Prius+Toyota bringt Hybridtechnik in den Großraum

Toyota bietet den ersten Siebensitzer-Van mit Vollhybridantrieb. Der Prius+ ist zwar sparsam, aber im Hinblick auf Komfort und Fahrspaß müssen Kunden Abstriche machen. von Stefan Grundhoff

Toyota streckt den Prius auf Van-Format – und macht den europäischen Großraumlimousinen damit heftig Konkurrenz. Denn der Prius+ bietet nicht nur Platz für sieben Personen, sondern dank des bekannten Hybridantriebs aus dem am Markt etablierten Prius auch den sparsamsten Verbrauch in seiner Klasse: 4,1 Liter Super-Kraftstoff benötigt der Prius-Van im Normzyklus auf 100 Kilometer. An einen solchen Verbrauchswert kommen auch Diesel-Sparmeister wie VW Touran , Ford C-Max oder Peugeot 5008 nicht heran.

Seit Samstag ist der Prius+ nun auch in Deutschland zu haben – in Japan und den USA ist er schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Im Gegensatz zum US-Modell mit fünf Sitzplätzen und langsam veraltender Nickel-Metallhydrid-Akkutechnik verfügt der Toyota-Van in Europa über eine deutlich kleinere Lithium-Ionen-Batterie, die sieben Sitzplätze ermöglicht. Das Akkupaket befindet sich erstmals nicht im Heck, sondern hochkant stehend in der Mittelkonsole zwischen den beiden Frontsitzen. So kann der Kunde entweder über drei Sitzreihen und 232 Liter Kofferraum verfügen oder bei Bedarf ein Ladevolumen zwischen 784 und 1.750 Litern nutzen.

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Das Platzangebot im Innern hat sich durch den Längenzuwachs auf 4,62 Meter, insbesondere durch acht Zentimeter mehr Radstand (2,78 Meter) deutlich vergrößert. Auch in der zweiten Reihe können drei Erwachsene gut Platz nehmen: auf verschiebbaren Einzelsitzen, deren Lehne in der Neigung verstellt werden kann. Groß Gewachsene ärgern sich allenfalls über etwas knappen Schulterraum, zu kurze Rückenlehnen und Kopfstützen. Die dritte Sitzreihe ist mit ihrem schwierigen Einstieg allein für Kinder gedacht, die nicht viel Raum benötigen.

Sparsam, aber bisweilen wenig komfortabel

Das Cockpit des großen Prius-Bruders ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Die Digitalanzeigen befinden sich in der Mitte und sind damit schlecht positioniert und unübersichtlich. Ärgerlich ist, dass Toyota nicht einmal gegen Aufpreis eine Mehrzonenklimaautomatik anbietet. Elektrisch verstellbare Sitze bleiben ebenso außen vor wie eine elektrische Heckklappe oder eine Möglichkeit, die beiden Sonnendächer zu öffnen. Kaum nachzuvollziehen ist auch, warum in einem Hightech-Hybridfahrzeug die Parkbremse wie einst in alten Mercedes-Modellen noch mit dem Fuß getreten und gelöst werden muss.

Im Fahrbetrieb zeigt der 1,5 Tonnen schwere Toyota Prius+ keinen nennenswerten Unterschied zum normalen Prius. Das 1,8 Liter große Benzin-Triebwerk mit einer Leistung von 73 kW (99 PS) und der 60 kW (80 PS) starke Elektromotor arbeiten wenig agil zusammen. Wer auch in einem Familienvan Fahrspaß sucht, sollte nicht auf den Prius+ setzen. Bei Beschleunigungsfahrten heult der Vierzylinder laut auf, ohne die Leistungsabfrage in nennenswerten Vortrieb umzuwandeln. Das belegt auch die trotz einer Systemleistung von 136 PS relativ niedrige Höchstgeschwindigkeit von 165 Stundenkilometer.

Dafür ist der Prius+ einfach sparsam. Obwohl der Wagen rein elektrisch nur maximal 2,5 Kilometer zurücklegen kann, ist er im Alltagsbetrieb überraschend häufig ohne Verbrennungsmotor unterwegs, der sich bei Bedarf immer wieder zu- und wieder abschaltet. Dadurch ist der bereits genannte, beeindruckende Normverbrauch auch real nicht allzu fern: Fünf Liter pro 100 Kilometer sind allemal drin. Da kann man sich auch mit dem wenig überzeugenden stufenlosen CVT-Getriebe, der synthetischen Servolenkung und einem Fahrwerk arrangieren, das bisweilen knochig federnd und somit wenig kommod über holprige Straßen rollt.

Der Basispreis für den mäßig ausgestatteten Prius+ liegt bei 29.900 Euro. Toyota rechnet damit, dass die meisten Kunden sich für den 31.700 Euro teuren Prius+ Life entscheiden. Er hat über das Grundmodell hinaus ein Panoramadach – gewichtsparend aus Kunststoff statt aus Glas – sowie eine Rückfahrkamera und ein Head-up-Display. Allerdings: Sehr viel mehr Optionen gibt es dann auch nicht mehr. Sicherheitstechnik wie ESP und ABS gehören von vornherein zur Serienausstattung, etablierte Assistenzsysteme sind abgesehen von Abstandstempomat und Notbremsfunktion hingegen nicht im Programm.

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Leserkommentare
  1. nicht Nickel-Metallhybrid-Akk....

  2. Ich weiß nicht ob man das Getriebe als wenig überzeugend bezeichnen kann. Wie soll ein Getriebe aus einem auf Sparsamkeit getrimmten Verbrennungsmotor der ohne Drehzahl fast einschläft und einem Elektromotor dem nur ein recht kleiner Akku zur Seite steht (wie lange kann der 60kW liefern?) ein Beschleuinigungsmonster für hohe Geschwindigkeiten machen? Man darf auf die Plug-in Variante gespannt sein. Nebenbei dürfte eine, hier wohl elektronisch abgeregelte, Höchstgeschindigkeit eher mit der Maximalleistung des Verbrenners als der Systemleistung in Verbindung stehen.

  3. mal ganz ehrlich. Wer entspannt, nicht gehetzt, mit Pausen alle drei Stunden mindestens in Ferien fahren will, und nicht vom Sprit arm gemacht, für Die, Den, ist das, das Auto. Diesel ist im Ausland nicht billig, das Auto hat nun nicht alle elektrische Helferlein, aber wie oft verstelle ich meinen Sitz ??? In DER englichen Kult Serie vom BBC bei U tube kam, das Auto um um die Kurven zu prügeln ist ein Peugot 106 GT. Die kann man günstig haben, aufbohren und Fun fürs kleine Geld. Für den Einkauf mal eben taugt das dann auch noch und wenn der Grosse in die Inspektion muss ist man nicht aufgeschmissen auf dem Land. Ausserhalb von Manchester ist der Nahverkehr nun..nada, zilch.......aber das Haus schön, mit altem Garten, um die Seele baumeln zu lassen, Frühstück auf der Terasse. Das ist alles realistischer als E-Auto. Photovoltaik auf dem Dach, Geothermie heizt über Niedrig Energie Heizleisten Körper, Brunnen und Windrad. Uff ist das kompliziert auszudrücken

  4. Nicht die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit sagt etwas über die Agilität eines Autos aus sondern Drehmoment (torque) und Beschleunigungsverhalten. Beides ist beim Prius sehr gut. Der fährt jedem anderen Benziner und auch Diesel an der Ampel weg.

    Der Prius hat kein klassisches CVT-Getriebe sondern ein Planetengetriebe. Das macht einerseits seinen Reiz aus, ungeheuer effizient, und zweitens das Jaulen des Motors, fährt im optimalen Drehzahlbereich.

    Also, mal genauer hingucken.

  5. Wer bei solch einem Fahrzeug den "Fahrspass" sucht, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Solch ein Fahrzeug hat konstruktionsbedingt einige Mängel, die nur durch die elektronischen Helferlein kaschiert werden.
    Da ist mir ein Sparbrötchen lieber, als ein Van, der bei einem Überholvorgang ersteinmal kräftig eine Schluck aus der Pulle nimmt und einen permanenten Mehrverbrauch für eine Leistung hat, die man damit eigentlich garnicht abrufen sollte.

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    • 2eco
    • 18. Juni 2012 14:33 Uhr

    Heute muss doch alles sportlich sein. Wenn man schon nicht selbst sportlich ist, dann muss das Auto sportlich sein. Welcher Daddi träumt nicht davon mit seinem Prius mal so richtig über die Nordschleife zu brettern, auf der Jagd nach einer guten Rundenzeit?
    Schließlich soll ja auch die ganze Familie was von dem Spaß haben.

    Mal sehen wann die ersten LKWs oder Traktoren mit einem sportlichen Fahrverhalten kommen.

    • 2eco
    • 18. Juni 2012 14:33 Uhr

    Heute muss doch alles sportlich sein. Wenn man schon nicht selbst sportlich ist, dann muss das Auto sportlich sein. Welcher Daddi träumt nicht davon mit seinem Prius mal so richtig über die Nordschleife zu brettern, auf der Jagd nach einer guten Rundenzeit?
    Schließlich soll ja auch die ganze Familie was von dem Spaß haben.

    Mal sehen wann die ersten LKWs oder Traktoren mit einem sportlichen Fahrverhalten kommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Toyota | Ford | Peugeot | Sicherheitstechnik | Japan | USA
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