AutoindustrieGeneral Motors muss sich für oder gegen Opel entscheiden

GM verschleißt im Jahresturnus Opel-Manager – und beweist damit: Es existiert keine Strategie. Der Konzern muss endlich sagen, was er will, kommentiert M. Breitinger.

Mit einer solchen Mutter ist kein Staat zu machen: Erst trägt General Motors (GM) den von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke kürzlich präsentierten Sanierungsplan mit, und nur wenige Wochen später wirft GM-Chef Dan Akerson Stracke raus.

Offiziell wurde kein Grund für den Schritt genannt. Beobachter verweisen auf die schwachen Opel-Zahlen, doch die können den Opel-Mutterkonzern schwerlich überrascht haben. Die schlechte Entwicklung – der Opel-Absatz in Europa brach im ersten Halbjahr um 15 Prozent ein – hat sich der Eigner aus den USA zum größten Teil selbst zuzuschreiben.

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In den vergangenen drei Jahren hat GM drei Mal die Unternehmensspitze in Rüsselsheim ausgewechselt, immer wieder wurde über Umstrukturierungen öffentlich diskutiert. Opel blieb so permanent in den Schlagzeilen: eine Kontinuität, die man sich eher im alltäglichen Geschäft wünscht. Denn wer kauft sich einen Wagen von Opel, wenn man nicht weiß, wie es mit dem Hersteller weitergeht?

Stracke-Plan fordert Geduld

Dass GM nach nur einem guten Jahr Stracke bei Opel wieder vor die Tür setzt, ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Amerikaner keine Strategie haben. Es wird höchste Zeit, dass GM sich darüber klar wird, wohin es mit Opel will. Seit Jahren werden die Mitarbeiter verunsichert. Ein Beispiel: 2009 wollte GM Opel verkaufen. Als man sich mit dem Zulieferer Magna schon einig war, bliesen die Manager in Detroit das Geschäft in letzter Minute wieder ab. Seither wird alle paar Monate mit einem neuen Sanierungsplan beteuert, dass jetzt Ruhe einkehre.

Matthias Breitinger
Matthias Breitinger

Matthias Breitinger ist Redakteur im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der geschasste Opel-Chef setzte vor allem auf neue Modelle. Im Grunde eine richtige Strategie, denn Opel leidet an einer überalterten Modellpalette, die mit der Konkurrenz kaum mithalten kann. Noch einen Tag vor Strackes plötzlichem Abgang stellte Opel den neuen Kleinwagen Adam vor. Nur: Sein Plan war keine Hau-Ruck-Maßnahme, er erforderte Geduld.

Darin unterscheidet sich das Konzept von den Schritten, die GM selbst in der Konzernkrise nach 2008 unternahm. Da schloss der kurzzeitig unter Gläubigerschutz stehende US-Konzern in Windeseile eine Reihe von Werken, dünnte das Händlernetz aus und baute Zehntausende Stellen ab. Solche Schritte sah Strackes Sanierungskonzept aber zumindest kurzfristig nicht vor. Doch um einen zügigen Abbau von Kapazitäten führt auch bei Opel kein Weg vorbei, die Werke sind weit von einer Auslastung entfernt.

Leserkommentare
  1. Mit normalen unternehmerischen Massstäben gemessen müsste GM Opel schlicht und einfach dicht machen. Das würde dann vielleich noch einmal Geld in der Höhe von (bisherigen) ein oder zwei Jahresverlusten kosten, aber dann wäre endlich Ruhe. Das Problem ist doch schlicht und einfach der Druck, der hier in Deutschland seitens der Politik gemacht wird. Da läuft hinter den Kulissen noch Einiges mehr, als in den Zeitungen steht.

    GM braucht Opel als Marke nicht mehr!

    Auch das typische Opel-Gejammere (von den Gewerkschaften und der linken Politik unterstützt), dass Opel endlich in die Märkte können dürfen muss, in denen Geld verdient wird, ist ausgewachsener Quatsch. GM ist heutzutage weltweit, auch in Asien, vertreten - mit Vertriebsgesellschaften aber auch mit Fertigungsstätten. Wenn Opel dort hinein dürfte, dann würde doch nur eine Marke (Chevrolet z. B.) gegen eine andere getauscht. Mehr Umsatz und Gewinn? Nein, bestimmt nicht, nur ein Tausch.

    Wenn dann noch berücksichtigt wird, dass für den Opel-Markenaufbau einige Milliarden fällig würden, dann kann gesagt werden, dass GM unter dem Strich noch weiteres Geld verlieren würde.

    Fazit: Opel = kaputt; als Marke zumindest. Als Montagestätte und Teil-Entwicklungsstandort könnte vielleicht noch Rüsselsheim teilweise überleben. Bochum und Kaiserslautern aber ganz sicher nicht.

    4 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber User Klaus_Ablage,

    ich stimme Ihnen in Ihrer Bewertung eines - vielerseits geforderten - Markteinstiegs von Opel etwa in Asien zu. Aber: Nicht nur der Aufbau der Marke Opel dort würde viel kosten (welcher Chinese kennt heute schon Opel?).

    Es würde auch den hiesigen nicht ausgelasteten Werken nichts bringen. China, aber auch andere Länder erheben hohe Importzölle, so dass es sich für Opel nur rechnen würde, wenn man die Opel-Fahrzeuge am Ort produziert. Entweder in bestehenden GM-Fabriken oder in neuen Fertigungsstätten, die Opel erst teuer aufbauen müsste.

    Sorry, aber von Markenaufbau versteht GM eben gerade gar nichts. Die Opel-Autos WERDEN ja bereits in diesen Ländern verkauft - nur nicht als Opel. Genau damit aber wird Opel als Marke seit Jahren von GM systematisch kaputtgemacht. Was macht es aus, einen Opel zu fahren? Die Frage kann niemand beantworten, wenn man das gleiche Auto anderswo auch als Buick kaufen kann.

    Ja, für GM würde es vielleicht keinen Unterschied machen. Aber es wäre ehrliches und professionelles Handeln gegenüber Opel, wenn man ihnen nicht vorwirft, dort wo fast alle Autobauer Verluste machen, auch Verluste zu machen, und sie dort, wo andere Autobauer Gewinne machen, nicht nur nicht hin lässt, sondern als Marke systematisch umbringt.

    Mit Effizienz und Wirtschaftlichkeit hat das ganze nichts zu tun, sondern damit, dass GM lediglich auf das Know-how scharf ist.

    Redaktion

    Lieber User Klaus_Ablage,

    ich stimme Ihnen in Ihrer Bewertung eines - vielerseits geforderten - Markteinstiegs von Opel etwa in Asien zu. Aber: Nicht nur der Aufbau der Marke Opel dort würde viel kosten (welcher Chinese kennt heute schon Opel?).

    Es würde auch den hiesigen nicht ausgelasteten Werken nichts bringen. China, aber auch andere Länder erheben hohe Importzölle, so dass es sich für Opel nur rechnen würde, wenn man die Opel-Fahrzeuge am Ort produziert. Entweder in bestehenden GM-Fabriken oder in neuen Fertigungsstätten, die Opel erst teuer aufbauen müsste.

    Sorry, aber von Markenaufbau versteht GM eben gerade gar nichts. Die Opel-Autos WERDEN ja bereits in diesen Ländern verkauft - nur nicht als Opel. Genau damit aber wird Opel als Marke seit Jahren von GM systematisch kaputtgemacht. Was macht es aus, einen Opel zu fahren? Die Frage kann niemand beantworten, wenn man das gleiche Auto anderswo auch als Buick kaufen kann.

    Ja, für GM würde es vielleicht keinen Unterschied machen. Aber es wäre ehrliches und professionelles Handeln gegenüber Opel, wenn man ihnen nicht vorwirft, dort wo fast alle Autobauer Verluste machen, auch Verluste zu machen, und sie dort, wo andere Autobauer Gewinne machen, nicht nur nicht hin lässt, sondern als Marke systematisch umbringt.

    Mit Effizienz und Wirtschaftlichkeit hat das ganze nichts zu tun, sondern damit, dass GM lediglich auf das Know-how scharf ist.

  2. Redaktion

    Lieber User Klaus_Ablage,

    ich stimme Ihnen in Ihrer Bewertung eines - vielerseits geforderten - Markteinstiegs von Opel etwa in Asien zu. Aber: Nicht nur der Aufbau der Marke Opel dort würde viel kosten (welcher Chinese kennt heute schon Opel?).

    Es würde auch den hiesigen nicht ausgelasteten Werken nichts bringen. China, aber auch andere Länder erheben hohe Importzölle, so dass es sich für Opel nur rechnen würde, wenn man die Opel-Fahrzeuge am Ort produziert. Entweder in bestehenden GM-Fabriken oder in neuen Fertigungsstätten, die Opel erst teuer aufbauen müsste.

  3. Die Handelsbilanz von Opel insgesamt würde aber wahrscheinlich anders aussehen, wenn sie auch in Asien verkaufen dürften. Der europäische Markt ist schwierig, China ist Wachstumsmarkt Nr. 1, gerade auch für die anderen deutschen Autohersteller, die dort deutlich mehr Autos verkaufen als z.B. in Deutschland. GM hält aber Opel gezielt klein zugunsten anderer Marken im Konzern, das ist nicht gerade förderlich, wenn man als Marke Opel aus den roten Zahlen kommen will.

    Da die Chinesen (wie die meisten auf der Welt) auf deutsche Autos stehen, könnte ich mir Erfolge einer deutschen Marke mit gutem Preis/Leistungsverhältnis wie Opel gut vorstellen.

    Außerdem:

    "Der geschasste Opel-Chef setzte vor allem auf neue Modelle. Im Grunde eine richtige Strategie, denn Opel leidet an einer überalterten Modellpalette, die mit der Konkurrenz kaum mithalten kann."

    Das stimmt so nicht. Das einzige, was bei Opel veraltet ist, sind die Motoren, obwohl auch dort sich gerade etwas tut. Abgesehen davon sind Opel auf Augenhöhe mit der direkten deutschen Konkurrenz. Die einzigen, mit denen Opel "kaum mithalten" kann, sind Premiumhersteller wie Audi oder BMW. Die sind aber in einer anderen Preisliga.

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    Man muß ja immer wieder lesen, dass die veraltet seien? Na und?

    100 PS sind 100 PS, ob der Motor nun alt oder neu entwickelt ist, ist doch völlig egal.

    Der einizige Unterschied ist der Verbrauch. Und der hält sich in der Praxis in engen Grenzen.

    Hier Flotte Golf zu Flotte Astra bei vergleichbarem Benzinstandardmotor:

    http://www.spritmonitor.d...
    http://www.spritmonitor.d...

    Ergebnis: Ca. 1l/100km Unterschied. Macht etwa 1500,- € Differenz auf 100.000 km.

    Allerdings hat man dann auch keinen Turbo, der Ärger machen könnte und billig im Einstand sind die Astras auch.

    Die Motoren machen den Kohl also nicht fett oder in diesem Fall wohl eher mager.

    Man muß ja immer wieder lesen, dass die veraltet seien? Na und?

    100 PS sind 100 PS, ob der Motor nun alt oder neu entwickelt ist, ist doch völlig egal.

    Der einizige Unterschied ist der Verbrauch. Und der hält sich in der Praxis in engen Grenzen.

    Hier Flotte Golf zu Flotte Astra bei vergleichbarem Benzinstandardmotor:

    http://www.spritmonitor.d...
    http://www.spritmonitor.d...

    Ergebnis: Ca. 1l/100km Unterschied. Macht etwa 1500,- € Differenz auf 100.000 km.

    Allerdings hat man dann auch keinen Turbo, der Ärger machen könnte und billig im Einstand sind die Astras auch.

    Die Motoren machen den Kohl also nicht fett oder in diesem Fall wohl eher mager.

    • joG
    • 17.07.2012 um 19:45 Uhr

    ...von außen bzw ohne eine sehr intensive Beschäftigung mit den Implikationen verschiedenster Dinge wie Arbeitsrecht, Patente und Lizenzen, Verträge mit Dritten USW mit den folgen für andere GM Töchter und Konzernteile wissen kann, wie die beste Strategie für GM wäre. Es ist nämlich durchaus denkbar, dass die optimale Strategie erfordert sein Blatt bedeckt zu halten.

  4. angeblich veralterten Modelle von Opel zu lesen. Beispiele werden hier leider nie genannt.
    Ich vermute viele Bewertungen werden in der Presse gemacht ohne sich wirklich mit den neueren Produkten befasst zu haben.
    Der Insignia steht dem Passat ,wenn ueberhaupt, in nicht vielen Bereichen nach.
    Der neue Zafira gewinnt die meisten Vergleiche. Optisch sind die meisten Opel Modelle wesentlich gelungener und spannender als Vergleichbares aus dem VW Konzern und den meisten anderen Konkurrenten. Alleine das Markenimage und natuerlich die (Un)art der Firmenkommunikation macht den Unterschied. Ich gehe davon aus das Ford in Europa, Renault, Peugeot und wohl auch Seat momentan ebenfalls ernste Probleme haben. Nur wird das nicht gross ueber saemtliche Kanaele verbreitet und wie bei Opel ausgeschlachtet.

    2 Leserempfehlungen
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    Bitte sehr, hier sind sie
    http://www.acea.be/images...
    Man beachte insbesondere Hyundai und KIA, die seit dem Freihandelsabkommen zwischen Süd-Korea und der EU auf dem Vormarsch im Opelmarktsegment sind.Übrigens, Chvrolets kommen auch aus Süd-Korea

    Bitte sehr, hier sind sie
    http://www.acea.be/images...
    Man beachte insbesondere Hyundai und KIA, die seit dem Freihandelsabkommen zwischen Süd-Korea und der EU auf dem Vormarsch im Opelmarktsegment sind.Übrigens, Chvrolets kommen auch aus Süd-Korea

    • Hamit
    • 17.07.2012 um 20:10 Uhr

    Wer um alles in der Welt braucht heute noch einen Opel? Die Marke versprüht weniger Esprit als ein saarländisches Hüttenwerk und ist einfallsloser als die CSU.

    Und der Mutterkonzern ist weit entfernt und ebenso leblos. Vielleicht muss man gelegentlich einfach akzeptieren, dass die Zeit abgelaufen ist. Die Beschäftigten werden dies nicht gerne hören, aber gegen den Zeitgeist zu rudern ist nunmal schwierig.

    Dumm nur, an dieser These, ist die Tatsache, dass OPEL gute Autos baut. Aber dies reicht heutzutage nicht mehr aus, der Funfaktor und das Glücksgefühl müssen stimmen, dies ist jedoch mit diesem Namen vermutlich nicht mehr zu stemmen.

    Rename it - und an die Opelaner verscherbeln. Letztere sprechen doch immer über ihre Firma, als sei sie wichtiger als die Ehegattin. Es wundert mich, warum diese buyouts in Deutschland so selten stattfinden?

    3 Leserempfehlungen
  5. In Europa gibt es seit 20 Jahren Überkapazitäten. um in diesem Wettbewerb zu überleben, darf man sich keine Fehler leisten. Opel hat aber seit Ende der 70er Jahre Fehler ohne Ende gemacht. Lopez hat auf Kosten der Qualität Kosten reduziert. Gute konstruktive Ansätze wurden wegen der Kosten verworfen. Beispiel: Nur zögerliche Umsetzung von Korrosionsschutz durch feuerverzinkte Karoserien. Entwicklungschef Stockmar (ehemals BMW) verließ Opel und ging zu Magna. Verzögerter Einsatz von Dieselmotoren. Einsatz von anfälligen V6-Motoren aus England. Offene Auseinandersetzung mit VW wegen der Lopez-Affäre..
    Typen-Umbezeichnung, Wegfall von imagebildenden wagen der Oberklasse, unflexible Fertigung...

    Und, und ,und.

    K

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  6. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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