40 Jahre S-KlasseDer Mercedes gab Halt in unruhigen Zeiten

1972 baute Mercedes die erste S-Klasse. Sie wurde zur Messlatte des Premium-Segments. In den USA hatte sie ausgerechnet wegen der Ölkrise Erfolg. von Sebastian Viehmann

Was für ein Jahrzehnt in Deutschland: Die siebziger Jahre bringen gesellschaftliche Umwälzungen, Ölkrise und wirtschaftliche Rezession, Terrorismus. In diesen unruhigen Zeiten strahlt die Mercedes S-Klasse Ruhe aus, und mit ihr Bundeskanzler Helmut Schmidt , wenn er im Fond des nüchternen Wagens vorfährt, um die Probleme zu lösen. Die S-Klasse der Baureihe W116 war in den Siebzigern die mobile Schaltzentrale der Mächtigen. Auch Schmidts Nachfolger Helmut Kohl fuhr einen W116, ehe er auf die zweite Generation der S-Klasse umstieg.

Bei radikalen Linken war der Wagen dagegen das verhasste Symbol des wirtschaftlichen und politischen Establishments. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer saß in einem Mercedes 450 SEL, als er 1977 von der Roten Armee Fraktion entführt wurde. Als die Terroristen Schleyer später ermordeten, sperrten sie den Leichnam in den Kofferraum eines spießigen Audi 100 – in der Logik der RAF wohl ein symbolischer Akt.

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ABS feierte in der S-Klasse sein Debüt

Vor 40 Jahren, im September 1972, erschien die erste offizielle S-Klasse, auch wenn schon vorher Modelle des schwäbischen Herstellers den Namen S getragen hatten. Im Vergleich zum Mercedes-Typ 600 oder zum W108 sah die Baureihe W116 deutlich moderner und voluminöser aus, gleichzeitig war sie üppiger mit Chrom verziert. Breite, eckige Scheinwerfer ersetzten die bislang aufrecht stehenden Lampen der großen Benz-Modelle.

Im Hinblick auf Fahrkomfort, Sicherheitsausstattung und Prestige gab es 1972 nichts Vergleichbares, jedenfalls nicht in der Summe aller Eigenschaften – weder von Audi oder BMW noch von französischen oder amerikanischen Marken. Mercedes stattete sein Spitzenmodell immer wieder mit neuen Highlights aus. So erhielt die S-Klasse etwa frühzeitig schon einen Tempomaten oder ein Autotelefon. 1979 baute Mercedes erstmals das elektronische Antiblockiersystem ABS – von Bosch entwickelt und unter dem Dreibuchstaben-Kürzel patentiert – in ein Großserienmodell ein. Natürlich in die S-Klasse.

Im September 1972 kostete das knapp 4,70 Meter lange Basismodell 280 S mit Sechszylinder-Vergasermotor und 160 PS 23.800 D-Mark. Zum Vergleich: Das Mittelklasse-Modell Audi 80, das im Sommer 1972 neu auf den Markt kam, kostete in der Zweitürer-Grundversion damals 7.990 Mark. Als weitere S-Modelle folgten der 280 SE mit 185 PS, der 350 SE mit V8-Motor und 200 PS sowie der 450 SE, der ebenfalls von einem V8-Motor mit 225 PS angetrieben wurde.

Leserkommentare
  1. "Dies war gleichzeitig die letzte S-Klasse, die weitgehend ohne Konkurrenz blieb. In den achtziger Jahren wuchsen der BMW 7er und später der Audi A8 zu würdigen Konkurrenten der Sindelfinger Luxuslimousine heran."

    Liebe Redaktion, ein wenig mehr Genauigkeit in deutscher Automobilhistorie wäre dann doch schön: Den BMW 7er gibt es seit 1977. Seit den 1980er ist das 7er-S-Klasse-Duell der Klassiker im automobilen Oberhaus. Den A8 dagegen gibt es erst seit 1994. Erst die zweite Generation seit 2002 mischte dann als wirklicher Mitkonkurrent in der deutschen Oberklasseliga mit.

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    • DIELOGE
    • 05. August 2012 14:11 Uhr

    da haben sie ja schön bei wikipedia erbsen gesammelt. wie kann das blatt den leser automobilhistorisch nur so hinter's licht führen? aber ich bin mal den artikel und ihre ergänzungen 1:1 durchgegangen und stelle keinerlei gegensätze fest. können sie die ungenauigkeiten im text vielleicht präzisieren?

    • joG
    • 05. August 2012 13:26 Uhr

    ....1961 bereits ein "s" Modell kaufte.

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    • DIELOGE
    • 05. August 2012 14:13 Uhr

    ".. 1972, erschien die erste offizielle S-Klasse, auch wenn schon vorher Modelle des schwäbischen Herstellers den Namen S getragen hatten."

  2. Die erste S-Klasse wurde auf dem Genfer Salon 1963 vorgestellt. Es handelte sich um den 300 SE Lang

    Siehe http://wiki.mercedes-benz...

    • DIELOGE
    • 05. August 2012 14:11 Uhr

    da haben sie ja schön bei wikipedia erbsen gesammelt. wie kann das blatt den leser automobilhistorisch nur so hinter's licht führen? aber ich bin mal den artikel und ihre ergänzungen 1:1 durchgegangen und stelle keinerlei gegensätze fest. können sie die ungenauigkeiten im text vielleicht präzisieren?

    • DIELOGE
    • 05. August 2012 14:13 Uhr

    ".. 1972, erschien die erste offizielle S-Klasse, auch wenn schon vorher Modelle des schwäbischen Herstellers den Namen S getragen hatten."

  3. Es wäre mal schön, wenn man die heutigen "Maßstäbe" nicht an die damalige Zeit anwenden würde. Das damalige Opa-Onkel-Auto Audi war ganz klar unter den großen Modellen von Opel angesiedelt. Die Marke BMW war zwar damals schon etwas weiter, rangierte aber auch noch ganz klar unter den Modellen von Mercedes. Das die RAF gerade einen Audi genommen hatte, dürfte eher der Unauffälligkeit der Marke geschuldet gewesen sein.

    Was der Autor allerdings vergessen hat: Die Limousinen für die Spitzenpolitiker und Wirtschaftslenker sind gepanzert. Dies machen Spezialfirmen, die dies für wenige Spitzenmodelle anbieten. Damals war halt in Deutschland der Mercedes das Maß aller Dinge. Der Einsatz eines großen französischen Modells (DS oder DX) war aus politischen Gründen nicht möglich.

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    in den frühen 70ern waren eben nicht gepanzert. Sonst hätten Schleyer und Buback überlebt.

    • Chali
    • 05. August 2012 15:49 Uhr

    "Alles andere als moderat ist die Verarbeitung – schon beim Einsteigen lässt sich erahnen, wie frei sich Ingenieure fühlen durften, als sie noch nicht den Lederslipper des Controllers im Nacken hatten: Türen, die jedem Tresor gerecht werden und trotzdem mit Leichtigkeit aufschwingen, schwere Sitzmöbel, die in Verbindung mit dem Wurzelholzduft eher an einen englischen Club als an deutsche Wertarbeit erinnern und solide Armaturen, die diesen Namen auch verdienen."

    http://www.spiegel.de/aut...

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    ...kostete der Treibstoff noch ca. 50 DPf/l. Das heißt, das Fahrzeuggewicht spielte eine kleinere Rolle wie heute. Ebenso ist man bei den Fertigungsmethoden heute weit ab davon, Teile noch "aus denm Vollen zu schnitzen". Die Recourcen geben es einfach nicht mehr her und die Aktionäre würden keine Dividenden mehr bekommen.

  4. 8. Damals

    Das waren noch lässige und souveräne Autos bis zum W140, insbes. der W126. Heute sieht die S-Klasse so aus, wie ich mir die koreanische/chinesische Kopie einer S-Klasse vorstelle.

    Eine Leserempfehlung
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    @noergelrentner

    "SsangYong Chairman" heißt das Ding:)
    Bitte selber googlen.

    Ich sah das Auto nur in Korea und in HongKong. In Mainland China nicht und auch nicht auf Taiwan. Warum das so ist weiß ich nicht. In Schland gibts ihn natürlich auch nicht.

    Mein Favorit war die 220er Baureihe, dicht gefolgt von W126. Aber über Geschmack lässt sich eben trefflich streiten und wir sind vermutlich nicht das Zielpublikum einer neuen s-Klasse

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