Die Experten des Baukultur-Konvents treten außerdem dafür ein, das Angebot von Verkehrsmitteln stärker zu vernetzen – räumlich wie organisatorisch. "Auf der Basis eines qualifizierten öffentlichen Verkehrsangebotes" solle eine multi- und intermodale Mobilität bundesweit entwickelt und gefördert werden. "Weniger autogerechte Stadt, dafür bessere Mobilitätskonzepte", sagt Braum. Einen Schub könnten neue Systeme wie Carsharing oder Leihfahrräder bringen. Der Stiftungsvorsitzende betrachtet den Umbruch, in dem sich die Mobilität derzeit befindet, als Chance für einen qualitätvollen Stadtumbau.

Eine entscheidende Größe spielt für den Konvent die Verwaltung. Braum bemängelt, dass häufig die falsche kommunale Behörde für Verkehrsinfrastruktur zuständig ist. In Hamburg etwa liege die Verantwortung bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. "Eine ganzheitliche Betrachtung des Verkehrs fördert das nicht", sagt der Experte. Darum müsse die für Stadtentwicklung zuständige Behörde – mit qualifiziertem Fachpersonal ausgestattet – die Verkehrsinfrastruktur gestalten, heißt es im Hamburger Appell .

Planerteams sollten interdisziplinär zusammengesetzt sein: "Für den Entwurf von Verkehrsbauten und -infrastrukturen sind Ingenieure, Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner gleichermaßen verantwortlich", fordern die Experten in dem Appell. Für Bauvorhaben empfehlen sie – neben der seit Stuttgart 21 ohnehin hochaktuellen Forderung, die Bürger an Planungsentscheidungen zu beteiligen – interdisziplinäre Entwurfswettbewerbe oder Gutachterverfahren.

"Gebt den Bewohnern den Stadtraum zurück"

Solche Verfahren sollten nach Ansicht des Konvents der Baukultur zur Bedingung gemacht werden, wenn auf öffentliche Mittel für den Bau zurückgegriffen werden soll. Darüber hinaus sollten diese Gelder nur für Verkehrsräume bereitgestellt werden, welche die Qualität des öffentlichen Raums "in seiner Gesamtheit" nachhaltig und nachweisbar verbessern. Ein Verkehrsbauvorhaben, das also zum Beispiel nur eine ökonomische Verbesserung bringt – etwa für den Wirtschaftsverkehr in einer Stadt – sollte nach dem Willen der Konvent-Teilnehmer nicht öffentlich gefördert werden.

Ohnehin sprechen sie sich dafür aus, die Mittel zwischen öffentlichem Personennahverkehr, Radfahrern, Fußgängern und dem motorisierten Individualverkehr transparent zu verteilen, um eine nachhaltige Mobilität zu erreichen. "Fast ein Viertel des Steueraufkommens der Bundesrepublik stammt aus dem Automobilsektor, also aus Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Nutzung von Pkw", erläutert Braum. "Umso schmerzlicher ist, dass diese Mittel nur zu einem geringen Teil in die Gestaltung und Pflege unserer Verkehrsanlagen fließen." Dabei denken Experten wie Braum vor allem an eines: den Rückbau der autogerechten Stadt. "Gebt den Bewohnern den Stadtraum zurück", mahnt der Vorstandschef der Bundesstiftung Baukultur.