Autoreparatur : Wenn die Werkstatt schröpfen will

Mal werden Bremsbeläge zu früh getauscht, mal wird eine überflüssige Motorreinigung empfohlen. Was können Autohalter gegen Abzocke in der Werkstatt tun?

Eigentlich sollte die Werkstatt nur einen simplen Reifenwechsel erledigen. Doch dann wird der unbedarfte Kunde von den Kfz-Profis mit einer ganzen Reihe von Schwachstellen seines Wagens konfrontiert. Die Räder müssten unbedingt ausgewuchtet werden, sagt der Meister, und die Bremsen seien verschlissen. Zudem könnten die Ablagerungen im Motor problematisch werden, weil sie mit Sicherheit die Lebensleistung des Aggregats beträchtlich verkürzen.

Der besorgte Autobesitzer gibt daraufhin eine umfangreiche Reparatur und die komplette Motorreinigung in Auftrag. Am Ende hält er eine Rechnung über mehrere Hundert Euro in den Händen – der ursprünglich kalkulierte Betrag für den Reifenwechsel macht nur einen Bruchteil aus.

Gewiss: Viele Werkstätten arbeiten völlig korrekt. Doch gerade in Werkstätten, die mit Serviceleistungen zu Schnäppchenpreisen werben, ist die Gefahr, mit unnötigen Reparaturen über den Tisch gezogen zu werden, hoch. In Autoblogs reihen sich entsprechende Erfahrungsberichte. Auch Werkstatttester, die im Auftrag von Verbrauchermagazinen ausgeschickt werden, machen die Erfahrung, dass ein Teil der Betriebe dem eingecheckten Testwagen deutlich mehr Mängel bescheinigt, als in Wirklichkeit vorhanden sind.

Werkstatt sollte "einen guten Leumund" haben

Das Gebaren der Billig-Werkstätten ist auch Andreas Kessler – Automechaniker und Rat gebender "Autopapst" bei einem Berliner Radiosender – ein Dorn im Auge. Dabei sei es auch für Kunden ohne Kfz-Sachverstand nicht so schwer, eine preiswerte Werkstatt mit fairem Service zu finden und sicherzustellen, dass die Profis nur das tatsächlich Nötige instand setzen, sagt Kessler. Lediglich wenn es um Garantie- oder Kulanzleistungen geht, sei der Autobesitzer an eine Marken-Vertragswerkstatt gebunden, die höhere Stundenlöhne berechnet als Wettbewerber ohne Markenbindung.

Vor allem für ältere Autos seien die günstigeren freien Werkstätten eine gute Alternative. "Der Betrieb sollte aber in jedem Fall Mitglied der Kfz-Innung sein und einen guten Leumund haben", rät Kessler. "Wer sich im Bekanntenkreis umhört, bevor er sich für eine Werkstatt entscheidet, ist denjenigen, die sich allein von Billigpreisen blenden lassen, schon einen großen Schritt voraus."

Wenn die Werkstatt etwa bei der Hauptuntersuchung (HU) umfangreichere Mängel feststellt, empfiehlt Kessler, eine zweite Meinung bei unabhängigen Dienstleistern von TÜV oder Dekra einzuholen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte der Umfang der auszuführenden Reparaturarbeiten vor der Auftragserteilung schriftlich festgehalten werden, ebenso der Termin, zu dem das Auto abholbereit ist. Auf einen Kostenvoranschlag beziehungsweise eine fixierte Kostenhöchstgrenze, die nicht überschritten werden darf, sollte der Werkstattkunde ebenfalls bestehen. Auf keinen Fall sollte man einen Pauschalauftrag im Sinne von "Reparieren Sie, was alles zu reparieren ist" geben.

Ob Voranschläge oder Rechnungen samt Materialkosten und berechnetem Arbeitsaufwand in Ordnung sind, können viele Normalverbraucher jedoch nicht unbedingt beurteilen. Diese Tatsache haben die Macher des Internetportals inspekto.de als Geschäftsidee erkannt. In Kooperation mit einem Prozessdienstleister überprüfen sie – gegen Gebühr – den angegebenen Arbeitsaufwand für Reparaturleistungen, für den es eindeutige Vorgaben des Herstellers gibt. Außerdem werde "die Logik" der verwendeten und in Rechnung gestellten Materialien gecheckt, erläutert Thomas Rosenwald von inspekto.de.

Kommentare

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"Wenn die Werkstatt

etwa bei der Hauptuntersuchung (HU) umfangreichere Mängel feststellt, empfiehlt Kessler, eine zweite Meinung bei unabhängigen Dienstleistern von TÜV oder Dekra einzuholen."

Welche Werkstätten machen denn die HU? Die macht doch immer der TÜV, die DEKRA oder andere dafür zugelassene Dienstleister, zwar in den Räumen der Werkstatt, aber doch nicht als Teil der Werkstatt.
Insofern ist die o.g. Aussage nicht richtig.

Und dann wüsste ich noch gern, wo so ein Auto den Öltank hat, wie im zweiten Teil zu lesen war:
"Beispiele dafür sind acht Liter Öl für ein Auto mit Vier-Liter-Öltank..."

Erbsenzähler

Hallo Tengri,

natürlich macht die HU ein "unabhängiger" Prüfer, der die Werkstatt besucht. Aber Prüfer & Meister kennen sich oft seeehr gut ;-)

Der Öltank bildet das untere Ende des Motors - man nennt ihn Ölwanne/Ölsumpf. Aber er fungiert auch als Tank. Dass der Autor ihn einfach Öltank genannt hat, hat den Vorteil, dass er so nicht erklären musste, was eine Ölwanne ist.

Achja, eine weitere beliebte Abzocke ist das Achsvermessen. Der Messstand stellt für eine kleine Werkstatt meist eine große Investition dar (~20k€) und so werden gerne Achsmanschetten für 7,5€ getauscht um dann anschließen für 60€ zu vermessen.

LG

Keine üble Nachrede

"natürlich macht die HU ein "unabhängiger" Prüfer, der die Werkstatt besucht. Aber Prüfer & Meister kennen sich oft seeehr gut ;-)"

1. Abgesehen davon, dass das "gut kennen" erst mal nichts Verbotenes ist, solle man wissen, dass auch die Prüfer regelmäßig von ihren jeweiligen Organisationen überwacht werden und das vor Ort und ohne vorherige Anmeldung.

2. ist eine Ölwanne kein Öltank und auch kein Ölsumpf. Zeigen Sie mir mal beim Käfer (nicht Beetle) die Ölwanne.

3. kostet das Tauschen von Achsmanschetten erheblich mehr als 7,50 Euro (auch das Teil selbst ist viel teurer) und es muss danach nicht die Vorderachse vermessen werden.

@ tengri

zu 1. Die Gefahr, dass da gemauschelt wird, ist auf jeden Fall größer. Umgekehrte Fälle, wo ein bekannter Prüfer ein Auge zudrückt, hast du sicher auch schon oft mitbekommen.

zu 2.
Eine Ölwanne fungiert auch als Tank, zumal das Ölvolumen nie exakt der gebrauchten Menge entspricht. Dass der Käfer keine Ölwanne hat, ist interessant.

zu 3.
Hier mal zwei Achsmanschetten für 8,14€ für den Peugeot 206, mit dem meiner Freundin der o.g. Fall widerfahren ist. Nachdem dafür die Spurstange entfernt wurde, musste natürlich die Spur eingestellt werden.

Klarstellungen

"Die Gefahr, dass da gemauschelt wird, ist auf jeden Fall größer. Umgekehrte Fälle, wo ein bekannter Prüfer ein Auge zudrückt, hast du sicher auch schon oft mitbekommen."

Nein, habe ich nicht.
Was ich erlebt habe ist, dass der Prüfer aus Zeitgründen schon vor dem Ende der Reparatur die Plakette geklebt hat. Da war aber das Teil schon ersetzt worden, nur das übergeordnete Bauteil noch nicht wieder im Fahrzeug.

"Hier mal zwei Achsmanschetten für 8,14€ für den Peugeot 206, mit dem meiner Freundin der o.g. Fall widerfahren ist. Nachdem dafür die Spurstange entfernt wurde, musste natürlich die Spur eingestellt werden."

Das sind keine Achsmanschetten, das sind Lenkmanschetten und das ist ein großer Unterschied. Achsmanschetten sind an den Antriebswellen und dabei muss hinterher nichts vermessen werden.

Den Motorraum kann man ruhig als Öltank bezeichnen

schließlich ist das Öl da drin.
Wieviel Öl das Auto braucht steht meistens in der Bedienungsanleitung.
Nebbich: gescheite Öle verwenden, aber Ölwechsel höchstens alle 30 000 km machen lassen. Etwas öfter vielleicht den Luftfilter wechseln. Das kann man auch selbst machen. Ist so ein rundes schwarzes Ding. Spannfedern auf, Deckel hoch, alter Filter raus, neuer Filter rein, Deckel runter, Federn einrasten lassen - und gut is.
Am besten immer da hingehen, wo die Taxifahrer hingehen.

Gefahr

"... Serviceleistungen zu Schnäppchenpreisen werben, ist die Gefahr, mit unnötigen Reparaturen über den Tisch gezogen zu werden, hoch ... "

Das ist keine Gefahr sondern sondern ein Grundsatz.

Die Fehlersuche geschieht doch automatisch. Einen Stecker einstecken ist doch kein Zeitaufwand.

Das kann selbst meine Allerwelts-Hinterhofwerkstatt.

Auch Innungsbetriebe wollen schließlich Stunden abrechnen.

Einfach...

...erstmal zum TÜV/GTÜ/DEKRA oder einer sonstigen Prüforganisation fahren, das Auto durchchecken lassen und mit der Mängelliste ab in die Werksatt. Gezielt die Beseitigung exakt dieser Mängel in Auftrag geben und anschliessend zur Nachuntersuchung bei der vorher aufgesuchten Prüforganisation. Fertig.