Ein großes Versprechen wird Realität: Jetzt wird es ernst für Tesla Motors . Der Tesla Model S, eine batterieelektrisch angetriebene Schräghecklimousine, kommt auf den Markt. Der Roadster , den der Autohersteller aus dem US-Bundesstaat Kalifornien als Botschafter und Imageträger für die Elektromobilität konstruiert und in niedriger Stückzahl gebaut hatte, war nur ein Vorbote. Am 22. Juni soll die Auslieferung des Tesla Model S an die Kunden starten, vergangene Woche erhielt schon mal ein Mitglied des Tesla-Vorstands sein vorbestelltes Elektroauto .

Die Ungeduld von Fans und von mehr als 10.000 Vorbestellern hat ein Ende. Was sie erwartet, ist ein Auto ohne Konkurrenz. Zwar erinnert der Fünfsitzer mit zwei zusätzlichen Kindersitzen im Kofferraum – ähnlich wie das aus einem Mercedes T-Modell bekannt ist – formal an den Audi A7 . Aber der Antriebsstrang ist einmalig. Mehrere tausend Batteriezellen im Unterboden des Model S bündeln sich zu einer gewaltigen Kapazität von 85 Kilowattstunden. Bis zu 480 Kilometer weit soll die Limousine mit einer Stromladung fahren. Zum Vergleich: Ein elektrischer Kleinwagen wie der Mitsubishi i-MiEV kommt auf 16 Kilowattstunden, was eine Reichweite von 150 Kilometern bringt.

In der Steuerung der Batterie liegt das eigentliche Know-how von Tesla. Die kleinste Einheit im Speicher, also die einzelne Zelle, unterscheidet sich nicht wesentlich von den Akkus in einem Handy oder Notebook. Eine Vielzahl dieser Zellen so zu organisieren und zu überwachen, dass Be- und Entladung sowie das Temperaturmanagement über Jahre funktionieren, ist nicht zufällig die Kompetenz von Kaliforniern. Tesla sitzt in Palo Alto im Silicon Valley , die Fabrik steht unweit in Fremont. Das Batteriemanagement wurde also gewissermaßen im Umfeld technisch versierter Nerds entworfen.

Daimler setzt auf Tesla-Fachwissen

Das hat auch Daimler und Toyota auf den Plan gerufen, die vor zwei Jahren für je 50 Millionen US-Dollar Anteile an Tesla Motors erworben haben. In Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA mit der smoggeplagten Großstadt Los Angeles , enthüllte Toyota jüngst den RAV4 EV mit der Batterietechnik von Tesla. 2.600 Exemplare des elektrischen Kompakt-SUV sollen in den kommenden drei Jahren verkauft werden.

Bei Daimler profitierten bislang elektrisch angetriebene Vor- und Kleinserienmodelle des Smart Fortwo und der alten Mercedes A-Klasse von der Westküstentechnik. Darüber, wie die Zusammenarbeit mit Tesla in Zukunft aussieht, hält sich Daimler noch bedeckt. Nur so viel lässt man heraus: Tesla habe von Daimler einen Auftrag für eine "Machbarkeitsstudie für einen batterieelektrischen Antriebsstrang" erhalten. Gerüchte der AutoBild , die neue A-Klasse werde damit ausgerüstet, bestätigt die Pressestelle ausdrücklich nicht.