Der Absatz von Fahrrädern mit Elektromotor wächst kräftig, im vergangenen Jahr wurden hierzulande rund 310.000 Stück verkauft. Allerdings fährt die große Mehrheit noch mit reiner Muskelkraft. So mancher reagiert bisweilen überrascht, wenn er von einem Elektrofahrrad überholt wird. Erst Recht auf einem Radweg. Und auch die Fahrer selbst haben Fragen. Darf man mit einem Pedelec überhaupt hier fahren? Besteht Helmpflicht?

Die Antworten sind nicht ganz eindeutig. Denn zunächst muss geklärt werden, ob das Zweirad noch ein Fahrrad ist. Grundsätzlich haben Elektrofahrräder entweder in der Vorderrad- beziehungsweise Hinterradnabe oder im Tretlager einen mit Strom betriebenen Motor. Doch entscheidend ist die Bauart – und hier gehen die Begriffe teils wild durcheinander: Die einen sprechen von E-Bikes, wenn sie generell Fahrräder mit Elektromotor meinen. Andere gebrauchen diese Bezeichnung, wie hier im Artikel, als Bezeichnung für ganz bestimmte Räder mit Motor. Dann liest man oft auch von sogenannten S-Pedelecs, die offenkundig etwas anderes sind als Pedelecs.

Als Fahrrad im eigentlichen Sinne gilt nur das Pedelec . Sein Elektromotor hat eine Leistung von maximal 250 Watt und unterstützt den Fahrer, wenn dieser auch selbst Muskelkraft aufwendet. Zudem hilft der Motor lediglich bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h mit. Wer schneller fahren will, muss in die Pedale treten. Mit einem solchen Fahrrad darf man ausgeschilderte Radwege benutzen und auch helmfrei fahren. Experten raten aber dazu, den Kopf zu schützen. Pedelecs haben auch kein Versicherungskennzeichen, außerdem gibt es keine Altersbeschränkung.

Diese Regeln gelten auch für Pedelecs mit Anfahr- oder Schiebehilfe – mit einer Ausnahme: Da die Anfahrhilfe dem Zweirad auch ohne Tritt in die Pedale einen Schub von bis zu 6 km/h gibt, schreibt der Gesetzgeber vor, dass Fahrer, die nach dem 1. April 1965 geboren wurden, eine Prüfbescheinigung für Mofas haben müssen. Die ist ab einem Alter von 15 Jahren zu bekommen, im Führerschein der Klasse B (Pkw) ist sie integriert. Ansonsten sind diese Räder mit Anfahrhilfe mit den Pedelecs identisch: Ihr maximal 250 Watt starker Motor hilft bis zu 25 km/h mit, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

Diskussion um Helmpflicht

Stärker ist dagegen das Triebwerk der schnellen Pedelecs, oft nur kurz S-Pedelecs genannt. Ihr Motor darf bis zu 500 Watt haben, er unterstützt den tretenden Radfahrer bis zu einem Tempo von 45 km/h. Daher ist ein S-Pedelec für den Gesetzgeber gar kein Fahrrad mehr, sondern ein Kleinkraftrad, also ein Leichtmofa. Die Folge: Der Hersteller benötigt eine Betriebserlaubnis des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg , der Besitzer muss sein Gefährt versichern und erhält dann ein Versicherungskennzeichen. Zudem schreibt der Gesetzgeber die Mofa-Prüfbescheinigung für Fahrer vor, die nach dem 1. April 1965 geboren sind.

Widersprüchliche Informationen erhält man allerdings, wenn man nach der Helmpflicht für S-Pedelecs fragt. Fragt man beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) oder dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), erhält man zur Antwort: Eine Helmpflicht bestehe für diese Radkategorie nicht, auch wenn dazu geraten wird. Im Bundesverkehrsministerium werde aber über einen Tragezwang nachgedacht.

Dieser Darstellung widerspricht das Ministerium ausdrücklich: Ein schnelles Pedelec mit Motorunterstützung bis 45 km/h sei ganz eindeutig eine Art Mofa, sagt ein Sprecher. Also müsse ein Helm auf den Kopf – und zwar kein normaler Fahrradhelm. Solche seien für S-Pedelecs nicht ausreichend, es müsse ein Kopfschutz sein, wie ihn etwa Vespa-Fahrer tragen. Sonst verstoße der Pedelec-Nutzer gegen Paragraf 21a der Straßenverkehrsordnung .

Versicherungsschutz für Pedelecs klären

Doch als so klar empfinden nicht alle Beteiligten die Rechtslage. Strittig ist die Auslegung einer Formulierung in dem Paragrafen: Er schreibt die Helmpflicht nur für das Fahren von Krafträdern "mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h" vor. Aus Sicht der Hersteller fallen S-Pedelecs nicht darunter: Die damit maximal möglichen 45 km/h seien nicht bauartbedingt, ohne die Muskelkraft läge das Höchsttempo bei höchstens den erlaubten 20 km/h.

Die Sprecherin des ADFC, Bettina Cibulski, sieht das Verkehrsministerium in der Pflicht, die Straßenverkehrsordnung zu präzisieren. "Wir brauchen klare Regeln, für welche Fahrräder was gilt, sonst werden die Verbraucher völlig verunsichert." Allzu groß ist das Problem allerdings nicht. Die schnellen Pedelecs sind nicht mehr als eine Nische, ihre Verkäufe machen nur wenige Prozent des gesamten Elektrofahrrad-Absatzes aus.

Unumstritten ist dagegen: Mit dem S-Pedelec darf man nicht auf dem Radweg fahren – es sei denn, die Beschilderung hat den Zusatz "Mofas frei". Verbietet ein Schild das Befahren mit Motorkrafträdern ausdrücklich, müssen S-Pedelec-Fahrer einen Umweg machen. Gleiches gilt für Fußgängerzonen, die für Radfahrer freigegeben sind, oder für Einbahnstraßen, die Radfahrer in der Gegenrichtung befahren dürfen: Die Erlaubnis gilt auch für Pedelecs, nicht aber für S-Pedelecs.

Kein Kindersitz aufs E-Bike

Erst recht kein Fahrrad mehr sind die E-Bikes im engeren Sinn. Sie unterscheiden sich von den bisher beschriebenen Zweirädern dadurch, dass der Elektromotor – ebenfalls maximal 500 Watt stark – das Rad auch ohne die eigene Kraft des Fahrers auf Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h antreibt. Solche E-Bikes haben dann entweder einen Knopf oder einen Drehgriff zum Betrieb des Motors.

Anders als auf einem Mofa kann der Fahrer zusätzlich in die Pedale treten und so ein höheres Tempo erreichen. Auch für diese E-Bikes benötigt man ein Versicherungskennzeichen, weil sie in die Kategorie der Kleinkrafträder fallen. Der Fahrer braucht außerdem mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung und muss sich von Radwegen fernhalten. Auch hier ist die Helmfrage umstritten. Zu empfehlen ist der Kopfschutz natürlich auch bei diesen Fahrzeugen. Kindersitze und -anhänger dürfen ans E-Bike nicht angebracht werden.

Die schnellen Pedelecs und E-Bikes sind versicherungspflichtig, damit ist der Unfallschutz geregelt. Ansonsten sollten Besitzer bei ihrer privaten Haftpflichtversicherung klären, ob ihr Elektrofahrrad von ihrer Police abgedeckt ist, rät der ADAC . Die Klärung sei insbesondere bei den Pedelecs mit Anfahrhilfe wichtig, da diese streng genommen Kraftfahrzeuge seien. "Die Haftpflichtversicherung zahlt bei einem selbstverschuldeten Unfall nur dann, wenn sich der Versicherungsschutz auch hierauf erstreckt", sagt ADAC-Expertin Bettina Hierath. Pedelecs sollten explizit eingeschlossen sein.