ElektroautoDer Smart erreicht seine Bestimmung

Mit dem neuen Elektromotor scheint der Smart Fortwo endlich dort angekommen, wo ihn seine Erfinder vor fast 30 Jahren schon haben wollten. Zwei große Makel bleiben aber. von Stefan Grundhoff

Smart Fortwo electric drive

Smart Fortwo electric drive  |  © Hersteller

"Elektrisches Fahren ist für den Smart eine riesengroße Chance": Das sagt Smart-Chefin Annette Winkler im Jahr 2012 und klingt dabei wie ein Smart-Entwickler aus den neunziger Jahren. Schließlich war der Kleinstwagen aus dem Daimler-Konzern schon damals eigentlich als Fahrzeug mit Elektro- oder zumindest Hybridantrieb geplant. Aber als der Fortwo schließlich im Herbst 1998 auf den Markt kam, hatte er einen herkömmlichen Antrieb: einen Otto- oder einen Dieselmotor.

Seither preist Daimler den Smart als Mobilitätsprojekt, immer und immer wieder. Wirtschaftlich war der Smart jedoch ein Flop: Seit Mitte der neunziger Jahre hat das Projekt weit mehr als fünf Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Den großen Durchbruch schaffte der Kleinstwagen nie richtig. Doch Fehler gestehen bei Daimler nur wenige ein – stattdessen hieß es mehrfach, der Smart sei seiner Zeit einfach voraus und schlicht zu früh am Markt gewesen.

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Nun könnte der Smart mit Elektromotor die Trendwende einleiten. Denn er bietet, was Ideengeber Johann Tomforde schon Anfang der achtziger Jahre im Sinn hatte. Außerdem ist der Smart – auch wenn der serienmäßige Einbau eines E-Motors erst viele Jahre nach dem ursprünglichen Konzept kommt – immer noch ein Vorreiter: Er ist das erste rein batterieelektrisch angetriebene Serienmodell eines deutschen Herstellers. Der E-Smart kann ab sofort bestellt werden, und zwar von jedermann. Bisher gab es ihn nur in kleiner Stückzahl zu Testzwecken.

Maximal 125 Stundenkilometer

Zwar lösen die Leistungsdaten des neuen Smart Fortwo electric drive keine Begeisterungsstürme aus, doch immerhin passt der elektrische Antrieb zum grundsätzlichen Ansatz des Fahrzeugs als Citymobil. Mit mäßigen Fahrleistungen und geringem Langstreckenkomfort ist der Smart ed sowieso kein Fahrzeug für Autobahnen.

Darum fällt es auch nicht negativ ins Gewicht, dass die Elektroversion statt der sonst üblichen 145 km/h gerade einmal 125 km/h als Höchstgeschwindigkeit bietet. 35 Kilowatt Dauerleistung und ein kurzzeitiger Zugriff auf 55 kW reichen indes allemal aus, um den Hecktriebler in der Stadt flott zu bewegen. Die Elektroversion des Smart enthält anstelle des schlechten sequentiellen Getriebes nur eine Untersetzung – damit fehlt dem E-Smart das für das Modell so typische Nicken in den Schaltpausen, das von vielen als nervig empfunden wird.

Extrem lange Ladezeit

Der Smart ed wiegt knapp eine Tonne, rund 150 Kilogramm mehr als die Verbrenner-Modelle. Das Mehrgewicht ist durch den Lithium-Ionen-Akku im doppelten Boden zu erklären. Er hat eine Kapazität von 17,6 Kilowattstunden. Die Reichweite von bis zu 145 Kilometern erscheint bei den ersten Testfahrten realistischer als bei vielen anderen Elektroautos. Das ist dennoch nicht viel und insbesondere für das Sicherheitsempfinden vieler potenzieller Kunden immer noch zu wenig.

Leserkommentare
    • tobmat
    • 20. Juni 2012 15:51 Uhr

    "10 Mio. Fahrzeuge sind hierzulande Zweitwagen "

    Dafür muss der Preis aber noch erheblich stärker fallen als ihre Ausführung es vermuten lassen. Zweitwagen im Bereich des Smart für über 20.000 € sind kein Segment von 10 Mio Fahrzeugen. Und bei den 20.000 € sind die Akkukosten ja noch gar nicht eingerechnet.

    "Rest kann mittels plugin-Vollhybriden bedient werden"
    Dafür kann ich dann auch nen normalen Verbrenner nehmen oder auf Gas umstellen.

    "Prognostiziert werden für die H2-PEM Brennstoffzelle ca. 150 Euro/kW"
    Können sie dazu bitte eien Quelle angeben und präzisieren auf was sich die Einheit €/kw bezieht? Die Gesamtkosten des Fahrzeug oder nur der Verbrauch, der gesamte Antriebsstrang oder nur der E-Motor?

    Antwort auf "Die Akkus..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Fuji
    • 01. Juli 2012 8:54 Uhr

    ... miteinander diskutiert. Und jedes mal muss ich Ihnen vorhalten, dass Sie auf dem gegenwärtigen Stand der Dinge beharren - und nicht etwa die zwangsläufigen zukünftigen Entwicklungen einkalkulieren.

    Ja, dieser E-Smart kostet ca. 20.000 Euro.

    Aber schon die nächste Generation in 2-3 Jahren wird deutlich billiger sein. Denn jetzt wird dieser E-Smart nur teilweise auf einer automatisierten Fertigungsstrasse gebaut - der Rest ist teuere Handarbeit. Darüber hinaus ist völlig unklar, wieviel Entwicklungskosten über vermutlich nur einige hundert Stück umgelegt werden.

    Jeder der sich mit Konstruktion & Fertigung auskennt weis, dass Kleinserien erheblich teurer sind als ein Massenprodukt. Nicht anders ist es bei diesem E-Smart.

    Die plugin-Vollhybride haben die Vorteile aus beiden Welten - bei kurzen Distanzen den effizienten E-Antrieb, bei sporatischen langen Distanzen die Reichweite des Verbrenners. Ein serieller plugin-Vollhybride mit Gas-Verbrenner wäre meiner Ansicht nach eh das Optimum.

    Klar habe ich eine Quelle - diese wurde mir sogar vor einiger Zeit mal hier von einem H2-Enthusiasten verlinkt. Ich bin allerdings nicht Willens, jetzt etliche dutzend Studien durchzukauen um diese Angabe zu finden. Sie bezieht sich auf das eigentliche H2-BZ-System, also ohne E-Antriebsstrang. Der Stack selbst soll dabei auf nur ca. 50 Euro/kW kommen. Halte ich zwar für optimistisch, aber wir werden sehen.

  1. Ich glaube, viele verkennen, das man in der Zukunft nicht mehr nur mit dem Auto fahren kann. Ein Elektroauto ist praktisch- wenn man für weitere Wege die Bahn nimmt oder ein Auto vom Car Sharing Anbieter.
    Es gibt mittlerweile Pedelecs, die weniger als 20kg wiegen. Sowas darf auch noch in die Bahn.

    Wenn man der Elektromobilität kritisch entgegensteht, sollt man vielleicht über KFZ mit Erdgas oder Autogas Antrieb nachdenken.

    • Fuji
    • 01. Juli 2012 8:54 Uhr

    ... miteinander diskutiert. Und jedes mal muss ich Ihnen vorhalten, dass Sie auf dem gegenwärtigen Stand der Dinge beharren - und nicht etwa die zwangsläufigen zukünftigen Entwicklungen einkalkulieren.

    Ja, dieser E-Smart kostet ca. 20.000 Euro.

    Aber schon die nächste Generation in 2-3 Jahren wird deutlich billiger sein. Denn jetzt wird dieser E-Smart nur teilweise auf einer automatisierten Fertigungsstrasse gebaut - der Rest ist teuere Handarbeit. Darüber hinaus ist völlig unklar, wieviel Entwicklungskosten über vermutlich nur einige hundert Stück umgelegt werden.

    Jeder der sich mit Konstruktion & Fertigung auskennt weis, dass Kleinserien erheblich teurer sind als ein Massenprodukt. Nicht anders ist es bei diesem E-Smart.

    Die plugin-Vollhybride haben die Vorteile aus beiden Welten - bei kurzen Distanzen den effizienten E-Antrieb, bei sporatischen langen Distanzen die Reichweite des Verbrenners. Ein serieller plugin-Vollhybride mit Gas-Verbrenner wäre meiner Ansicht nach eh das Optimum.

    Klar habe ich eine Quelle - diese wurde mir sogar vor einiger Zeit mal hier von einem H2-Enthusiasten verlinkt. Ich bin allerdings nicht Willens, jetzt etliche dutzend Studien durchzukauen um diese Angabe zu finden. Sie bezieht sich auf das eigentliche H2-BZ-System, also ohne E-Antriebsstrang. Der Stack selbst soll dabei auf nur ca. 50 Euro/kW kommen. Halte ich zwar für optimistisch, aber wir werden sehen.

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