Volkswagen: Als der Golf den Käfer überholte
Vor zehn Jahren löste der kastige Kompakte von VW den buckligen Kleinen als meistproduziertes Auto Deutschlands ab: zwei Typen für zwei deutsche Epochen.
© Volkswagen

Ein Käfer-Cabrio von 1972 und ein Golf Diesel der ersten Generation von 1980 im Automuseum von Volkswagen
Dem 21.517.415. Golf, der genau vor zehn Jahren im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg montiert wird, sieht man nicht an, dass er einen Rekord bricht. Gut, ordentliche Extras hat der silbermetallic lackierte Wagen mitbekommen: das Paket Highline mit 125-Kilowatt-V5-Motor, elektronisch geregelter Klimaanlage und Parkhilfe. Das Exemplar ist dennoch etwas Besonderes: Mit ihm überholt das Fahrzeugmodell VW Golf den Käfer als meistproduziertes Auto der Republik.
Die Nachkriegszeit ist vorbei – willkommen in der Ära der Generation Golf. Aber ist der Unterschied wirklich so groß?
Rückblende: Ferdinand Porsche erfüllt Adolf Hitler den Traum vom Massenfahrzeug für die "Volksgemeinschaft". Doch im Zweiten Weltkrieg mutiert der Volks- zum militärischen Kübelwagen. Erst mit dem Kriegsende und dem Wiederaufbau Westdeutschlands beginnt seine zivile Geschichte. Der knuffige "Käfer", wie er bald genannt wird, ist ein Wirtschaftswunder. Er läuft und läuft und läuft, macht 1955 die Million voll, 1981 die 20 Millionen. Seit 1985 wird er in Deutschland nicht mehr verkauft und zuletzt nur noch in Mexiko in kleiner Stückzahl gebaut. Bis 2003 entstehen insgesamt stolze 21.529.464 Exemplare.
Außerhalb Deutschlands wird der Beetle oder Love Bug in den sechziger Jahren mit seinem großen Bruder, dem Kleinbus Bulli, zum Fahrzeug der Flower-Power-Generation. In Deutschland bleibt das gern in gedeckten Beigetönen verkaufte Massenauto lange eher ein Spießermobil. Rebelliert in den amerikanischen Herbie-Filmen aus dem Hause Disney ein intelligentes Auto gegen gierige Autohändler und Immobilienspekulanten, fängt die deutsche Kopie Dudu bloß Verbrecher.
New Beetle steht für Möchtegerncoolness
Der Käfer steht mit seinen familiären Beziehungen zum Porsche für Wertarbeit. Das schlichte Gefährt mit Plattformrahmen und luftgekühltem Vierzylinder-Boxer im Heck wird fast sechs Jahrzehnte lang nahezu unverändert produziert. Die drastischste Änderung ist das Verschwinden des berühmten Brezel-Heckfensters 1953.
- Meistproduzierte Autos
Der Toyota Corolla führt mit weltweit gut 40 Millionen Exemplaren die Statistik der meistproduzierten Autos an, gefolgt von den Pickups der F-Serie von Ford mit rund 34 Millionen Exemplaren. Weil aber der seit 1966 gebaute Corolla schon neun teils gravierende Neu-Designs hinter sich hat und die F-Pickups seit 1948 schon zwölf, halten manche Autofans trotzdem den Golf für Spitze.
- VW Käfer
Legt man bei den Verkaufszahlen Wert auf unveränderte Gestaltung, bleibt der Käfer unschlagbar: Er wird von 1945 bis 2003 mit nur leichten Variationen gebaut und öfter verkauft. Als am 17. Februar 1972 der 15.007.034. Käfer gebaut wird, bricht er den Produktionsrekord des Ford Modell T. Ford baut seine "Tin Lizzie" von 1908 bis 1927 (in jeder Farbe, so lange es schwarz ist, wie Henry Ford einst sagte).
Trotz oder wegen so viel Beständigkeit: Irgendwann gilt der Käfer als cool – so cool, dass seine Hersteller 1997 einen Nachahmer hinterherschicken, den (New) Beetle. Es ist der vergebliche Versuch, den Reiz der Nachkriegskugel in das digitale Zeitalter zu retten. Charme lässt sich nicht klonen: Der Beetle bleibt ein Retortengefährt für Möchtegerncoole mit zu viel Geld. Und damit das Gegenteil des Golf.
Der 1974 Geborene ist zwar optisch kantig, wo der Käfer rundlich war, aber trotzdem die logische Fortsetzung des Konzepts vom Volks-Wagen. Der VW-Konzern bekommt mit ihm gerade noch die Kurve: Zu lange hat er sich auf den Käfer verlassen, während wassergekühlte Importe mit Frontantrieb von Fiat oder Simca eine neue Kompaktklasse begründen.







Wer nicht bei Tempo 100 und stotterndem Motor, mit dem Fuß, ohne hinzugucken den Reservehahn runterdrehen konnte, um dann bis zu nächsten Tankstelle zu kommen, hat noch nie richtig Auto gefahren :))))
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1.2l,30PS,unsyncronisierte,
Seilzugbremsengruesse an die
Generation Golf:)
Sikasuu
... schalten, ohne die Kupplung dabei zu treten!
... schalten, ohne die Kupplung dabei zu treten!
Allerdings hat der Golf sein Aussehen doch sehr verändert.
Ich möchte also meinen der Golf hat den Käfer eigentlich nicht überholt.
Was hat der erste Golf mit der Baureihe der 90erJahre noch gemeinsam? Wohl nicht mehr als den Namen oder ?
Im Gegensatz dazu is der Käfer im Großen und Ganzen unverändert geblieben.
Hier vergleicht man also Äpfel mit Birnen.
Mein erstes Auto (1994) war ein alter Mex-Käfer BJ1978.
Da rosteten die Seitenschweller so weit auf das die Sitze sich an die B-Säulen neigten.
Da mußte der arme leider auf den Schrott.
Ich würde so gerne wieder einen fahren. Das war immer ein echtes Erlebnis.
Nach Ihrer Logik müssten Sie für sich selbst auch jedes Jahr eine neue Typisierung beantragen, weil Sie sich von Geburt an ständig verändern.
Nach Ihrer Logik müssten Sie für sich selbst auch jedes Jahr eine neue Typisierung beantragen, weil Sie sich von Geburt an ständig verändern.
Wenn es darum geht, gleiche Autos zu zählen, sollte man die ganzen Skodas, Seats und Audis auch noch mit dazuzählen.
Bis hin zum Audi TT ist nämlich überall dasselbe drin.
Die Motoren sind sogar über die Fahrzeugklassen hinweg überall dieselben und deshalb vermutlich noch weiter verbreitet.
Übrigens: Der am meisten verkaufte Kleinwagen der letzten Jahre in Europa war der Fiat Punto.
Aber das ist kein deutsches Auto, so dass für den natürlich kein Mythos aufgebaut werden muss.
Eigentlich dürfte der Golf vom heute gar nicht mehr als Golf gelten: die Strategie der Autohersteller, ihre Stammkunden bei jedem Modellwechsel zum Kauf eines etwas größeren und teureren Autos zu bewegen, hat dazu geführt, dass der Golf von 2012 einer komplett anderen Wagenklasse angehört als der von 1974. Größe und Motorisierung des Ur-Golf entsprachen ziemlich exakt dem heutigen Polo, dessen Urversion "Audi 50" von 1975 wiederum dem heutigen "up!" entspricht - wobei Letzterer heute schon im Namen trägt, was er nach Planung der Erfinder in 30 Jahren sein soll. Bis dahin wird der Golf wohl in der oberen Mittelklasse angekommen sein, in der sich heute schon der Passat tummelt.
Das Grundkonzept des Golf (und des Passat) hat bis heute Generationen überdauert. Als der erste Golf damals kurz nach dem Passat kam war das schon fast eine Kultur- und Glaubensrevolution. Von eng, lahm, luftgekühlt, heckgetrieben und saufend beim Käfer und den Typen 3, 411/412 kam der Golf total geanders daher. Gegensätzlicher (und notwendiger) konnte eine Modellpolitik gar nicht sein, so gab es das wohl danach nie wieder.
Als VW den Modellwechsel vom Käfer auf dem Golf betrieben hatte, war der Käfer dort, wo nach der Wende der Trabant war.
In Westdeutschland gab es eigentlich nur noch die Ente, mit der der Käfer komnkurrieren konnte. Es war laut, soff zuviel Sprit und hatte im Winter nur eine sehr mangelhafte Heizung.
Der Golf lief technologisch zur immer noch hinter den (wirklichen) Konkurrenten Escort und Kadett hinterher, konnte aber bei dem typischen VW-Kunden punkten.
Sowohl Käfer, als auch der Golf waren und sind die geliebten Fahrzeuge des Biedermannes, der (damals) dem Marketing-Sprech von der Haltbarkeit glaubte und auf die (damals) langsame Modellpflege vertraute, damit die Mitmenschen nicht sehen können, wie alt das eigene Auto schon ist.
Selbst heute ist VW technologisch und modellpolitisch ein Nachzügler. Allerdings nicht mehr so extrem, wie früher. Der Zeitpunkt für Touran, Tiguan und Co. waren gut gewählt. Zur Verteidigung von VW läßt sich aber auch sagen, dass die schon einige Modelle in den Sand gesetzt hatten und die Vorsicht daher verständlich ist.
"... und hatte im Winter nur eine sehr mangelhafte Heizung."
sprang aber an und kam - im Gegensatz zu seinem Nachfolger - auch bei Schnee und Eis vom Fleck.
"... und hatte im Winter nur eine sehr mangelhafte Heizung."
sprang aber an und kam - im Gegensatz zu seinem Nachfolger - auch bei Schnee und Eis vom Fleck.
Nach Ihrer Logik müssten Sie für sich selbst auch jedes Jahr eine neue Typisierung beantragen, weil Sie sich von Geburt an ständig verändern.
... schalten, ohne die Kupplung dabei zu treten!
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