EurobikeSpezialräder, unter Strom gesetzt

Vom Lasten- bis zum Liegerad: Der gefragte Elektroantrieb findet sich in immer mehr Fahrradtypen, wie die Weltleitmesse Eurobike zeigt. von Andrea Reidl

Radfahren boomt, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Euro-Krise. Entsprechend zuversichtlich gibt sich die Branche zurzeit auf ihrer Weltleitmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee . Zwar sind die Verkaufszahlen im deutschen Handel aufgrund des schlechten Wetters von April bis Juni um 2,1 Prozent leicht zurückgegangen, doch der Export nimmt zu, und auch die Nachfrage nach Pedelecs und E-Bikes steigt kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden 310.000 Stück verkauft, in diesem Jahr sollen es 100.000 mehr sein.

Das erfreut die Hersteller, denn elektrisch angetriebene Fahrräder sind oft eher hochpreisig. Für ein solides E-Bike zahlt der Kunde 1.700 bis 2.000 Euro. Für besondere Räder gerne mehr. Speziallösungen sind gerade im Kommen, wie der erste Messeeindruck zeigt: Die Entwickler haben die E-Technologie auf sämtliche Sparten angewandt und bringen nun sehr spezialisierte Produkte auf den Markt.

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Der Darmstädter Hersteller Riese & Müller etwa hat gleich zwei sehr unterschiedliche Lasten-Pedelecs im Angebot, kombiniert also den Elektroantrieb mit dem praktischen Transportdesign. "In Darmstadt nutzen viele junge Familien Lastenräder, um ihre Kinder zur Kita zu bringen oder ihre Einkäufe zu erledigen", sagt Martin Hess von R&M. Das gilt sicher nicht nur für die südhessische Universitätsstadt. Das Unternehmen will den Trend deutschlandweit vorantreiben.

Liegerad mit Motorunterstützung

Vorbild für das Modell Load hybrid war der Urtyp des Lastenrads, der Long John. Bei ihm befindet sich zwischen den beiden Laufrädern die tiefe Ladefläche. Die Entwickler haben die Rahmengeometrie leicht verändert, das Rad voll gefedert, mit einer stufenlosen Getriebenabe versehen und den Rahmen teilbar gemacht. Damit lässt es sich problemlos im Schuppen oder im Keller verstauen. Mit einem Boschmotor ausgestattet ist es ein stabiles Zugpferd, das bis zu 200 Kilogramm Gepäck transportieren kann.

Anders als das Load hybrid schultert das blueLabel Transporter Hybrid seine Last auf dem Heck. Das Rad hat einen verlängerten Rahmen mit einem extrem langen Gepäckträger. Dort können zwei Kindersitze hintereinander montiert werden, wahlweise auch vier Packtaschen oder Getränkekisten. "Das ist erlaubt", betont Unternehmenssprecher Tobias Spindler. Angedacht ist außerdem eine Surfbretthalterung. Mit diesen Accessoires, dem schlichten Design, aber auch den beiden Farben der Räder – limettengrün und betongrau – ist die Zielgruppe klar definiert: jung, hip, trendig.

Eher die Altersklasse 40plus und die Gruppe der Viel- und Genussfahrer dürfte dagegen HP Velotechnik mit dem Scorpion fs 26 S-Pedelec ansprechen. Das motorisierte Liegedreirad ist ein schnelles E-Bike, das bis zu 45 km/h fahren kann und daher unter der Bezeichnung S-Pedelec läuft. Zugleich ist es das erste voll gefederte Trike der Welt.

Das Besondere an diesem Rad ist seine Konstruktion. Sein Fahrwerkkonzept entstammt dem Automobilbau. "Das Stabilisatorsystem sowie die Einzelradaufhängung sorgen für eine sichere Straßenlage, selbst wenn man schnell in Kurven fährt", sagt Geschäftsführer Paul Hollants. Die braucht das Trike, denn es ist sowohl für Fahrten im Stadtverkehr ausgelegt als auch für Touren in den Bergen. Anders als auf dem Zweirad wird man beim Trike in den Kurven richtig in den Sitz gedrückt. Dabei entsteht ein Fahrgefühl, das eher ans Kartfahren als ans Radfahren erinnert.

Leserkommentare
  1. 1. leider

    kann ich in diesem jahr nicht zur eurobike.

    die mischung aus sinkenden einkommen, ökologischem und gesundheitsbewusstsein, steigenden spritpreisen, schlechter und teurer werdenden öpnv, fehlenden parkmöglichkeiten, neuerdings auch hipstercoolness und dem daraus folgenden massiven anstieg des radverkehrs überrollt herrn ramsauer von allen seiten.

    egal, ob mit oder ohne "rückenwind".

    da nützen auch keine kampfradler-hetzkampagnen mehr.

    > http://commonman.de/wp/?page_id=2214

  2. der ließe sich so gestalten, dass da noch eine Batteriereserve wäre.
    Gilt übrigens für alle Fahrzeuge.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Akkupacks gibt es nach Maß, etwas flexible Leitung, ein paar wasserdichte Mil-Steckverbindungen, etwas rechnen und löten.
    Es kann losgehen.

  3. Die Preise werden der Grund sein. So gute Schlösser gibt es noch nicht.

  4. Ich merk irgendwie nichts von einem Radfahrboom. Die Fahrradparkplätze oder einschlägigen Ausflugsorte sind nicht wirklich voller als sonst. Sicher sind einige aufs Pedelec umgestiegen, aber halt umgestiegen, nicht als Radler neu hinzugekommen.

  5. Meiner Meinung Nach wird der innerstädtische Individualverkehr der Zukunft aus Elektroautos (insbesondere Carsharing-Modellen), Elektrorollern, E-Bikes und normalen Fahrrädern bestehen.
    Überwachte E-Bike-Parkplätze oder Boxen könnten eine Maßnahme gegen Diebstahl sein.
    Vielleicht könnte die derzeitige Berliner Umweltzone (innerhalb des S-Bahnrings) in ein paar Jahren nur noch mit einer E-Plakette befahren werden... Wir werden sehen

  6. Mich nervt dieser Hype um den E-Scheiß.
    Wenn man im Voralpenland mehr als 60km am Stück unterwegs ist, haben diese sog. Mitfahrer eh keine Chance. Die sitzen dann schon lang in der Wirtschaft und laden ihren Knecht auf damit sie wieder heimkommen.
    Diese E-Bikes, Pedelecs etc. ähneln mehr und mehr meiner EXPRESS 98 Bj. 1949, wobei die noch Fahrbereit ist. Während diese sog. Hightechgeräte spätestens in 10 Jahren im Wertstoffhof aufs Recyceln warten werden. Um seltene Erden zurück zu gewinnen, und weil die eingelöteten, defekten Microprozessoren nicht ersetzt werden können.
    Lasten-E-Bike, ich hänge den Anhänger an meine EXPRESS und los gehts.
    Wo sind die Abstellplätze für diese Baustahlfahrzeuge?
    Bei uns im Altbau geht das nicht, schon gar nicht in der Hofeinfahrt wg. Feuerwehrzufahrt. Auf dem Gehweg ist es auch verboten, dann braucht man vorallem für 40ziger Pedelecs mit Kennzeichen eine Parklizenz, es gibt aber nur eine pro Haushalt?
    Die Zielgruppe wird es wohl nicht schaffen diese 25kg+Brummer in den Fahrradkeller zu wuchten, geschweige denn in unsere Abstellanlage zu stellen.
    Dieser Unsinn wird so lange anhalten bis die Akkus in großer Zahl verrecken und ersetzt werden müssen.

  7. Akkupacks gibt es nach Maß, etwas flexible Leitung, ein paar wasserdichte Mil-Steckverbindungen, etwas rechnen und löten.
    Es kann losgehen.

  8. und über 30.000 km Arbeitsweg auf dem Pedelec kann ich sagen: das ist genial! Leider wird unsere Regierung noch versuchen mit einigen Milliarden Euro an die Autoindustrie den Erfolg zu verzögern.

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