Schienen-Konkurrenz"Die Deutsche Bahn hat uns behindert"

Mit Zügen aus den Siebzigern greift der private Betreiber HKX die Deutsche Bahn im Fernverkehr an. Gewinne werde man zunächst nicht erzielen, sagt HKX-Chefin Kreienkamp. von Christian Schlesiger

Wagen des Hamburg-Köln-Express (HKX)

Wagen des Hamburg-Köln-Express (HKX)  |  © Hamburg-Köln-Express

Frage: Frau Kreienkamp, wenn HKX am 23. Juli im Fernverkehr zwischen Köln und Hamburg startet, setzen Sie keine eigenen Züge ein, sondern mieten Rheingold-Waggons aus den Siebzigerjahren. Warum?

Eva Kreienkamp: Beim Aufbau einer Privatbahn läuft eben nicht alles nach Plan. Es gibt Probleme beim Umbau unserer eigenen Zugflotte. Wir starten zunächst mit gebrauchten Zügen, um den Markt zu testen.

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Frage: Am Wochenende setzen Sie sogar Züge aus dem Regionalverkehr ein. Wie wollen Sie sich da gegen IC und ICE behaupten?

Eva Kreienkamp

ist seit 2009 Chefin des Bahnbetreibers Hamburg–Köln-Express (HKX). Hauptinvestor ist die Railroad Development Corporation (RDC) aus Pittsburgh, USA. Die Mathematikerin Kreienkamp arbeitete zuvor als Managerin der Finanzbranche und in der Marktforschung.

Kreienkamp: Die Fahrgäste wollen zu angemessenen Preisen von einem Ort zum anderen kommen – und dabei angenehm, sicher und mit freundlichem Servicepersonal reisen. Das bieten wir. Unsere Züge sind zudem Erste-Klasse-Standard aus den Siebzigerjahren. Am Wochenende können Passagiere Fahrräder mitnehmen.

Frage: Wie läuft der Vorverkauf?

Kreienkamp: Ich bin zufrieden. Der Verkauf läuft stabil. Jeder Tag bringt online neue Buchungen. Wir werden Tickets auch an Bord und telefonisch verkaufen und den Fahrkartenverkauf ausweiten. Wir verhandeln derzeit mit Regionalbahnen und den Nahverkehrsbetrieben in Köln und Hamburg über eine Vertriebskooperation. Den Verkauf im Reisezentrum der Bahnhöfe lehnt die Deutsche Bahn ab.

Frage: Sie verlangen für eine Fahrt 20 bis 60 Euro. Kunden der Deutschen Bahn mit Bahncard 50 fahren für 41,50 Euro.

Kreienkamp: Unsere Zielgruppe sind jene, die ohne Bahncard oder mit Bahncard 25 sowie seltener fahren, auf den Preis achten und zeitlich flexibler sind. Zudem bekommt jeder Reisende einen festen Sitzplatz. Und an Bord gibt es unter anderem vegetarische Snacks, frisches Obst und Gemüse-Sticks.

Leserkommentare
    • urr
    • 19. Juli 2012 16:37 Uhr

    super!
    und die 70er-jahre züge sind doch nur ein weiterer vorteil. das petrol sieht schon auf dem bild viel schöner aus als das hässliche db-rot.
    schade das ich so selten nach köln fahre. hoffentlich gibts das später auch noch für andere strecken.

    4 Leserempfehlungen
  1. Dann könnte sich in den nächsten Jahrzehnten vielleicht die Preispolitik der DB hin zu bezahlbaren Preisen ändern.
    In anderen europäischen Ländern scheint das ja möglich zu sein.

    4 Leserempfehlungen
  2. nur noch die Intercity Busse und der transnationale Personenverkehr ist endlich frei und konkurrenzfähiger. Auch low-budget Haushalte können sich dann reisen innerhalb Deutschlands leisten und der deutsche Inlandstourismus kann angeregt werden.

    8 Leserempfehlungen
  3. 70er Jahre 1.Klasse Waggons stelle ich mir großartig vor.

    2 Leserempfehlungen
  4. sind, wenn sie sauber und gepflegt sind ungeschlagen im Komfort. Heute sitzt man nur mehr auf tapeziertem Plastik. Generell würde ich es toll finden, wenn der Zugverkehr in Europa gleich stark liberalisiert würde. Dann gewinnt der Kunde enorm und kann das beste Angebot wählen. Zugleich wird das gut ausgebaute europöische Schienennetz endlich ausgenutzt.

    4 Leserempfehlungen
  5. Wie lächerlich ist es bitte, ein Interview mit 7 mauen Fragen und ebenso knappen Antworten auf zwei Seiten zu verteilen. Wollen sie damit mehr PI's erzeugen, um Werbung zu verkaufen? Ist der Inhalt hier wirklich gut genug, um doppelt zu verdienen?

    Ich glaube nicht. Die Fragen hätte ich stellen können. Mehr als 5 Minuten Recherche braucht es für so ein oberflächliches Interview nicht. Den Inhalt kann man sich auch selbst zusammenreimen. Aber ich denke, das wissen Sie selbst. Sie gestehen sich das Armutszeugnis schließlich selbst mit dem reißerischen Titel "Die DB hat uns behindert" ein. Die interessante Headline hält nicht im geringsten, was sie verspricht.

    7 Leserempfehlungen
    • kausz
    • 19. Juli 2012 18:06 Uhr

    Erst wenn die DB Netz AG (eine 100% Tochter der Deutschen Bahn) AG vollständig aus dem Konzern der DB AG herausgelöst ist, kommt es zu Wettbewerb. Das Schienenetz als natürliches Monopol muss unter vollständige Kontrolle der öffentlichen Hand (Bund und Länder). Gerne auch mehrjährig vermietet an private Unternehmen. Die DB AG hingegen muss einer unter viele Schienenfahrzeugbetreibern werden. Insbesondere auch beim Güterverkehr ist das zwingend notwendig.
    In den 3 Gutachten der Monopolkomission an die Bundesregierung (alle 2 Jahre kommt ein neuer Bericht) wird das immer gefordert.
    Es spricht auch nichts dagegen wenn ein Teil der ICE Personentransportkontingente von anderen vermarktet wird.

    7 Leserempfehlungen
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    • dth
    • 19. Juli 2012 18:25 Uhr

    Für Güterverkehr sehe ich das ein.
    Für Personenverkehr will man aber einen umfassenden, deutschlandweit abgestimmten Fahrplan und ein einheitliches Auskunfts- und Buchungssystem.
    Hier ist also zumindest eine staatliche Aufsicht und Koordinierung wünschenswert. Man könnte natürlich Strecken im Fernverkehr aussschreiben oder Anbietern den Zungang nur unter gewissen Bedingungen ermöglichen. (Nutzung des einheitlichen Buchungssystems, Erfüllung gewisser Mindestanforderungne an den Fahrplan, ...)

    • dth
    • 19. Juli 2012 18:25 Uhr

    Für Güterverkehr sehe ich das ein.
    Für Personenverkehr will man aber einen umfassenden, deutschlandweit abgestimmten Fahrplan und ein einheitliches Auskunfts- und Buchungssystem.
    Hier ist also zumindest eine staatliche Aufsicht und Koordinierung wünschenswert. Man könnte natürlich Strecken im Fernverkehr aussschreiben oder Anbietern den Zungang nur unter gewissen Bedingungen ermöglichen. (Nutzung des einheitlichen Buchungssystems, Erfüllung gewisser Mindestanforderungne an den Fahrplan, ...)

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