Falträder : Falt and Ride statt Park and Ride

Falträder leiden noch unter dem schlechten Ruf der Siebziger-Klappräder. Dabei können die heutigen Modelle mit normalen Rädern locker mithalten.
Faltrad Birdy © www.r-m.de | pd-f

Laufräder in Kindergröße, 23 Zentimeter lange Sattelstützen und ein ebenso langer ausziehbarer Vorbau: Auf den ersten Blick wirkt das Birdy befremdend. Wie alle Falträder. Es fährt sich zu Beginn auch ungewohnt, denn es lenkt sich sehr agil. Aber diese Wahrnehmung schwindet rasch. Stattdessen findet der Fahrer neue Vokabeln zur Beschreibung des Fahreindrucks: wendig, später erweitert durch komfortabel. Nach ein paar steilen Abfahrten ergänzt durch erstaunlich hohe Laufruhe.

Das Birdy ist, wie seine Artgenossen mit ähnlicher Technik, ein hochwertiges Rad mit der Zusatzfunktion, faltbar zu sein. Doch diese Fahrradgattung hat einen schlechten Ruf. Der klebt seit den siebziger Jahren hartnäckig an den Falträdern. Dabei haben bekannte Marken wie Birdy, Brompton oder Bernds nichts mit ihren minderwertigen Verwandten, den Klapprädern, gemein. Im Gegenteil. Sie können mit ihren 26er und 28er Pendants souverän mithalten – im Stadtverkehr, beim Ausflug und selbst bei Radrennen.

In der Kategorie Langstrecke ist das Birdy touring ein ernsthafter Kandidat. Dank der kombinierten Naben-Kettenschaltung bleibt sein Fahrer am Berg auf Augenhöhe mit einem 28er-Trekkingrad. Selbst auf unbefestigten Wegen und über Kopfsteinpflaster rollen die 20 Zoll großen Laufräder sicher und komfortabel. Das liegt vor allem an der Vollfederung, die der Hersteller bei allen Birdy-Modellen serienmäßig verbaut.

Packmaß und Geschwindigkeit

Die Federung ist bei den kleinen Laufrädern entscheidend für den Fahrkomfort. Das erste vollgefederte Faltrad hatte Alex Moulton bereits in den sechziger Jahren entwickelt. Dabei hat "der Mann eigentlich mehr Benzin im Blut als Fahrradöl", wie Gunnar Fehlau, der Autor von Das Modul-Bike , feststellt. Denn der Brite erfand die hydraulische Gummifederung für den Mini. Im Zuge der Suez-Krise konstruierte er Fahrräder. Er zog Hochdruckreifen auf 16-Zoll-Laufräder und montierte eine Gummifederung an den Rahmen.

"Seine Räder galten nicht nur als effizient, modern und extrem komfortabel, mit ihnen wurden auch Rennen gegen 28-Zoll-Räder gewonnen", sagt Fehlau. So etwa beim Triathlon oder bei Sprintwettkämpfen. Beim legendären Race across America , bei dem die Fahrer 5.000 Kilometer von der West- zur Ostküste zurücklegen, kamen Moulton-Fahrer unter die ersten zehn. Andere fuhren auf Moultons durch Kashmir oder Australien . "Alex Moulton wollte stets das perfekte Fahrrad erschaffen", sagt Fehlau; und das hatte für den Briten 17 bis 20 Zoll große Räder. Dass man diese Fahrräder auch zerlegen kann, war für ihn eher eine Dreingabe.

Ganz anders bei seinen Nachfolgern: Packmaß und -geschwindigkeit sind heute entscheidende Faktoren für Falträder. Ein Spitzenreiter in diesen Kategorien ist das Brompton , ein weiterer Faltrad-Klassiker aus London . Es lässt sich innerhalb von wenigen Sekunden einfach und komfortabel auf- und abbauen. Dabei schrumpft es mit seinen 57 x 59 x 27 Zentimetern auf die Größe eines kleinen Rollkoffers und wiegt, je nach Ausstattung, zwischen 9 und 13 Kilogramm.

Kommentare

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Wie ist der Bremsweg?

Wenn ich mir die Bilder anschaue, habe ich den Eindruck, dass der Schwerpunkt im Vergleich zu größeren Rädern weiter vorne liegt. Damit wäre die Verzögerung, die möglich ist ohne dass das Rad samt Fahrer vorne überkiptt geringer.
Leider habe ich über diesen Aspekt (wie schnell kommt so ein Rad auf trockener Straße zum Stehen) nichts finden können.

Ansonsten: Wie im Artikel beschrieben bieten sich solche Räder für ÖPNV-Pendler geradezu an. Auch der hohe Preis ist dann nicht ganz so tragisch, weil man sein Rad ja nicht am Bahnhof stehen lassen muss (oder gar zwei Fahrräder braucht - eines um von zuhause zum Bahnhof und ein weiteres um vom Zielbahnhof zur Arbeit zu fahren).

Erfahrungswerte

Mit dem Birdy kann man genauso schnell bremsen, wie mit einem großen Rad - wenn man es mit sehr schmalen Reifen fährt, gibt es die gleichen Einschränkungen wie bei anderen Rädern auch.

Grundsätzlich sollte man sich beim Bremsen die Mountainbiker zum Vorbild nehmen. Die gehen bei starken Bremsmanövern immer aus dem Sattel und verlagern das Gewicht nach hinten, so kann man die überlegene Bremskraft der Vorderradbremse optimal nutzen.

Klingt gut

"Mit dem Birdy kann man genauso schnell bremsen, wie mit einem großen Rad
[...]
Grundsätzlich sollte man sich beim Bremsen die Mountainbiker zum Vorbild nehmen. Die gehen bei starken Bremsmanövern immer aus dem Sattel und verlagern das Gewicht nach hinten, so kann man die überlegene Bremskraft der Vorderradbremse optimal nutzen."

Genau das wundert mich etwas. Auf dem Bild zum Artikel sieht es so aus, als wäre die Lenkstange sogar ein Stück VOR der Vorderradachse (Täuscht das? Oder ist es bei anderen Modellen anders?). Dann könnte man ja (ohne den Lenker loszulassen) garnicht so weit nach hinten.

Für mich ist erstmal nicht erkennbar, warum Sattel und Lenker nicht einfach weiter hinten anggebracht sind. Nach hinten überkippen wird man ja wohl kaum (wobei dann natürlich die Haftung hinten bei steilen Anstiegen leiden könnte).

ausgemessen habe ich es nicht ...

... aber beim Fahren ist es wirklich kein Problem. Man muss sich allerdings daran gewöhnen, dass die kleinen Räder sehr schnell auf Lenkerbewgungen reagieren - das wirkt am Anfang etwas zappelig. Dafür kann man kleine Räder deutlich schneller beschleunigen - gerade in der Stadt ein echter Vorteil.

Der Reifenverschleiß ist höher als bei größeren Rädern (wobei das auch sehr von der Fahrweise und dem Fahrergewicht abhängt). Wirklich geländetauglich sind sie auch eher nicht (wobei ich mit Gelände das meine, wo man mit dem MTB runterfährt, das geht auch mit dem Citybike nicht ;-)) Die üblichen Fortsstraßen und Waldwege kann man aber gerade mit dem vollgefederten Birdy oder mit 20 Zoll Falträdern problemlos befahren.

mal was sachliches

Ich fahre seit 20 Jahren mit Faltrad und Bahn zur Arbeit.15 Jahre Brompton und 5Jahre Dahon .
Mit beiden Rädern fährt man sehr sicher .Die Laufradgroesse ist unwesentlich . Beim Brompton rutscht der Dynamo bei Regen und Schnee durch und die Felgen sind schnell durchgebremst.Das Dahon lässt sich schneller falten und die Packtaschen können dabei am Rad bleiben.
Im Jahr 2005 habe ich eine Radtour von Rijeka nach Dubrovnik (Inselhopping) mit einem Birdy unternommen .Mit vier Packtaschen ohne Probleme.
Für das tägliche Falten ist allerdings der Mechanismus zu umständlich und man wird häufig schmutzig.
Übrigens , das Birdy hat 18" Räder.

Was ist mit Gefahren?

Falträder sind - trotz ihrer geringer Verbreitung - prozentual in mehr Unfällen verwickelt, als andere Fahrräder. Das hat einen ganz einfachen Grund: sobald das Gefährt ausgepackt und gefaltet ist, kann der Spaß ja losgehen. Rücksichtslos wie ein Fußgänger, schnell und unkontrolliert wie ein Fahrradfahrer. Eine teuflische Mischung, doch nachvollziehbar! Wenn Sie Ihr Auto im Rucksack tragen könnten, wären Sie eher geneigt es auf Bahnen, die weniger dafür geeignet sind, zu benutzen. Daher halte ich Klappfahrräder für Quatsch und hoffe auf ein baldigs Gesetz, welche die Benutzung einschränkt.

Wie soll das denn aussehen?

"Daher halte ich Klappfahrräder für Quatsch und hoffe auf ein baldigs Gesetz, welche die Benutzung einschränkt."

Wie soll dieses Gesetz bitte aussehen? Ich finde Ihre Anmerkungen zweifelhaft. Wer sich und einem anderen einen erhöhten Risiko aussetzt, sollte die Konsequenzen tragen. Dafür gibt es geltendes Recht. Wenn ich mich für ein Faltrad entscheide und sorgsam damit umgehe, kann ich die Vorteile eines solchen Rades, die es zweifelsfrei gibt, nutzen. Warum müssen wieder alle darunter leiden, weil ein paar Nasen nicht wissen, wie man mit so einem Faltrad umgeht?

Es gibt kein Gesetz, was die Benutzung von Motorrädern einschränkt, insbesondere die sog. Rennsemmeln, obwohl diese sicher überproportional oft in Unfälle verwickelt sind. Wieso wollen Sie dann ein ungleich gefahrloserers Vehicel, wie ein Faltrad, verbieten, während "Rennsemmeln" erlaubt sind, obwohl viel gefährlicher?

Sicher können Sie das belegen

Auf eine solche Quelle, die die erhöhte Unfallhäufigkeit bei Falträdern nachweist, wäre ich nämlich gespannt. Oder mal wieder nur so ein Bauchgefühl, Motto: "Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich"?

Einen echten Nachteil kompakter Falträder, der sich allerdings nur bei intensiver Nutzung zeigt und sich vor allem im Portemonnaie bemerkbar macht, möchte ich als langjähriger Nutzer eines Brompton allerdings erwähnen: Wegen des kleinen Raddurchmessers ist der Verschleiß von Reifen und Felgen deutlich höher als bei Fahrrädern mit großen Laufrädern. Nachdem ich mein Brompton im ersten Jahr als Alltagsfahrrad (Fahrleistung mehrere tausend km) benutzt hatte, waren drei Reifen abgefahren und eine Alufelge durchgebremst. Um das gute Stück nicht mehr ganz so arg zu strapazieren, kam dann wieder ein Cityrad ins Haus und das Brompton wird seitdem zielgerichtet in Kombination mit ÖPNV, Auto und auf Reisen eingesetzt. Da macht es allerdings nach wie vor Spaß und steht im Fahrkomfort dem großen Fahrrad in nichts nach. An der Kette macht man sich übrigens nur einmal schmutzig, nämlich wenn man das zusammen- und auseinanderfalten zum ersten Mal übt (jedenfalls wenn man davor die Bedienungsanleitung nicht gelesen hat).