Jaguar XK 120 © press-inform

Den ersten Kontakt mit dem Lenkrad des Jaguar XK 120 hätte man sich enger vorgestellt. Auch mit Gardemaß lässt sich die filigrane Kreuzung aus Rennwagen und Luxusroadster nach einem etwas beschwerlichen Einstieg durchaus bequem steuern. Zumindest bis bei der Ausfahrt die ersten engen Wechselkurven kommen, denn um mit langen Armen das mächtige Volant zu drehen, ist der Raum doch knapp. Das Lenkrad sitzt nur wenige Zentimeter vor Bauch und Brustkorb und macht das Pilotieren im Grenzbereich zur Schwerstarbeit.

Dabei ist der Jaguar XK 120 fahrdynamisch auch nach heutigen Maßstäben noch beeindruckend. Dank ausgewogener Federung und Dämpfung ist man selbst auf mäßigen Landstraßen gern schnell unterwegs. Auch längere Strecken sind ein Genuss.

Der 4,40 Meter lange offene Zweisitzer ist schon ein Hingucker, wie er da vor der Ausfahrt auf dem Parkplatz steht: vorn die nicht enden wollende Motorhaube mit tatzenförmigen Kotflügeln, aus der rundliche Frontscheinwerfer wachsen, hinten das weich auslaufende Heck mit winzigen Leuchten und voll verkleideten Radhäusern, die den XK wie eine zum Sprung bereite Katze erscheinen lassen.

Ausgeklügelter Sechszylinder

Kaum zu glauben, dass diese Versuchung eine kreative Notlösung war. Ursprünglich wollte Jaguar-Chef William Lyons auf der ersten Automesse nach Ende des Zweiten Weltkrieges den MK VII mit einem neu entwickelten Reihensechszylinder am Londoner Earls Court präsentieren. Doch die schnelle Luxuslimousine wurde zur Motorshow im Oktober 1948 nicht rechtzeitig fertig.

Also kreierte Lyons auf der um 46 Zentimeter verkürzten Plattform des MK VII kurzerhand einen offenen Zweisitzer. Eigentlich sollte er lediglich in einer Kleinserie von wenigen Hundert Fahrzeugen Realität werden, doch schon während der Messe wurden mehr als 500 Exemplare des XK 120 am Jaguar-Stand verkauft.

Ebenso beeindruckend wie Design und Fahrverhalten ist der Antrieb des Wagens. Der Reihensechszylinder war damals ein Wunder an Laufruhe und elastisch obendrein. Technischer Clou war – neben den beiden oben liegenden Nockenwellen des Triebwerks – ein von Cheftechniker Harry Weslake entwickelter Aluminium-Zylinderkopf. Er hat halbkugelförmige Brennräume, die eine besonders kraftvolle Leistung schon zu unteren Drehzahlen brachten.

Aus 3,5 Litern Hubraum holte der Motor 118 kW (160 PS), das Drehmoment von 265 Nm wurde per Vierganggetriebe an die Hinterachse übertragen. Damit schaffte der rund 1,4 Tonnen schwere XK 120 mehr als 200 km/h – in England sind das 120 Meilen pro Stunden, daher der Name des Jaguar-Roadsters.