Ingenieure testen in Hamburg einen neuartigen Straßenbelag. © press-inform

Trittschalldämmung für die Straße: In Hamburg läuft derzeit ein Pilotversuch mit einer völlig neuartigen Asphaltkonstruktion. Ziel ist eine Lärmminderung durch einen neuartigen Asphalt. Während bislang immer nur die Eigenschaften der obersten Asphaltschicht verändert wurden, um die Abrollgeräusche der Autoreifen zu verringern, haben sich die Ingenieure jetzt erstmals die tieferen Schichten der Fahrbahn vorgenommen.

"Unter einem Fahrbahnbelag aus konventionellem Asphalt haben wir verschiedene elastische Schichten verlegt", erklärt Projektleiter Manfred Hase von der Hansa-Nord-Labor GmbH, einer Pinneberger Prüfgesellschaft, die im Verbund mit Universitäten und Industrieunternehmen an dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt Neuartige Konstruktionen mit geräuschmindernder Wirkung beteiligt ist.

"Die elastischen Materialien, die dabei eingesetzt werden, nehmen die dynamischen Kräfte auf, die das fahrende Fahrzeug auf den Untergrund bringt", erläutert Hase. "Auf normalem Asphalt gelangen diese Kräfte aus den tieferen Schichten der Fahrbahn an die oberste Asphaltschicht zurück. Sie übertragen sich auf den Fahrzeugreifen, versetzten den Reifen samt seiner Profilblöcke in Vibration – und die wird als Lärm wahrgenommen." Die Ingenieure wollen mit ihrem Ansatz die Schwingung im Inneren der Fahrbahn halten. Das soll den Lärmpegel deutlich reduzieren.

Halb so lauter Straßenbelag

Auf einem 800 Meter langen Teilstück der Nansenstraße, einer schmalen Asphaltbahn im Altonaer Volkspark, wurden nun neun Testfelder eingerichtet. Hier testen die Forscher verschiedene Dämmmaterialien und Konstruktionssysteme. "Auf einem Abschnitt haben wir Gummimatten verlegt. Die hat uns ein Unternehmen geliefert, das auch das Dämmmaterial für Tartanbahnen auf Leichtathletikplätzen herstellt", sagt Hase. Bei anderen Testvarianten wurden die für Asphalt verwendeten Gesteinskörner in der inneren Fahrbahnschicht zum Teil durch Gummigranulat ersetzt. Auch das bringt schon eine Lärmreduzierung.

In einem weiteren Testabschnitt probieren die Entwickler gleich mehrere Schichten Gummigranulat aus, die mit dem Asphaltbindemittel Bitumen gefüllt sind. "Auf diese Weise haben wir eine Art Gummipolster in die Fahrbahn gesetzt", sagt der Projektleiter.

Welche Testvariante die größte Lärmminderung bringt, werden die Datenauswertungen in den kommenden Wochen zeigen. "Wir erwarten, dass sich der Geräuschpegel um drei bis vier Dezibel reduziert", sagt Oliver Ripke, Experte für Fahrbahnbelag bei der Bundesanstalt für Straßenwesen, die das Projekt betreut. Eine Verminderung in dieser Größenordnung würde für das menschliche Ohr etwa halb so viel Lärm bedeuten.