MountainbikesMit Übergröße rollt man besser

Bikes mit großen Rädern stoßen auf wachsendes Interesse. Ein 29-Zöller bietet mehr Fahrkomfort und Sicherheit. Andrea Reidl fuhr eines und ein 26er im Direktvergleich. von Andrea Reidl

Mountainbikes mit 26- und 29-Zoll-Rädern

Mountainbikes mit 26- und 29-Zoll-Rädern  |  © pd-f.de | Gregor Bresser

"Das ist sie", sagt Martin B. und zeigt auf eine 30 Zentimeter hohe Stufe, hinter der der Hohlweg steil abfällt. An dieser Stelle hat er sich vor zwei Jahren überschlagen. Seitdem fährt er die Strecke nicht mehr. Bis heute. Wir sind mit zwei Mountainbikes unterwegs, mal mit den gängigen, 26 Zoll großen Laufrädern, mal mit den neuen großen 29-Zöllern. Unser Tagesplan ist ein subjektiver Laufradtest im Direktvergleich. Vor allem an den Stellen, wo uns unsere Räder sonst gerne aus den Sätteln werfen. Martins Aufgabe: die Stufe mit dem 29er fahren.

In Amerika werden die Geländeräder mit den großen Pneus seit mehr als zehn Jahren gefahren. In Deutschland läuft das Geschäft in diesem Jahr richtig an. Vorher waren die Räder eher eine Rarität im Laden. Dabei sind die Fahreigenschaften für alle Fahrer interessant, vom Gelegenheitsfahrer bis zum Profi. Mit den größeren Laufrädern hat man mehr Grip, mehr Sicherheit und mehr Fahrkomfort als auf den kleineren Mountainbikes.

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Eines vorweg: Was unter der Bezeichnung 29 Zoll verkauft wird, steckt in 28-Zoll-Felgen. Mit dieser Laufradgröße sind City- und Treckingräder unterwegs. Allerdings wirken die Twentyniner mit ihren faustdicken Mänteln nicht nur riesig, sondern kommen tatsächlich auf eine Laufradgröße von annähernd 29 Zoll. Mit meiner Körperlänge von 1,70 Meter rutsche ich gerade eben in die Riege ihrer potenziellen Fahrer. Wer kleiner ist, fährt 26er. Dagegen sind Fahrer ab 1,90 Meter geradezu prädestiniert für die XXL-Bikes.

Locker über dicke Wurzeln

Das große Plus der 29-Zöller: Über kleine Hindernisse rollen sie einfach hinweg. Diese Stabilität gibt es allerdings nicht umsonst. Bergauf und beim Beschleunigen kosten sie ihre Fahrer mehr Kraft. Rund 17 Prozent mehr Energie als ihr 26er-Pendant sollen es laut Test der Zeitschrift Mountainbike sein. Die Zahl wurde vor zwei Jahren ermittelt. Für mich ist der Mehraufwand an Kraft jedoch erst mal nicht spürbar. Die bessere Traktion hingegen schon. Wie auf Schienen pedaliere ich bergauf.

Die dicken Stollenreifen haben eine größere Auflagefläche, was die Bodenhaftung verstärkt. In einer Steigung zwingen mich die Wurzeln sonst immer zum Absteigen. Der Grund: Das Hindernis fordert eine schnelle Folge kleiner Haken, doch ich bekomme bei diesem Anstieg nicht genug Druck aufs Vorderrad. Darum verliert das Rad an Grip, und ich muss absteigen. Ganz anders mit dem 29er. Wie ein Traktor überrollt das Rad die armdicken Wurzeln.

"Twentyniner kappen die Belastungsspitzen", sagt Gunnar Fehlau, der den Pressedienst Fahrrad leitet und überzeugter 29er-Fahrer ist. Seine Leidenschaft sind mehrtägige Touren mit Tagesetappen von über 100 Kilometern in anspruchsvollem Gelände. Für diesen Zweck sind die Räder ideal. Sie erhöhen die Geschwindigkeit und sind extrem stabil in Abfahrten. 

Leserkommentare
  1. Endlich ist die Rubrik "Auto" bei den wirklich fundamentalen, existenziellen Fragen angelangt, welche die Menschheit umtreiben: 29- oder 27,5- oder 26-Zoll durchmessende Mountainbikeräder. Ich bin beeindruckt. Und komme mir mit meinem Radl und seinen 17-Zoll-Rädern ganz klein vor. Auch wenn de vor 120 und hinten 180 Millimeter breit sind und rund 100 PS auf die Straße bringen und dort halten ;-)

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    ...doch mal einen Wurzeltrail hinunter mit Ihren 17 Zöllern und Ihren 100 Pferdchen. Ob Sie dann auch noch so fröhlich sind?

    Ist inzwischen ein alter Hut. ZO ignoriert geflissentlich, dass "Auto" nicht mehr der richtige Name für eine Rubrik ist, die zunehmend über mobiles Leben ohne Verbrennungsmotoren berichtet.

    • porph
    • 11. August 2012 1:26 Uhr

    Hmm, auf der Straße fahre ich am liebsten 28 Zoll, im Gelände bislang 26 Zoll. Die 29er finde ich recht interessant, daher danke für den Artikel.
    17 Zoll auf der Straße hab ich auch mal ausprobiert, war aber irgendwie öde. :-)

    musst du die 100 ps selber erzeugen...dagegen ist autofahren so spannend wie nasebohren :-) na los, ab in den wald mit dir :-D

    ... das war es, worauf die Welt gewartet hat. Obwohl ..., hhmmm, ... eigentlich sind die 29er ja doch 28er. 28er habe ich schon als "Halbstarker" gefahren (für ein Mofa hat das Geld nicht gereicht). Ob die ZEIT einen Leserartikel von mir akzeptieren würde? Titel etwa: "Auf 28 Zoll in die Hölle ..."; oder so jedenfalls.

  2. " Rund 17 Prozent mehr Energie ... "

    Wo sollen die denn herkommen ? Die paar Gramm an Mehrgewicht reichen dafür nicht aus.

    In der Ebene erfordern größere Räder weniger Energie oder sind schneller.
    Das ist nun wirklich nicht neu.

    Der Endruck der Autorin ist da schon richtig.

    Die Auflagefläche ist bei einem größeren Rad natürlich größer, sie hängt aber auch vom Reifendruck ab.
    Der kann bei einem größeren Rad oder dickerem Reifen auch geringer sein.

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    Es geht um die Beschleunigung, welche mit identischer Schaltung bei einem größeren Rad natürlich schwieriger ist, da bei einer Pedalumdrehung im Vergleich zum kleinen Rad eine größere Strecke zurückgelegt wird. Die Übersetzung wird "quasi" höher, wenn man so will.

    Das Bergauffahren ist nur dann schwieriger, wenn man wirklich niedrig schalten muss (bei identischer Schaltung, natürlich kann man einfach eine niedrigere Übersetzung wählen, und somit die größe des Rads ausgleichen).

    " Rund 17 Prozent mehr Energie ... "

    Wo sollen die denn herkommen ? Die paar Gramm an Mehrgewicht reichen dafür nicht aus.

    Auch bei gleichem Gewicht wäre mehr (Bewegungs-)Energie gespeichert, denn das Gewicht dreht sich auf einem grösseren Radius. Man kann das Rad als eine Art Schwungscheibe betrachten und bei einer Schwungscheibe spielt der Durchmesser/Radius eine wesentliche Rolle.

    Was die translatorische Energie angeht, also die Bewegungsenergie, die auch bei einem sich nicht drehenden Rad vorhanden ist, haben sie Recht. Die ist allein vom Gewicht und der Fahrgeschwindigkeit abhängig.

  3. ...doch mal einen Wurzeltrail hinunter mit Ihren 17 Zöllern und Ihren 100 Pferdchen. Ob Sie dann auch noch so fröhlich sind?

    Antwort auf "Endlich!"
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    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    ... haben Sie's nicht so, wie? Ban de Bénoïc fährt auf der Straße. Und kommt sich angesichts dem MTB-Bereifung klein vor. Na ja, Hauptsache ein bißchen selbstdefiniert gegutmenscht.

    Mit 17" auf den Wurzeltrail? Auf vier Rädern mit einer satten PS-Zahl geht einiges doch viel viel besser.

  4. Ist inzwischen ein alter Hut. ZO ignoriert geflissentlich, dass "Auto" nicht mehr der richtige Name für eine Rubrik ist, die zunehmend über mobiles Leben ohne Verbrennungsmotoren berichtet.

    Antwort auf "Endlich!"
  5. Es geht um die Beschleunigung, welche mit identischer Schaltung bei einem größeren Rad natürlich schwieriger ist, da bei einer Pedalumdrehung im Vergleich zum kleinen Rad eine größere Strecke zurückgelegt wird. Die Übersetzung wird "quasi" höher, wenn man so will.

    Das Bergauffahren ist nur dann schwieriger, wenn man wirklich niedrig schalten muss (bei identischer Schaltung, natürlich kann man einfach eine niedrigere Übersetzung wählen, und somit die größe des Rads ausgleichen).

    Antwort auf "Energie"
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    ... my dear Watson. Exactly the observation needed very badly to solve this monstrous problem.

    Nöö, hat damit nix zu tun. Hängt physikalisch mit dem höheren Massenträgheitsmoment der größeren Laufräder zusammen. Somit benötigt man mehr Energie, um auf gleiche Geschwindigkeit zu beschleunigen.

    Und da beim Bremsen keine Energierückgewinnung erfolgt (sondern ausschließlich Umwandlung der kinetischen Energie und der Rotationsenergie in Wärme), ist per se über eine gesamte Strecke mit Bremsvorgängen ein höherer Energieaufwand notwendig.

    Jedoch kann man sagen, dass je besser die Technik (und somit weniger Bremsen), desto geringer dieser Effekt.

  6. Es entsteh dabei irgendwie der Eindruck, dass die Hersteller mal wieder neue Fahrräder verkaufen wollen. Hatten wir das nicht schon vor ein paar Jahren als 28 Zoll plötzlich out war?

    Aber man kann die Räder ja nicht einfach so lassen wie sie sind, das wäre zu einfach.

  7. 7. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Dann fahren Sie..."
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    Entfernt, kein Beitrag zur Artikeldiskussion. Die Redaktion/fk.

  8. ... haben Sie's nicht so, wie? Ban de Bénoïc fährt auf der Straße. Und kommt sich angesichts dem MTB-Bereifung klein vor. Na ja, Hauptsache ein bißchen selbstdefiniert gegutmenscht.

    Antwort auf "Dann fahren Sie..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sabine Spitz | Zoll | USA
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