Jaguar XK 120 : Einst Notlösung, heute Autolegende

Aus der Not geboren, wurde der XK 120 von Jaguar über Nacht zum Star der Londoner Motorshow 1948. Der elegante Sportroadster beeindruckt noch heute.
Jaguar XK 120 © press-inform

Den ersten Kontakt mit dem Lenkrad des Jaguar XK 120 hätte man sich enger vorgestellt. Auch mit Gardemaß lässt sich die filigrane Kreuzung aus Rennwagen und Luxusroadster nach einem etwas beschwerlichen Einstieg durchaus bequem steuern. Zumindest bis bei der Ausfahrt die ersten engen Wechselkurven kommen, denn um mit langen Armen das mächtige Volant zu drehen, ist der Raum doch knapp. Das Lenkrad sitzt nur wenige Zentimeter vor Bauch und Brustkorb und macht das Pilotieren im Grenzbereich zur Schwerstarbeit.

Dabei ist der Jaguar XK 120 fahrdynamisch auch nach heutigen Maßstäben noch beeindruckend. Dank ausgewogener Federung und Dämpfung ist man selbst auf mäßigen Landstraßen gern schnell unterwegs. Auch längere Strecken sind ein Genuss.

Der 4,40 Meter lange offene Zweisitzer ist schon ein Hingucker, wie er da vor der Ausfahrt auf dem Parkplatz steht: vorn die nicht enden wollende Motorhaube mit tatzenförmigen Kotflügeln, aus der rundliche Frontscheinwerfer wachsen, hinten das weich auslaufende Heck mit winzigen Leuchten und voll verkleideten Radhäusern, die den XK wie eine zum Sprung bereite Katze erscheinen lassen.

Ausgeklügelter Sechszylinder

Kaum zu glauben, dass diese Versuchung eine kreative Notlösung war. Ursprünglich wollte Jaguar-Chef William Lyons auf der ersten Automesse nach Ende des Zweiten Weltkrieges den MK VII mit einem neu entwickelten Reihensechszylinder am Londoner Earls Court präsentieren. Doch die schnelle Luxuslimousine wurde zur Motorshow im Oktober 1948 nicht rechtzeitig fertig.

Also kreierte Lyons auf der um 46 Zentimeter verkürzten Plattform des MK VII kurzerhand einen offenen Zweisitzer. Eigentlich sollte er lediglich in einer Kleinserie von wenigen Hundert Fahrzeugen Realität werden, doch schon während der Messe wurden mehr als 500 Exemplare des XK 120 am Jaguar-Stand verkauft.

Ebenso beeindruckend wie Design und Fahrverhalten ist der Antrieb des Wagens. Der Reihensechszylinder war damals ein Wunder an Laufruhe und elastisch obendrein. Technischer Clou war – neben den beiden oben liegenden Nockenwellen des Triebwerks – ein von Cheftechniker Harry Weslake entwickelter Aluminium-Zylinderkopf. Er hat halbkugelförmige Brennräume, die eine besonders kraftvolle Leistung schon zu unteren Drehzahlen brachten.

Aus 3,5 Litern Hubraum holte der Motor 118 kW (160 PS), das Drehmoment von 265 Nm wurde per Vierganggetriebe an die Hinterachse übertragen. Damit schaffte der rund 1,4 Tonnen schwere XK 120 mehr als 200 km/h – in England sind das 120 Meilen pro Stunden, daher der Name des Jaguar-Roadsters.

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Objektiv betrachtet

ist der Wagen nichts wert!
Ein Auto ist ein Gebrauchsmittel. Dass Sammler viel für Antiquitäten bezahlen ist schon lustig. Was hilft mir heutzutage ein Commodore 64?
Nur wenn der Verkaufspreis wirklich erlöst werden konnte, dann hatte der Artikel einen Wert!

@1: Fragen? Antworten?

Sie haben gefragt. Sie sollten auch eine Antwort suchen...

"Was hilft mir heutzutage ein Commodore 64?"

Ein C64 ist ein Wunderding, ein Computer, ein Denkverstärker.

Allein ihn zu betrachten, kann außerst lehrreich sein, Kumulationspunkt von Überlegungen:

- Wie kann eine Technologie, die vor 50 Jahren noch als extrem teuer galt, vor 20 Jahren den Massenmarkt erreicht haben?

- Wie stark hat diese Technologie die Welt verändert, in der wir leben

- Welche dieser Veränderungen waren von Nachteil, wie gehe ich damit um?

(Ach nein, entschuldigen Sie, Sie würden sich wahrscheinlich eher fragen: Ist auch nur irgendeine dieser Veränderungen gut gewesen? (LOL))

- Wie kann ich ähnlich die Welt verändern, ins positive verändern, wenn die Gründer des C64-Herstellers (und viele ihrer Kollegen) dies auch geschafft haben?

Ich finde, vor einem Technik-Relikt zu stehen, kann durchaus sehr viel bringen, von daher sehe ich einen großen Wert!
-

Objektiv betrachtet???

Objektiv betrachtet ist ein Violinsonate das Kratzgeräusch von Pferdehaaren auf Katzendarm, der über ein Kistchen aus altem Holz gespannt ist.

Selbst wer keine Freude an ästhetischen Formen und historischer Technik hat, oder einfach gar kein Gespür für Stil hat, könnte anderen Menschen diese Freude gönnen.

Objektiv betrachtet muss man nämlich auch keine Kommentare schreiben.

Der C64

kann nur einen Bruchteil dessen, was ein PC heute leistet, und hat deswegen keinen Wert und Nutzen mehr. Ein Auto bringt möglichst angenehm von A nach B, und das tut dieses sicher auch, desweiteren dient ein Auto im Gegensatz zu einem PC immer als Statussymbol und zur Selbstpräsentation, etwas wie ein Anzug - und da macht dieses seinen Job mindestens genau so gut wie aktuelle Modelle.

Überhaupt sind solche Autos Kunstwerke, müssen damit keinen Nutzen erfüllen - ein C64 ist beim besten Willen kein Kunstwerk!

Schon mal den ökologischen Rucksack berücksichtigt?

Wer so argumentiert, ist der typische urbane Stadtindianer. Glaubt der Automobilindustrie alles und jedes.
Jeder dieser Wagen hat eine Ökobilanz, die ein Neuwagen und bräuchte er nur einen halben Liter auf hundert Kilometer erst einmal erreichen müsste.
Es ist mittlerweile schon in x-beliebigen Test nachgewiesen, dass Neuwagen nicht zwangsläufig weniger verbrauchen als Altwagen, die Physik lässt sich nun einmal nicht austricksen, wer das Gewicht heutiger Neuwagen mit dem von Altfahrzeugen vergleicht, der wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass Mehrgewicht eben auch beschleunigt werden muss, und das kostet nun einmal Energie.
Ach, und noch etwas, der KAT unter ihrem Auto, falls Sie eines haben, müsste 3 Tonnen wiegen, berücksichtigt man den ökologischen Rucksack, also alle ökologischen Folgen, die bei der Produktion, der Gewinnung der Rohstoffe etc. entstehen.
Siehe hier:https://docs.google.com/v...

Dieses Auto wurde

wie jedes andere auch, für die Straße konstruiert und gebaut.

Genau dort gehört es hin!

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Aus seinem Auspuff kommt übrigens deas gleiche Zeugs, welches auch aus dem Auspuff des LKW kommt, der Billigmüll auch China verteilt.
Oder im Dezember Erdbeeren (pestizitverseuchte noch dazu!) aus Spanien...

Sie dürfen das gerne anders sehen, aber auf China-Ramsch und vergiftetes Obst kann ich verzichten, aber der anblick eines alten Jaguar erfreut mein Herz...

Warum immer diese negative Einstellung?

Es ist Ihnen wahrscheinlich noch nicht aufgefallen, aber einen "objektiven Wert" gibt es genau genommen nie. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Wasser.
Wasser ist eine lebensnotwendige Ressource und gilt als wertvoll. Aber der Wert den eine Person einem Glas Wasser beimisst, variert von Situation zu situation. Wenn Ihnen in der Wüste jemand ein Glas Wasser anbietet, ist Ihnen das wahrscheinlich mehr Wert, als wenn jemand Sie bereits gezwungen hat 5 Liter Wasser zu trinken und Ihnen danach ein weiteres Glas anbietet.

Auch im Hinblick auf den zweiten Kommentar, wäre es doch schön, wenn man den Menschen, für die dieser Wagen halt einen hohen Wert hat einfach Freude daran haben lässt.
Ihnen muss der Wagen ja nicht gefallen.

Schön. Einfach nur ästhetisch und traumhaft.

Wer da etwas gegen hat, der hat etwas dagegen. So what?
Manche Leute haben etwas gegen alles - nur der Alligator in der eigenen Badewanne ist total normal. So what? Sollen sie sich da mit hineinlegen.
Ich läge gerne in solch einem Traum - an fahren mag ich gar nicht denken. Schön! Traumhaft schön!