat ja nur ganz bestimmte Teile zur Verfügung." Die Lösung: "Man muss sich mit den vorhanden Teilen alternative Mechanismen überlegen, die die gleiche Funktion erfüllen", erklärt der Ingenieursstudent.

Fans bitten um Bauanleitung

Sieben Elektromotoren erwecken die Mechanik des Land Rovers zum Leben. Zwei dienen zum Fahren, einer bewegt die Lenkung, drei kümmern sich um Allradantrieb und Getriebe und einer betätigt die Bremsen. Unzählige Achsen, Zahnrädchen und Kardangelenke wirken zusammen, wenn der kleine Defender durchs Gelände braust – und das im fünften Gang immerhin mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Kilometern pro Stunde. Mit einer Fernsteuerung dirigiert Benavides den Landy durch unwegsames Gelände.

Der kleine Offroader ist nicht die erste Schöpfung des Spaniers. Der Student hat schon einen Mini Cooper, ein Porsche 911 Cabriolet und einen Bugatti Veyron mit Lego-Bauteilen auf die Straße gebracht. "Solange ich denken kann, habe ich immer meine eigenen Fahrzeuge konstruiert", erzählt Fernando Benavides, "doch erst mit dem nötigen Fachwissen konnte ich solche detaillierten Modelle kreieren."

In seinem eigenen YouTube-Profil zeigt der Spanier in Videos die technischen Finessen der Modelle. Den Land Rover etwa legt er auf die Seite, um den Unterboden zu filmen und dort den Antrieb in Bewegung vorzuführen. Beim kleinen Mini im Maßstab 1:7,8 präsentiert Benavides die Vorderrad-Lenkung und die Radaufhängung des Modells.

Über seine nächsten Projekte hüllt sich der Spanier in Schweigen. Eine große Fangemeinde hat sich der Student jedenfalls schon aufgebaut. In seinem Blog www.sheepo.es trudeln fast täglich bewundernde Kommentare ein, oft gepaart mit ein und demselben Wunsch: der Bitte um eine Bauanleitung. Darauf ist Benavides nun eingegangen: Auf dem Blog hat er eine Abstimmung gestartet, um festzustellen, wie viele Blog-Besucher tatsächlich einen Bauplan als PDF-Dokument herunterladen würden und ob sie bereit wären, dafür auch etwas zu bezahlen. Dann wären wohl Tausende Lego-Teile für das nächste Modell finanziert.