Was passieren kann, wenn die Politik versucht den Verkauf eines langlebigen Produkts anzukurbeln, konnte man in Deutschland erleben. Zwischen Frühjahr und Herbst 2009 wurden hierzulande 1,7 Millionen Autos mit staatlicher Finanzhilfe abgewrackt. Deren Besitzer kauften sich einen Neuwagen und bekamen dafür 2.500 Euro vom Staat. Im Jahr 2009 stieg so der Autoabsatz – doch die Käufe waren zumeist vorgezogene Anschaffungen. 2010 brach nach Auslaufen der Abwrackprämie der Absatz ein. Der Bedarf wurde bei vielen Prämiennutzern lediglich etwas früher gestillt, doch die Kaufbeihilfe hat nicht den Gesamtbedarf an Autos erhöht.

Das sollte eigentlich der französischen Regierung eine Lehre sein, die jetzt ihre Pläne vorgestellt hat, wie sie die schwächelnde heimische Autoindustrie stützen will . Im Kampf gegen die Absatzkrise hebt sie die Kaufprämien für Elektro- und Hybridautos an, von 5.000 auf 7.000 Euro für rein elektrisch betriebene Autos, von 2.000 auf 4.000 Euro für Hybridfahrzeuge. Davon – so die Idee – sollen vor allem Renault und Peugeot profitieren: Renault engagiert sich stark mit Elektroautos wie dem Fluence Z.E. und dem Zoe; Peugeot bietet Hybridautos an, die eine Kombination aus Elektro- und Dieselmotor enthalten.

Die Frage ist, ob das Programm für die angeschlagene französische Autoindustrie die Rettung ist, als die sie die Regierung feiert. Arnaud Montebourg, der Minister für die Wiederaufrichtung der Produktion, spricht bereits von der "Renaissance des französischen Automobilbaus". Die Realität sieht anders aus: Die Zahl der in Frankreich verkauften Elektro- und Hybridautos ist trotz der seit Anfang 2008 existierenden Kaufprämie überschaubar. Auch eine höhere Prämie wird den Absatz kaum ankurbeln und sie wird vor allem ebenso wenig wie die deutsche Abwrackprämie 2009 zusätzliche Verkäufe generieren.

Zu viele Fabriken

Profitieren können von der Prämie auch nicht-französische Hersteller, insbesondere Toyota , der japanische Vorreiter in Sachen Hybrid- und Elektroantrieb. Außerdem verknüpft die Regierung in Paris die Zuschüsse mit einer fatalen Bedingung: Für die Hilfen verlangt sie Standort-Garantien der Hersteller. Aus Sicht des Kabinetts unter Präsident François Hollande verständlich – die Sozialisten hatten im Wahlkampf versprochen, sich gegen den Abbau von Industriearbeitsplätzen in Frankreich zu stellen.

Doch damit verschließen sie die Augen vor der Realität. In ganz Europa herrschen Überkapazitäten: Der frühere französische Industrie-Staatssekretär Luc Chatel, heute als Parlamentarier der UMP in der Opposition, sagte, es gebe in Europa etwa zehn Fabriken zu viel, andere Experten sprechen zumindest von fünf bis sechs größeren Werken, die in Europa geschlossen werden sollten. In der EU gibt es derzeit 177 Auto- und Motorenfabriken , davon 29 in Frankreich. Viele Fabriken sind nicht ausgelastet und produzieren somit teurer als sie es müssten. Ein Autowerk gilt ab 80 Prozent Auslastung als profitabel. PSA, zu dem die Marken Peugeot und Citroën gehören, und Renault erreichen rund 75 Prozent.

Darum kann Hollande noch so sehr wettern, die von PSA angekündigte Schließung des Werkes Aulnay-sous-Bois bei Paris mit 3.300 Mitarbeitern sei "inakzeptabel". An solchen Maßnahmen führt kein Weg vorbei, wenn der Konzern auf lange Sicht wieder profitabel werden will. Im ersten Halbjahr 2012 verzeichnete PSA einen Nettoverlust von 819 Millionen Euro. Der Autoabsatz fiel um 13 Prozent.