Wer mehr als eine symbolische Geste erwartet hatte, wurde enttäuscht. Doch selbst solche Gesten können politisch angezeigt sein, wenn 65 Prozent der Bevölkerung die Kraftstoffpreise für unangemessen hoch halten und der im Mai gewählte Präsident nun einmal versprochen hat, die mittleren und unteren sozialen Schichten finanziell zu entlasten. Deshalb hat die französische Regierung nach Verhandlungen mit den Ölkonzernen nun angekündigt, der Liter Superbenzin beziehungsweise Diesel koste in den nächsten drei Monaten bis zu sechs Cent weniger. Die Ölkonzerne erklärten sich überraschend bereit, "die Regierung bei ihrer Anstrengung zu begleiten". So jedenfalls sagte es vollmundig Jean-Louis Schilansky, der Vorsitzende des französischen Mineralölverbands Ufip.

Bei genauer Betrachtung fallen allerdings gleich mehrere Dinge auf. Gemessen am durchschnittlichen Monatsverbrauch – 47 Liter für Benziner, 84 Liter für Dieselfahrzeuge – beschränkt sich die monatliche Ersparnis auf maximal 3,42 Euro beziehungsweise 5,04 Euro. In den drei Monaten der geplanten Laufzeit kämen also 10 bis 15 Euro zusammen. Die "gute Nachricht für die Kaufkraft der Franzosen", wie Wirtschaftsminister Pierre Moscovici den Vorstoß verstanden wissen wollte, wird deshalb die Geldbeutel der Franzosen nicht merklich füllen.

Zumal die ersten Kontrollen an den Zapfsäulen sehr viel geringere Preissenkungen ergaben. Der französische Ölkonzern Total etwa wollte an seinen innerstädtischen Tankstellen den Sprit um zwei Cent pro Liter verbilligen, auf den Autobahnen – wo die Preise für gewöhnlich höher sind – um drei Cent. Die großen Supermarktketten kündigten für ihre Tankstellen Nachlässe zwischen 1 und 3 Cent an. Und die Pächter freier Tankstellen sehen sich überhaupt nicht in der Lage, ihre bereits knapp berechneten Preise zu senken.

Überhaupt sprach Mineralöl-Präsident Schilansky nicht von den Ölkonzernen, als er darum bat, "keine Wunder" zu erwarten. Die Rede war allein von den Tankstellen. Bei Lizenzgebühren von acht bis neun Cent pro Liter hätten die vielleicht gerade einmal einen Spielraum von einem Cent, warb er um Verständnis.

Dieses enge Korsett bestätigt Nicolas Mouchnilo, beim Verbraucherverband UFC Que Choisir für die Themen Energie und Umwelt zuständig. "Es ist sogar schlimmer", warnt er. "Wenn die Tankstellenpächter gezwungen werden, ihre Margen zu verringern, droht das Risiko, dass einige gar keinen Kraftstoff mehr anbieten werden. Das verringert die Konkurrenz, und die Preise werden so mittelfristig steigen."

Da, wo die Ölkonzerne den Verbrauchern nämlich wirklich entgegen kommen könnten, tut sich nichts: bei der Differenz zwischen den Produktionskosten und den Preisen für die raffinierten Endprodukte. "Die Raffinerie-Margen sind bei Diesel in einem Jahr um 50 Prozent gestiegen und bei Benzin um 100 Prozent", sagt Mouchnilo. "Der Verbraucher bezahlt dafür heute pro Liter Diesel 15 Cent und bei Benzin 8 Cent."