Dacia bietet den Van Lodgy für 9.990 Euro an. © Dacia

Kokett spielt der Autohersteller Dacia mit seinem Image als Billigmarke und fragt: Leiden Sie an Statussymptomen ? Die Botschaft des aktuellen Werbespots, in dem Mehmet Scholl auf dem Parkplatz eines Fußballplatzes einen reichen Maserati-Fahrer aufs Korn nimmt, ist klar: Unser Humor ist mehr wert als euer Geld.

Genau darum geht es. Ums Geld. Dacia verlangt für den Van Lodgy 9.990 Euro in der Grundausstattung und maximal 16.290 Euro und buhlt damit um die Gunst all derer, die eigentlich einen Gebrauchtwagen kaufen wollten. Aber nicht nur. Die rumänische Marke des französischen Renault-Konzerns zielt direkt auf Škoda. Die Tschechen, die zum Volkswagen-Konzern gehören, haben sich erfolgreich etabliert, sind inzwischen aber weit von ihren Wurzeln als Hersteller von Einfachautos entfernt.

Zu weit, finden viele. Doch genau wegen der wachsenden Konkurrenz durch Dacia bringt Škoda jetzt den neuen Rapid . Er greift auf die bestehende Architektur des Fabia zurück, zum Einsatz kommt wahrscheinlich der bekannte 1,2 Liter große Dreizylinder-Saugmotor, ohne Direkteinspritzung und Turboaufladung. Formal erinnert der Rapid an den ersten Octavia. Genau wie jener sieht der Rapid aus wie eine Stufenhecklimousine, hat aber eine große Heckklappe. Die Preise stehen noch nicht fest, dürften aber bei 14.000 Euro starten.

"Fantastischer Triumph der Ehrlichkeit"

Das Rezept der scheinbar simplen Autos von Dacia und Škoda ist gleich. Man nehme die Großserientechnik aus dem Mutterkonzern und übe Verzicht: auf die allerneueste Motorengeneration, auf das jüngste Gimmick der Fahrerassistenz-Abteilung und auf haptisch-optische Innenraumspielereien wie Softlack und genarbtes Plastik.

Genau hier aber liegt aus Sicht des Designexperten Paolo Tumminelli die große Stärke dieser Autos: "Das ist ein fantastischer Triumph der Ehrlichkeit", findet der Professor an der International School of Design in Köln. Die Kunden hätten längst begriffen, dass verchromtes oder aufgeschäumtes Plastik eben auch nur Plastik ist. Die immer wieder kehrende, fast fetischartige Beschreibung davon, wie toll sich Innenraumoberflächen angeblich anfühlen, hält er für übertrieben und am Kundenbedürfnis vorbei.

"Die Hersteller sitzen in der Klemme", erläutert Tumminelli, "denn das Design darf nicht zur Kannibalisierung führen." Škoda darf VW keine Marktanteile wegnehmen, und Dacia soll nicht im Revier von Renault wildern. "Darum müssen die Autos bewusst unterdesignt sein."