Auf dem Kick Trike lassen sich Getränkekisten transportieren. © press-inform

Die Aufmerksamkeit der Passanten ist Hans Constin jedes Mal sicher, wenn er mit seinem Elektrovehikel durch die Berliner Innenstadt fährt. Auf fast 30 km/h lässt sich der Protoptyp beschleunigen, mit dem der Erfinder vor allem Einkaufstouren zum Getränkehändler oder zum Wochenmarkt macht. Denn das Besondere an dem Roller mit den drei robusten Rädern ist nicht der Elektromotor, der ihn leise schnurrend über den Asphalt jagen lässt, sondern die üppig dimensionierte Lastenfläche, die Constin zwischen Achse und Lenker geschaffen hat. Hier hätte ein kleinerer Kühlschrank Platz. Oder eben zwei Getränkekisten, ein mittelgroßer Koffer oder gestapelte Transportboxen für den Wocheneinkauf einer vierköpfigen Familie.

Die Idee für einen motorisierten Lastenesel mit drei Rädern hatte der Produktentwickler schon in den 1990er Jahren. Damals unternahm er viele Reisen mit seinem Motorrad, vermisste aber Platz fürs Zelt und größeres Gepäck. Der Spezialist für Kunststoffgehäuse, der von der Bierkiste bis zum Handygehäuse schon unterschiedlichsten Produkten Gestalt gegeben hat, entwarf ein Zweirad, das sich bei Bedarf zum Dreirad mit Lastenfläche über den beiden Vorderrädern umrüsten ließ. Er nannte das Vehikel "Trike", realisierte das Konzept aber nie. Lediglich ein Modell mit BMW-Bike im Maßstab 1:18 steht in Constins Vitrine.

Als Politik und Industrie begannen, über alternative Mobilitätslösungen nachzusinnen, griff der Unternehmer die Trike-Idee wieder auf, ließ diesmal jedoch weder BMW noch Yamaha, sondern den guten alten Kinderroller Pate stehen. So lässt sich Constines Erfindung – das Kick Trike – durch schwungvolle Fußtritte auf den Asphalt in Fahrt bringen, wenn man den Elektroantrieb mal nicht nutzen kann oder möchte.

Flotter Roller mit viel Transportfläche

Der Mini-Transporter bietet auf diese Weise in City-Lagen mit Parkplatznot klare Anwendervorteile, ist Constin überzeugt. Lasten können über den Gehweg bis direkt vor die Haustür chauffiert werden, ohne dass man absteigen muss. Zusammengeklappt lässt sich das Kick Trike wie ein Gepäckstück in Bus oder Bahn befördern, auch im PKW-Kofferraum findet es Platz.

Beschwerlicher ist es, den Elektrotransporter in die Wohnung zu bugsieren, zumindest wenn man nicht parterre wohnt und kein Fahrstuhl zur Verfügung steht. Denn mit tragenden Komponenten aus Stahl und Aluminium wiegt das Vehikel 41 Kilogramm, selbst eine Variante mit Kunststoffkomponenten ist 30 Kilo schwer.

Potenzielle Käufer für den flotten Lastenroller, den sich Constin vor fünf Jahren patentieren ließ, sind vor allem Großstädter, die ganz oder zumindest öfter mal aufs Auto verzichten wollen. Einen weiteren Einsatzort fürs Kick Trike sieht der Erfinder bei Logistikzentren, Speditionen oder Warenlagern. Auf der Hannover Messe hat der Unternehmer in diesem Frühjahr einen  Prototyp präsentiert. Das Interesse sei groß gewesen, sagt er. Die Stahl-Alu-Variante will er im kommenden Jahr auf den Markt bringen. Der Preis soll je nach Akku-Typ bei 3.000 bis 4.000 Euro liegen. Etwa halb so teuer werde die Kunststoff-Variante sein, die bis 2014 startklar sein soll.

Bei den Energiespeichern werden Kunden zwischen Lithium-Ionen-Akkus mit 500 oder 1.200 Wattstunden wählen können, mit denen der Roller Reichweiten von maximal 25 beziehungsweise 60 Kilometern erreicht. Außerdem soll es eine 800-Wattstunden-Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie geben. Die will Constin für den professionellen Einsatz – beispielsweise in Warenlagern – empfehlen, weil sie strapazierfähiger ist. Die Batterie soll etwa 2.000 bis 3.000 Ladevorgänge halten.