VW Polo Blue GTSprit sparen mit Zylinder-Päuschen

Im Polo setzt VW seinen ersten Vierzylinder mit Zylinderabschaltung ein. Die Technik soll den Verbrauch senken. Ob sie hält, was sie verspricht, hat Jürgen Wolff getestet. von Jürgen Wolff

Volkswagen Polo Blue GT

Volkswagen Polo Blue GT  |  © Hersteller

Bei Tempo 120 gönnt sich der Motor im VW Polo einfach mal eine kleine Ruhephase. "2-Zyl.-Modus" erscheint als kurze Nachricht auf dem Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Doch kein kurzes Ruckeln, kein leicht verstärktes Vibrieren, kein knappes Leistungstief – der Kleinwagen läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Dabei ist das, was sich gerade im Motorblock abgespielt hat, eine kleine Revolution: Im Polo Blue GT arbeitet Volkswagens erster Vierzylinder mit Zylinderabschaltung .

Zwei Zylinder machen temporär und automatisch Pause, und zwar immer dann, wenn die Lastzustände unter ein bestimmtes Maß sinken. Wird nicht beschleunigt oder geht es gleichmäßig auf ebener Straße geradeaus, reichen dafür auch zwei der vier Zylinder. Bisher gab es das "Aktive Zylindermanagement", von VW kurz ACT getauft, in Acht- und Zwölfzylindermotoren, etwa im Mulsanne des zu Volkswagen gehörenden Herstellers Bentley . Jetzt hat VW hier modernes Downsizing betrieben und die Zylinderabschaltung in sein Kleinwagensegment eingeführt.

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Das Verfahren funktioniert, wenn die Drehzahl zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen pro Minute liegt und das Drehmoment 25 bis rund 100 Nm beträgt. Das sind etwa 70 Prozent aller Fahrzustände. Wird dann die Kraft aller vier Zylinder nicht gebraucht, schalten sich mechanisch die beiden mittleren Brennkammern binnen einer halben Umdrehung der Nockenwelle ab – also in wenigen Millisekunden. Die Kolben selbst bewegen sich nach wie vor im Zylinder mit, ihre Brennräume werden aber nicht mehr befeuert. Gibt der Fahrer Gas, schalten sich die beiden Zylinder wieder zu.

Guter Verbrauchswert

In der Praxis bemerkt man kaum, wenn der Ottomotor in den Zweizylinder-Modus fällt. Auffallen sollte die Technik aber spätestens beim nächsten Tankstellen-Besuch: Laut VW drückt die Zylinderabschaltung den offiziellen Normverbrauch des Polo auf 100 Kilometer um rund 0,4 Liter. Bei konstanter Fahrt mit 50 km/h im dritten oder vierten Gang spare man sogar bis zu einen Liter, verspricht VW.

Mit manuellem Sechsganggetriebe verbraucht der Polo Blue GT laut offizieller Messung 4,6 Liter Super auf 100 Kilometer, mit dem automatischen Doppelkupplungsgetriebe (DSG) sollen es 4,5 Liter sein. In seiner Baureihe schaffen solche Verbrauchswerte nur noch die Diesel. Bei den Benzinern ist durchweg eine Fünf vorm Komma, und in der Realität ist keiner davon unter sechs Liter unterwegs.

Auch für den Polo Blue GT sind die 4,5 Liter selten zu erreichen. Bei moderater Fahrweise rund um Amsterdam , mit viel Landstraße, etwas Autobahn und kaum Stadtverkehr, pegelte sich der Bordcomputer bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern ein. Doch auch das ist kein schlechter Wert für einen Benziner.

Leserkommentare
  1. nicht im Prinzip nur eine äusserst umständliche Variante des Overdrives?
    Oder ist da wirklich ein Nennenswerter Unterschied ob ich mit 4 Zylindern bei halber Drehzahl oder mit 2 bei normaler herumfahre?

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    • joG
    • 18. Juli 2012 9:52 Uhr

    ....das teuerste seiner Baureihe ist abgesehen vom Sportwagen? Das ist wie beim Strom. CO2 einzusparen wird teuer. Es wird lebensverändernd teuer für Leute ohne extrem hohem Einkommen. Aber wer das will, bekommt es auch.

    Mit der Drezahl hat das nichts zu tun, die bleibt gleich, ob mit 2 oder 4 Zylinder gefahren wird. Bei Betrieb mit 2 Zylindern wird lediglich die Last erhöht (Die Elektronik gibt mehr Gas), damit verbessert sich auch der Wirkungsgrad was sich wiederum positiv auf den Verbrauch auswirkt.

  2. Man lasse es sich mal auf der Zunge zergehen: "Der 1,4-Liter-TSI-Motor liefert im normalen Fahrbetrieb 103 kW (140 PS) und ein maximales Drehmoment von 250 Nm an die Vorderräder. Damit ist der nur gut 1,2 Tonnen schwere Polo propper unterwegs."

    Wer braucht einen Kleinweagen mit 140(!) PS bei einem Gesamtgewicht von über 1 Tonne. Hallo, ich wette, das ein Auto, welches 600-700 kg wiegt und "nur" 60 PS hat mit einem guten Motormanagment LOCKER unter die Werte dieses Hightechkrüppel kommt. Bloss baut das keiner!

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    Ich habe mich auch eine Zeitlang gewundert, wieso meine heutigen Autos mit 100 PS auch nicht besser ziehen als die alten Möhren mit 55 PS, die ich als Student gefahren bin. Des Rätsels Lösung ist natürlich, dass die Autos halt auch doppelt so schwer sind wie damals.

    Grund dafür ist aber - abgesehen davon, dass man irgendwann angefangen hat, E-Fensterheber und Klimaanlagen zu BRAUCHEN - die passive Sicherheit. Mein alter C-Kadett (der übrigens auch grosse Fenster hatte, so dass man ihn ohne Abstandswarner und ohne anzustupsen leicht einparken konnte) würde heute in jedem Crashtest versagen, und niemand würde ihn haben wollen. Aber diese Kultur der hysterischen Todesangst ist ja nicht ganz neu, und es ist unheimlich schwer, sich ihr zu entziehen.

    Manchmal werde ich auch ganz wehmütig bei dem Gedanken. was für Verbrauchswerte man mit heutiger Technologie und einer gewissen Entspanntheit in Sicherheitsfragen erreichen könnte.

    • Zack34
    • 18. Juli 2012 9:59 Uhr


    ... ist eine schlichte Frage. Und worauf Sie wetten ist ein Witz, denn auf so eine Binse wettet keiner.

    Ich wette mal, morgen gibt´s auch ´ne Nacht. Und der Polo wird seine Käufer finden.

    Wenn Sie in einem Auto, dass nur 700 kg wiegt und ergo auf Insassenschutz nahezu gänzlich verzichtet(Golf 1, Corsa A und Co) mit 70 km/h gegen einen Baum fahren, können Sie mangels Airbag, Sicherheits-Knautschzone u.ä. von Glück reden, wenn Sie das Krankenhaus noch miterleben. Der 1200 kg-Polo bringt Sie dort höchstwahrscheinlich ohne eine Schramme raus.

    Ob man 140 PS im Polo für nötig hält, sei einmal dahin gestellt.

    Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    Die permanente Erhöhung der Produktkomplexität einschließlich der damit verbundenen technischen Verkomplizierung dient vor allem der Steigerung der Wertschöpfung und damit dem (durchaus legitimen) Selbsterhaltungstrieb der Automobilindustrie.

    So lange die Menschen bereit sind, dafür freiwillig, warum auch immer, sehr viel Geld, das sie auch anders einsetzen könnten, auf den Tisch des Hauses zu legen, ist dagegen auch nichts einzuwenden.

    Wer ein einfaches, niedrigpreisiges Produkt bevorzugt, um einfach nur von A nach B zu fahren, wird wohl auf Nischenanbieter hoffen müssen. Oder auf andere Formen der Mobilität. Für einen Golf muss man bei einer Fahrleistung von 800 km je Monat (27 km/Tag) mit monatlichen Gesamtkosten inkl. Wertverlust von 400 Euro (0,50 €/km) rechnen. Mit diesem Budget können Sie die gleiche Strecke auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxi bewältigen.

    • Zeugma
    • 19. Juli 2012 9:27 Uhr

    @ #2: Ganz richtig und es gibt bestimmt irgendwo einen sog- "Motorjournalisten", der dem Wagen irgendwie noch eine Durchzugsschwäche attestiert. Würde mich nicht wundern.

    Leichtgewicht: Kennen Sie noch den ersten Citroen AX? Der zeigte sehr gut, wie flott ein leichtes Wägelchen sein kann. Ganz fein mit dem kleinen Dieselmotor. Leider seinerzeit alles filterlos und mit weniger passiver Sicherheit. Dennoch: 1,2 t müssen es sicher nicht sein.

  3. Beim Yaris, gleiche Klasse, kommt eine 3 vor das Komma, beim Prius, eher Passat-Klasse auch. Beide tanken Super, haben sogar komplette Abschaltungen des Benziners, wenn nicht benötigt, haben kein Stufengetriebe sondern ein Planetengetriebe, was viel geschmeidiger und effizienter ist, haben mehr Drehmeoment dank des 60KW Elektromotors und sind preiswerter, zumindest der Yaris. Wo liegt bei dem Polo da im Vergleich der Fortschritt, frage ich mich. Ein knackiger Hybrid mit geringem Verbrauch und stufenlosem Getriebe für einen vernünftigen Preis wird in Deutschland immer noch nicht produziert. Die Messlatte ist also weiterhin die Toyota Modellpalette. Übrigens auch, was Pannen angeht. Der Prius ist so etwas von unkaputtbar, dass er seit Jahren die Pannenstatistik als Bester meistert, die TÜV-Statistik übrigens auch.

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    • Zack34
    • 18. Juli 2012 21:28 Uhr


    Nichts gegen Toyota, aber Sie sollten schon auf die sachliche Korrektheit Ihrer Behauptungen achten; Prius ist mitnichten in der Passat-Klasse. Und hier geht es mitnichten um einen "normalen", sondern um einen wesentklich höher motorisirten Polo, eben den GTI.

    Deshalb sind solche Vergleiche genauso einzustufen, wie jene Erinnerungsorgien an die guten alten Fahrzeuge von damals, die ebenso viel verbraucht haben, wie ihre heutigen Nachfolger...

  4. Ich habe mich auch eine Zeitlang gewundert, wieso meine heutigen Autos mit 100 PS auch nicht besser ziehen als die alten Möhren mit 55 PS, die ich als Student gefahren bin. Des Rätsels Lösung ist natürlich, dass die Autos halt auch doppelt so schwer sind wie damals.

    Grund dafür ist aber - abgesehen davon, dass man irgendwann angefangen hat, E-Fensterheber und Klimaanlagen zu BRAUCHEN - die passive Sicherheit. Mein alter C-Kadett (der übrigens auch grosse Fenster hatte, so dass man ihn ohne Abstandswarner und ohne anzustupsen leicht einparken konnte) würde heute in jedem Crashtest versagen, und niemand würde ihn haben wollen. Aber diese Kultur der hysterischen Todesangst ist ja nicht ganz neu, und es ist unheimlich schwer, sich ihr zu entziehen.

    Manchmal werde ich auch ganz wehmütig bei dem Gedanken. was für Verbrauchswerte man mit heutiger Technologie und einer gewissen Entspanntheit in Sicherheitsfragen erreichen könnte.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Absoluter Wahnsinn!"
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    resultiert ja leider nur daraus, dass heuer auch massenhaft 2.5-Tonnen-Boliden in den Städten unterwegs sind. Wenn mit denen ein 700kg-Golf-I kollidiert, fliegt letzterer meterweit in die Böschung. Daher die hohen Investitionen in passive Sicherheit auch bei Kleinstwagen.

    Was ich persönlich schade finde, ist, dass folgendes Projekt nie umgesetzt wurde: Loremo. Verzicht auf dicke Wärmedämmung, Einstieg wie bei der Isetta, dadurch viel einfacherer und leichterer Seitenaufprallschutz, Reduktion des Gewichtes auf 700kg, keinerlei elektrischen Einheiten wie Fensterheber oder Zentralverriegelung (außer Bordcomputer) und Verbrauch mit herkömmlichen Motor unter 2 l. Leider ist die Firma inzwischen pleite.

    PS:
    Letztens saß ich auch mal in einem SUV. Als wir auf der Autobahn einen anderen SUV überholten, sagte der Fahrer: Der ist mit seinen 2.8 L Hubraum höllisch untermotorisiert - urgeil!

    Mir ist eine Kleinwagenfahrerin mit 50km/h ungebremst in die Fahrerseite gefahren - wenn sie nicht die Vorderachse, sondern die Tür getroffen hätte, sähe ich heute anders aus....
    Wenn passive Sicherheit Geld kostet (in Anschaffung wie Unterhalt), gebe ich das gern aus. Fahre dafür einfach mehr mit dem MTB durch Wald und Wiesen zur Arbeit - ist eh entspannter.

    "Aber diese Kultur der hysterischen Todesangst ist ja nicht ganz neu, und es ist unheimlich schwer, sich ihr zu entziehen."

    Schauen Sie sich die Unfallzahlen der 70er Jahre an: Über 20.000 Verkehrstote! Heute ist es ein Viertel, und das bei weit dichterem Verkehr. Da verbrauche ich gerne 0,5 Liter mehr.

    Aber macht es Sinn, sich ein 1-Tonnen Auto zu kaufen, wenn das mittlerweile schon die Untergrenze ist? Die Hersteller machen beim Gewicht ein echtes Wettrüsten. Irgendwann braucht man einen 10-Tonner, um den Crashtest zu bestehen.

  5. Selbst wenn man mal die 0,4 Liter auf 100 km annimmt sind das pro Tankfüllung 2 Liter. Bei "Jede Woche tanken" macht das ganz großzügig 200 Euro Pro Jahr oder einen Tausender bei 5 Jahren Besitzdauer.
    Wem das jetzt richtig auffällt (oder wehtut), der kann besser drüber nachdenken ober er wirklich einen schleichfahrttauglichen und gleichzeitig auf sportlich gestylten POLO für 20.000 Euro + X kaufen mag.

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    • joesz
    • 18. Juli 2012 8:45 Uhr

    "Die Zylinder selbst bewegen sich nach wie vor im Kolben mit… " formuliert der Verfasser am Ende des Dritten Absatzes. Könnte es sein, dass er da etwas verwechselt hat?

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    • Boono
    • 18. Juli 2012 9:13 Uhr

    @6
    Die Verwechslung des Autors kommt wohl daher, dass ein Kolben die Form eines Zylinders hat.

  6. 140PS in einem Kleinwagen - irgendwas läuft schief, selbst wenn das Auto 1,2T wiegt. Mein erstes Auto, ein Opel Astra, hatte 60PS, vielleicht hat er nur eine Tonne gewogen. Aber selbst in einem Auto, das 1,2T wiegt, braucht kein Mensch mehr als 100PS...

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    ... mehr als 200 Newtonmeter in einem solchen Kleinwagen.

    • PigDog
    • 18. Juli 2012 9:10 Uhr

    Hut ab vor der Marketingabteilung, die solchen Dummfug unter die Leute zu bringen schafft!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Volkswagen | Bentley | Polo | Amsterdam | Pamplona
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