"Das ist sie", sagt Martin B. und zeigt auf eine 30 Zentimeter hohe Stufe, hinter der der Hohlweg steil abfällt. An dieser Stelle hat er sich vor zwei Jahren überschlagen. Seitdem fährt er die Strecke nicht mehr. Bis heute. Wir sind mit zwei Mountainbikes unterwegs, mal mit den gängigen, 26 Zoll großen Laufrädern, mal mit den neuen großen 29-Zöllern. Unser Tagesplan ist ein subjektiver Laufradtest im Direktvergleich. Vor allem an den Stellen, wo uns unsere Räder sonst gerne aus den Sätteln werfen. Martins Aufgabe: die Stufe mit dem 29er fahren.

In Amerika werden die Geländeräder mit den großen Pneus seit mehr als zehn Jahren gefahren. In Deutschland läuft das Geschäft in diesem Jahr richtig an. Vorher waren die Räder eher eine Rarität im Laden. Dabei sind die Fahreigenschaften für alle Fahrer interessant, vom Gelegenheitsfahrer bis zum Profi. Mit den größeren Laufrädern hat man mehr Grip, mehr Sicherheit und mehr Fahrkomfort als auf den kleineren Mountainbikes.

Eines vorweg: Was unter der Bezeichnung 29 Zoll verkauft wird, steckt in 28-Zoll-Felgen. Mit dieser Laufradgröße sind City- und Treckingräder unterwegs. Allerdings wirken die Twentyniner mit ihren faustdicken Mänteln nicht nur riesig, sondern kommen tatsächlich auf eine Laufradgröße von annähernd 29 Zoll. Mit meiner Körperlänge von 1,70 Meter rutsche ich gerade eben in die Riege ihrer potenziellen Fahrer. Wer kleiner ist, fährt 26er. Dagegen sind Fahrer ab 1,90 Meter geradezu prädestiniert für die XXL-Bikes.

Locker über dicke Wurzeln

Das große Plus der 29-Zöller: Über kleine Hindernisse rollen sie einfach hinweg. Diese Stabilität gibt es allerdings nicht umsonst. Bergauf und beim Beschleunigen kosten sie ihre Fahrer mehr Kraft. Rund 17 Prozent mehr Energie als ihr 26er-Pendant sollen es laut Test der Zeitschrift Mountainbike sein. Die Zahl wurde vor zwei Jahren ermittelt. Für mich ist der Mehraufwand an Kraft jedoch erst mal nicht spürbar. Die bessere Traktion hingegen schon. Wie auf Schienen pedaliere ich bergauf.

Die dicken Stollenreifen haben eine größere Auflagefläche, was die Bodenhaftung verstärkt. In einer Steigung zwingen mich die Wurzeln sonst immer zum Absteigen. Der Grund: Das Hindernis fordert eine schnelle Folge kleiner Haken, doch ich bekomme bei diesem Anstieg nicht genug Druck aufs Vorderrad. Darum verliert das Rad an Grip, und ich muss absteigen. Ganz anders mit dem 29er. Wie ein Traktor überrollt das Rad die armdicken Wurzeln.

"Twentyniner kappen die Belastungsspitzen", sagt Gunnar Fehlau, der den Pressedienst Fahrrad leitet und überzeugter 29er-Fahrer ist. Seine Leidenschaft sind mehrtägige Touren mit Tagesetappen von über 100 Kilometern in anspruchsvollem Gelände. Für diesen Zweck sind die Räder ideal. Sie erhöhen die Geschwindigkeit und sind extrem stabil in Abfahrten.