Straßenverkehr : Fahrradautobahnen für Pendler

Das Fahrrad-Vorbild Kopenhagen will seinen Radfahrer-Anteil weiter erhöhen. Neue Schnellwege sollen in den Vororten die Lust wecken, ins Zentrum zu radeln.
Fahrradweg in Kopenhagen © Andrea Reidl

Ein Radschnellweg von Kopenhagen nach Albertslund? Nie davon gehört! Die Dänen, die wir an diesem Morgen nach dem Weg zu Kopenhagens neuem Superradweg fragen, wissen nichts von dem sogenannten Cykelsuperstier , der im Frühjahr eröffnet wurde. Dabei ist er keine 500 Meter entfernt. Aber zehn Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt gibt es nur wenige Radler. Das wissen die Politiker und wollen es ändern.

Kopenhagen gilt seit ein paar Jahren als eine der hipsten Fahrradmetropolen der Welt . Jeder zweite Stadtbewohner nutzt für die Strecken im Zentrum das Velo. Radfahren ist hier chic, sicher, einfach und schnell. Ganz anders ist die Lage in den Vororten: Von dort fahren die Pendler zum größten Teil mit dem Auto in die Innenstadt.

Um das zu ändern, wird in den kommenden Jahren ein umfassendes Radwegenetz gebaut. 26 breite Schnellstraßen sollen dann die Außenbezirke mit dem Zentrum verbinden. Die Pilotstrecke, der C99, wurde im April eingeweiht.

300 Kilometer Wegenetz geplant

Hat man den C99 erst einmal gefunden, führt er seinen Fahrer mit Sicherheit ans Ziel. Die Planer haben einen faustbreiten rot-orangefarbenen Streifen auf den glatten Asphalt pinseln lassen. Er markiert als Leitlinie den 17 Kilometer langen Weg von Kopenhagens Szene-Stadtteil Vesterbro in den Vorort Albertslund.

Geht es nach den Verkehrsplanern, pendeln hier in spätestens drei Jahren täglich Hunderte von Radfahrern zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. "Seit April ist der Anteil der Radfahrer auf dieser Route bereits deutlich gestiegen", sagt Kristine Liljenberg, Mitarbeiterin vom Radsekretariat Cykelsuperstier der Stadt Kopenhagen. Genaue Zahlen kennt sie noch nicht. Dafür ist das Projekt zu jung.

Wichtiger als jede Prozentzahl ist den Radlobbyisten zunächst die Signalwirkung dieser Fahrradstraßen. "Entscheidend ist, dass Radfahrer auf ihren Fahrbahnen die gleichen Vorzüge genießen wie Autofahrer", sagt Frits Bredal vom Dänischen Fahrradverband. Im Zentrum ist das bereits seit Jahrzehnten Standard. Dort sind die Radspuren bis zu vier Meter breit, sie verlaufen durchgehend, hindernisfrei und sind klar von den Kraftfahrzeugspuren getrennt.

Diese Rahmenbedingungen sollen auch in den Vororten selbstverständlich werden. Der Grund ist simpel: " Wir wollen dort den Autoverkehr reduzieren, um die Staus zu verringern ", sagt Kristine Liljenberg. Deshalb haben sich vor einigen Jahren 22 Kommunen aus Kopenhagens Umland zusammengeschlossen und ein Radsekretariat für die Cykelsuperstiers gegründet. Dessen Mitarbeiter planen mit den Kommunen und der Stadt Kopenhagen das 300 Kilometer umfassende Radwegenetz.

Kommentare

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Zauberhaft

Es wäre schön, wenn sich deutsche Politiker mal fortbildungsmäßig auf eine Exkursion nach Kopenhagen begeben würden, um die praktische Umsetzung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik zu studieren und entsprechende Anregungen wieder mit nach Hause zu bringen und auch umzusetzen.

Stattdessen gängelt man hier die Radfahrer mit benutzungspflichtigen, aber lebensgefährlichen Radwegen, mit engstirnigen Vorschriften über die Stromquelle der Beleuchtung, mit der immer wieder aufgewärmten Helmpflichtdebatte und schlussendlich, durch den Bundesverkehrsminister persönlich, mit pauschalen Diffamierungen und Beleidigungen.

Dabei könnte die Lebensqualität in vielen Städten und Gemeinden durch bessere Radinfrastruktur deutlich gesteigert werden. Je mehr Einwohner ihre Autowege zugunsten des Rads reduzieren, desto weniger Staus quälen sich durch die Städte, desto weniger Parkplatzmangel in der City, dafür sind die Leute fitter und haben - bei einem umfassenden Autoverzicht - mehr Geld in der Tasche.

Also, liebe Verkehrsminister und -senatoren, liebe Ämter für Verkehr oder wie ihr in den Städten heißt - auf nach Kopenhagen, und hernach die Anregungen fleißig umsetzen!

Warum gibt es solche Systeme hier (noch) nicht?

Wird das "Vorreiterland Deutschland" in dieser Hinsicht tatsächlich durch die mentale Blockierhaltung ausgebremst?

Sämtliche Radweg-Probleme könnten ohne größeren Aufwand beseitigt werden (z.B. Gefahr durch überhohe Geschwindigkeit durch Begrenzungen, etc.). Dass Werks- oder Lieferverkehr natürlich weiterhin auf "echte" Straßen angewiesen ist ergibt sich natürlich von selbst. Doch wie groß ist denn dieser Anteil auf Großstadt's Straßen im Vergleich zu privaten Pkw schon?

"Jede sechste Familie hat ein Lastenrad. Damit transportiert sie den Wocheneinkauf, die Kinder oder sperrige Teile wie Matratzen oder Holzlatten."

Meiner Meinung nach eine absolut gelungene Idee. Ökologischer, gesünder und nachhaltiger geht es wohl kaum!

In Remscheid ist dies nicht besser.

Nur hat man sich in letzter Zeit auf stillgelegte Bahntrassen besonnen und diese für Radfahrer, Inlineskater, u.s.w., hergerichtet. War nicht einfach. Da wurden die Zuständigkeiten zwischen Bahn, Stadt, Land, hin und hergeschoben. Jetzt wo's fertig ist und alle sind begeistert, denkt man über weitere alte Bahnstrecken nach, diese auch so herzurichten. Davon gibt es im bergischen Land jede Menge. Man könnte so die alten Verbindungen, die es reichlich gegeben hat, wieder aktivieren und mit neuem Leben erfüllen und dies sehr Umweltfreundlich und Naturnah!!!

Liegt es an der deutschen Autolobby?

In Deutschland hat man als Radfahrer (immer noch) das Gefühl, man gilt als unerwünschte Konkurrenz auf der Straße.

Auf dem Land gibt es wunderschöne Radwanderwege. Doch in den Innenstädten sieht es größtenteils katastrophal aus. Entweder wurde noch nie über Radfahrer nachgedacht, oder man bekommt eine 70 Zentimeter "breite" Spur oder man fährt auf Radwegen, die einem alpinen Hochwanderweg entsprechen. Baumwurzeln inklusive Stolperfallen, Büsche die weit in die Spur herein ragen, Schlaglöcher und mancherorts ein Scherbenmeer aus zerborstenen Flaschen.

Auf deutschen Straßen herrscht grundsätzlich Krieg. Entspannte Autofahrer sind eine Seltenheit. Und nun kommen auch noch die aggressiven Radfahrer hinzu. Die Todeszahlen um Straßenverkehr werden (wieder) steigen. Unweigerlich. Außer man gibt den Radfahrern endlich umfassend mehr Platz auf der Straße. Und es braucht dringend eine andere Verkehrspolitik, die von dieser autogeilen Stimmung weg kommt.

Toll...

eine großartige Entscheidung, die Stadt lebenswerter zu machen. Man benötigt schlichtweg kein Auto mehr. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ordentlich angebunden, Fahrradmitnahme ist meistens kostenlos erlaubt. Sobald es praktischer ist, ein Fahrrad zu benutzen, steigen mehr und mehr Menschen aufs Rad. Natürlich gibt es noch genügend Menschen, die älter, gebrechlich, krank etc. sind, denen das Auto gar nicht madig gemacht werden soll, weil es dort sinnvoll ist. Aber für alle anderen kann ein derartig ausgebautes Radwegsystem nur ein Gewinn sein. Niemand wird gezwungen aufs Rad zu steigen, aber wenn ich sicher einen Parkplatz finde, schnell in der Stadt bin und dann mit einem Lastenfahrrad auch noch alles transportieren kann, warum soll ich dann noch Auto fahren?
Ich finde Kopenhagen als Stadt und insbesondere die Art und Weise der dortigen Fortbewegung höchst spannend. Was zum abschauen und zum nachmachen!!
Letzendlich sind es politische Entscheidungen, die derartige Entwicklungen ermöglichen und damit meist eine Frage des Wollens und nicht des Könnens.