Mehr als ein Jahr hat sich Ford Zeit gelassen, in der überarbeiteten Focus-Baureihe einen ST nachzuschieben, also die Sportvariante des Golf-Konkurrenten. Schon in der Vorgängerversion hat Ford mit dem Focus ST jene Lügen gestraft, die einen frontgetriebenen Sportwagen mit mehr 200 PS für unlenkbaren Unsinn hielten. Mit einer ausgeklügelten Konstruktion der Vorderachsen hatten die Ingenieure die Lenkeinflüsse des starken Motors fast komplett neutralisiert.

Bei der Neuauflage, die mit 184 kW (250 PS) genau 25 PS mehr Leistung an die Vorderräder leitet, ist das nicht ganz so gut gelungen: Wer etwa beim Überholen schon während des Ausscherens stark beschleunigt, muss kräftig an der Lenkung arbeiten, die bei so viel Kraft vor allem eines will: geradeaus. Wer sich aber auf den Eigensinn der Lenkung einstellt, der wird seine Freude auch mit dem neuen ST haben – jetzt auch in einer Kombi-Version, bei Ford Turnier genannt.

Der alte Fünfzylinder-Motor mit 2,5 Litern Hubraum, der noch von der mittlerweile verkauften Konzernmarke Volvo stammte, wich einem Zweiliter-Vierzylinder aus dem Hause Ford. Das Triebwerk ist komplett aus Aluminium, und dank eines früh ansprechenden Turboladers, variabel steuerbarer Ventile und einer Hochdruck-Benzindirekteinspritzung erreichten die Ingenieure satte Leistungswerte. So schafft der Motor ein Drehmoment von 360 Nm.

Fahrten für Schaltfaule

Als Höchsttempo gibt Ford 248 km/h an. Ein eher willkürlicher Wert, denn die Ingenieure selbst sind der Meinung, dass noch mehr drin gewesen wäre, wenn die Marketingstrategen sie nur gelassen hätten. Den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h legt der Focus ST in 6,5 Sekunden zurück. Der Opel Astra OPC mit 280 PS braucht dafür eine halbe Sekunde weniger, ebenso der VW Scirocco R (265 PS). Beide sind dafür aber auch knapp 5.000 Euro teurer als der Ford Focus ST, der mit einem Basispreis von 27.950 Euro in der Liste steht.

Der ST macht dem Fahrer viel Freude, ob beim flotten Wochenendausflug über kurvige Landstraßen oder beim täglichen Weg durch die Stadt und über die Autobahn. Denn der Wagen lässt sich ebenso sportlich wie entspannt fahren. Sportlich, wenn man die Gänge ausreizt, das Gaspedal durchtritt und es genießt, beim Spurt in die erstklassigen Sportsitze gepresst zu werden. Entspannt, wenn man schaltfaul unterwegs sein und bei Überlandfahrten mal eine halbe Stunde lang die manuelle Sechsgangschaltung in Ruhe lassen will.

Dabei arbeitet die Schaltung mit kurzen Wegen und sportlich knackig. Der sechste Gang ist als Schongang ausgelegt, mit einer langen, die Drehzahl senkenden Abstimmung. Im Umkehrschluss heißt das: Wer bei entsprechendem Tempo beschleunigen will, schaltet besser in den fünften Gang zurück, weil es sonst arg zäh wird.