Doch als so klar empfinden nicht alle Beteiligten die Rechtslage. Strittig ist die Auslegung einer Formulierung in dem Paragrafen: Er schreibt die Helmpflicht nur für das Fahren von Krafträdern "mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h" vor. Aus Sicht der Hersteller fallen S-Pedelecs nicht darunter: Die damit maximal möglichen 45 km/h seien nicht bauartbedingt, ohne die Muskelkraft läge das Höchsttempo bei höchstens den erlaubten 20 km/h.

Die Sprecherin des ADFC, Bettina Cibulski, sieht das Verkehrsministerium in der Pflicht, die Straßenverkehrsordnung zu präzisieren. "Wir brauchen klare Regeln, für welche Fahrräder was gilt, sonst werden die Verbraucher völlig verunsichert." Allzu groß ist das Problem allerdings nicht. Die schnellen Pedelecs sind nicht mehr als eine Nische, ihre Verkäufe machen nur wenige Prozent des gesamten Elektrofahrrad-Absatzes aus.

Unumstritten ist dagegen: Mit dem S-Pedelec darf man nicht auf dem Radweg fahren – es sei denn, die Beschilderung hat den Zusatz "Mofas frei". Verbietet ein Schild das Befahren mit Motorkrafträdern ausdrücklich, müssen S-Pedelec-Fahrer einen Umweg machen. Gleiches gilt für Fußgängerzonen, die für Radfahrer freigegeben sind, oder für Einbahnstraßen, die Radfahrer in der Gegenrichtung befahren dürfen: Die Erlaubnis gilt auch für Pedelecs, nicht aber für S-Pedelecs.

Kein Kindersitz aufs E-Bike

Erst recht kein Fahrrad mehr sind die E-Bikes im engeren Sinn. Sie unterscheiden sich von den bisher beschriebenen Zweirädern dadurch, dass der Elektromotor – ebenfalls maximal 500 Watt stark – das Rad auch ohne die eigene Kraft des Fahrers auf Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h antreibt. Solche E-Bikes haben dann entweder einen Knopf oder einen Drehgriff zum Betrieb des Motors.

Anders als auf einem Mofa kann der Fahrer zusätzlich in die Pedale treten und so ein höheres Tempo erreichen. Auch für diese E-Bikes benötigt man ein Versicherungskennzeichen, weil sie in die Kategorie der Kleinkrafträder fallen. Der Fahrer braucht außerdem mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung und muss sich von Radwegen fernhalten. Auch hier ist die Helmfrage umstritten. Zu empfehlen ist der Kopfschutz natürlich auch bei diesen Fahrzeugen. Kindersitze und -anhänger dürfen ans E-Bike nicht angebracht werden.

Die schnellen Pedelecs und E-Bikes sind versicherungspflichtig, damit ist der Unfallschutz geregelt. Ansonsten sollten Besitzer bei ihrer privaten Haftpflichtversicherung klären, ob ihr Elektrofahrrad von ihrer Police abgedeckt ist, rät der ADAC . Die Klärung sei insbesondere bei den Pedelecs mit Anfahrhilfe wichtig, da diese streng genommen Kraftfahrzeuge seien. "Die Haftpflichtversicherung zahlt bei einem selbstverschuldeten Unfall nur dann, wenn sich der Versicherungsschutz auch hierauf erstreckt", sagt ADAC-Expertin Bettina Hierath. Pedelecs sollten explizit eingeschlossen sein.