AsphaltGummibelag gegen Straßenlärm

Um Verkehrslärm zu dämpfen, testen Forscher erstmals elastische Schichten im Asphalt. So soll der Verkehrslärm gut um die Hälfte reduziert werden. von Susanne Kilimann

Ingenieure testen in Hamburg einen neuartigen Straßenbelag.

Ingenieure testen in Hamburg einen neuartigen Straßenbelag.  |  © press-inform

Trittschalldämmung für die Straße: In Hamburg läuft derzeit ein Pilotversuch mit einer völlig neuartigen Asphaltkonstruktion. Ziel ist eine Lärmminderung durch einen neuartigen Asphalt. Während bislang immer nur die Eigenschaften der obersten Asphaltschicht verändert wurden, um die Abrollgeräusche der Autoreifen zu verringern, haben sich die Ingenieure jetzt erstmals die tieferen Schichten der Fahrbahn vorgenommen.

"Unter einem Fahrbahnbelag aus konventionellem Asphalt haben wir verschiedene elastische Schichten verlegt", erklärt Projektleiter Manfred Hase von der Hansa-Nord-Labor GmbH, einer Pinneberger Prüfgesellschaft, die im Verbund mit Universitäten und Industrieunternehmen an dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt Neuartige Konstruktionen mit geräuschmindernder Wirkung beteiligt ist.

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"Die elastischen Materialien, die dabei eingesetzt werden, nehmen die dynamischen Kräfte auf, die das fahrende Fahrzeug auf den Untergrund bringt", erläutert Hase. "Auf normalem Asphalt gelangen diese Kräfte aus den tieferen Schichten der Fahrbahn an die oberste Asphaltschicht zurück. Sie übertragen sich auf den Fahrzeugreifen, versetzten den Reifen samt seiner Profilblöcke in Vibration – und die wird als Lärm wahrgenommen." Die Ingenieure wollen mit ihrem Ansatz die Schwingung im Inneren der Fahrbahn halten. Das soll den Lärmpegel deutlich reduzieren.

Halb so lauter Straßenbelag

Auf einem 800 Meter langen Teilstück der Nansenstraße, einer schmalen Asphaltbahn im Altonaer Volkspark, wurden nun neun Testfelder eingerichtet. Hier testen die Forscher verschiedene Dämmmaterialien und Konstruktionssysteme. "Auf einem Abschnitt haben wir Gummimatten verlegt. Die hat uns ein Unternehmen geliefert, das auch das Dämmmaterial für Tartanbahnen auf Leichtathletikplätzen herstellt", sagt Hase. Bei anderen Testvarianten wurden die für Asphalt verwendeten Gesteinskörner in der inneren Fahrbahnschicht zum Teil durch Gummigranulat ersetzt. Auch das bringt schon eine Lärmreduzierung.

In einem weiteren Testabschnitt probieren die Entwickler gleich mehrere Schichten Gummigranulat aus, die mit dem Asphaltbindemittel Bitumen gefüllt sind. "Auf diese Weise haben wir eine Art Gummipolster in die Fahrbahn gesetzt", sagt der Projektleiter.

Welche Testvariante die größte Lärmminderung bringt, werden die Datenauswertungen in den kommenden Wochen zeigen. "Wir erwarten, dass sich der Geräuschpegel um drei bis vier Dezibel reduziert", sagt Oliver Ripke, Experte für Fahrbahnbelag bei der Bundesanstalt für Straßenwesen, die das Projekt betreut. Eine Verminderung in dieser Größenordnung würde für das menschliche Ohr etwa halb so viel Lärm bedeuten. 

Leserkommentare
    • Leiwond
    • 15. August 2012 18:29 Uhr

    Wie wär's denn mit einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130Km/h? Kostet gar nix und die Autobahnen werden bestimmt um mehr als 3db leiser. Bonzen und Politiker zahlen dann eine fette Raserpauschale und dürfen sich dann dafür bis an die Grenzen der Leistungsabregelung ihrer Protzkarossen fahren.

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    • pekir
    • 15. August 2012 18:55 Uhr

    Eigentlich verblüffend, dass so intelligente Vorschläge zwar schon seit Jahren auf dem Tisch liegen (zumal sich damit ja viele andere Vorteile verbinden) aber keine Chance auf Realisierung haben. Freie Fahrt für freie Bürger - laut und frei auf freien Straßen, zumindest wenn kein Stau droht. Stattdessen wird für sportliche Straßenrenner von fleißigen Ingenieuren auf Druck der Verkaufsabteilung der passende Sound kreiert. Dass der Vorteil einer Geschwindigkeitsreduzierung den Verantwortlichen bekannt ist zeigen ja schließlich in den Städten die vielen Schilder, die Tempo 30 in den Nachtstunden anordnen.

    sicherlich viele Gründe für sinnlose Raserei, aber wenn es darum geht wichtige Termine wahrzunehmen o.Ä geht es manchmal nicht anders als mit 160km/h zu fahren. Das Problem liegt bei der viel zu geringen Beschleunigung vieler Autos, die beim Überholmanöver von LKWs den ganzen Verkehrsfluss bremsen.

    und sonstige Straßen - auch bei 30-50km/h sind die Abrollgeräusche laut. Ihr angeregtes Tempolimit würde ggf. die Wind- und Motorengeräusche mindern, mehr kaum...

    ...dass in erster Linie Autobahnen Ziel dieser Entwicklung sind. Wohl eher Bundesstraßen durch bewohnte Gebiete uä. und Autobahnen die an bewohntem Gebiet vorbeiführen haben meist sowieso Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Schallschutzwände (da an Autobahnen idR genug Platz für sowas ist).

    Was dem Ami sein Waffengesetz, ist dem deutschen seine Autobahn...

    der die diversen Ausnahmegenehmigungen für "Oregenol"-Schalldämpfer an amerikanischen Motorrädern einkassieren würde,

    ja, dann würde es im deutschen Straßenverkehr bedeutend leise.

    Vielleicht auch irgendwann so leise, dass man die segensreichen Auswirkungen der elastischen Schichten im Asphalt wahrnehmen würde.

    Ein sehr würdevolles Posting...

    • 15thMD
    • 16. August 2012 0:53 Uhr

    Man kann ja mit vielen Argumenten ein Tempolimit begründen oder ablehnen, aber Lärm ist sicher ein sehr schwaches. Für deisen sind vor allem auf AUtobahnen vornehmlich die LKWs verantwortlich und denen ist die Geschwindigkeit der Autos relativ egal.

    • pekir
    • 15. August 2012 18:55 Uhr

    Eigentlich verblüffend, dass so intelligente Vorschläge zwar schon seit Jahren auf dem Tisch liegen (zumal sich damit ja viele andere Vorteile verbinden) aber keine Chance auf Realisierung haben. Freie Fahrt für freie Bürger - laut und frei auf freien Straßen, zumindest wenn kein Stau droht. Stattdessen wird für sportliche Straßenrenner von fleißigen Ingenieuren auf Druck der Verkaufsabteilung der passende Sound kreiert. Dass der Vorteil einer Geschwindigkeitsreduzierung den Verantwortlichen bekannt ist zeigen ja schließlich in den Städten die vielen Schilder, die Tempo 30 in den Nachtstunden anordnen.

    Antwort auf "Dolle Idee!"
  1. Habe hier auch so eine Teststrecke mit Flüsterasphalt vor der Tür. Innnerhalb einer geschlossenen Ortschaft, erlaubt sind 50 km/h.

    Direkt neben einer 4-gleisigen Bahnlinie. Die Bahn ist natürlich viel lauter, wenn sie fährt.

    Steht man direkt an der Naht zwischen altem Asphalt und neuem Flüsterasphalt höhrt man wirklich keinen Unterschied.

  2. Der übliche Asphalt ist wie jeder thermoplastische Kunststoff sehr temperaturabhängig. Im Sommer hinterlassen die LKW ihre Reifenabdrücke, im Winter bricht er wegen Sprödigkeit ( Härte ).

    Wenn da jetzt so eine isolierende Gummischicht darunter kommt werden die Probleme noch größer. Weil dann von unten weniger Temperaturausgleich kommt.
    Die Luft in der Dämmschicht verstärkt die Isolierung noch.

    Weil im Winter die Straßenoberfläche weiter abkühlt, hält sich Schnee und Eis länger.
    Aber dann geht das Gejammer los.

  3. sicherlich viele Gründe für sinnlose Raserei, aber wenn es darum geht wichtige Termine wahrzunehmen o.Ä geht es manchmal nicht anders als mit 160km/h zu fahren. Das Problem liegt bei der viel zu geringen Beschleunigung vieler Autos, die beim Überholmanöver von LKWs den ganzen Verkehrsfluss bremsen.

    Antwort auf "Dolle Idee!"
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    ...sich "wichtige" Termine so zu legen, dass ein Erreichen des Zielortes möglich ist ohne fahrlässig das Leben anderer zu gefährden? Es kann ja wohl schwerlich das mangelhafte Zeitmanagement als Entschuldigung für verantwortungsloses Verhalten herhalten.

    Den schwarzen Peter dann schwächer motorisierten Verkehrsteilnehmern zuzuschieben ist dann auch recht billig. Fordern Sie eine Mindest-PS-Zahl von 100 oder wie stellen Sie sich das vor? Ich habe mal gelernt, wer ein Gas hat, hat auch eine Bremse...

    • Kiira
    • 15. August 2012 20:44 Uhr

    das die Lebensqualität nachweislich stark beeinträchtigt: Straßenlärm.

    Zur Zeit werden unzählige Milliarden verschwendet, um per CO2-Vermeidung die globale Durchschnittstemperatur um höchstens 0,0001 Grad in 100 Jahren weniger stark steigen zu lassen.

    Mit einem Bruchteil des Geldes könnte man für Millionen Menschen die Lärmbelastung halbieren und wirklich einen Gewinn an Lebensqualität erzielen.

    Machen!

  4. ...sich "wichtige" Termine so zu legen, dass ein Erreichen des Zielortes möglich ist ohne fahrlässig das Leben anderer zu gefährden? Es kann ja wohl schwerlich das mangelhafte Zeitmanagement als Entschuldigung für verantwortungsloses Verhalten herhalten.

    Den schwarzen Peter dann schwächer motorisierten Verkehrsteilnehmern zuzuschieben ist dann auch recht billig. Fordern Sie eine Mindest-PS-Zahl von 100 oder wie stellen Sie sich das vor? Ich habe mal gelernt, wer ein Gas hat, hat auch eine Bremse...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Es gibt"
  5. und sonstige Straßen - auch bei 30-50km/h sind die Abrollgeräusche laut. Ihr angeregtes Tempolimit würde ggf. die Wind- und Motorengeräusche mindern, mehr kaum...

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  • Schlagworte Straßenverkehr | Straßenbau | Verkehr | Lärm
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