40 Jahre S-KlasseDer Mercedes gab Halt in unruhigen Zeiten

1972 baute Mercedes die erste S-Klasse. Sie wurde zur Messlatte des Premium-Segments. In den USA hatte sie ausgerechnet wegen der Ölkrise Erfolg.

Was für ein Jahrzehnt in Deutschland: Die siebziger Jahre bringen gesellschaftliche Umwälzungen, Ölkrise und wirtschaftliche Rezession, Terrorismus. In diesen unruhigen Zeiten strahlt die Mercedes S-Klasse Ruhe aus, und mit ihr Bundeskanzler Helmut Schmidt, wenn er im Fond des nüchternen Wagens vorfährt, um die Probleme zu lösen. Die S-Klasse der Baureihe W116 war in den Siebzigern die mobile Schaltzentrale der Mächtigen. Auch Schmidts Nachfolger Helmut Kohl fuhr einen W116, ehe er auf die zweite Generation der S-Klasse umstieg.

Bei radikalen Linken war der Wagen dagegen das verhasste Symbol des wirtschaftlichen und politischen Establishments. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer saß in einem Mercedes 450 SEL, als er 1977 von der Roten Armee Fraktion entführt wurde. Als die Terroristen Schleyer später ermordeten, sperrten sie den Leichnam in den Kofferraum eines spießigen Audi 100 – in der Logik der RAF wohl ein symbolischer Akt.

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ABS feierte in der S-Klasse sein Debüt

Vor 40 Jahren, im September 1972, erschien die erste offizielle S-Klasse, auch wenn schon vorher Modelle des schwäbischen Herstellers den Namen S getragen hatten. Im Vergleich zum Mercedes-Typ 600 oder zum W108 sah die Baureihe W116 deutlich moderner und voluminöser aus, gleichzeitig war sie üppiger mit Chrom verziert. Breite, eckige Scheinwerfer ersetzten die bislang aufrecht stehenden Lampen der großen Benz-Modelle.

Im Hinblick auf Fahrkomfort, Sicherheitsausstattung und Prestige gab es 1972 nichts Vergleichbares, jedenfalls nicht in der Summe aller Eigenschaften – weder von Audi oder BMW noch von französischen oder amerikanischen Marken. Mercedes stattete sein Spitzenmodell immer wieder mit neuen Highlights aus. So erhielt die S-Klasse etwa frühzeitig schon einen Tempomaten oder ein Autotelefon. 1979 baute Mercedes erstmals das elektronische Antiblockiersystem ABS – von Bosch entwickelt und unter dem Dreibuchstaben-Kürzel patentiert – in ein Großserienmodell ein. Natürlich in die S-Klasse.

Im September 1972 kostete das knapp 4,70 Meter lange Basismodell 280 S mit Sechszylinder-Vergasermotor und 160 PS 23.800 D-Mark. Zum Vergleich: Das Mittelklasse-Modell Audi 80, das im Sommer 1972 neu auf den Markt kam, kostete in der Zweitürer-Grundversion damals 7.990 Mark. Als weitere S-Modelle folgten der 280 SE mit 185 PS, der 350 SE mit V8-Motor und 200 PS sowie der 450 SE, der ebenfalls von einem V8-Motor mit 225 PS angetrieben wurde.

Leserkommentare
  1. Mein Favorit war die 220er Baureihe, dicht gefolgt von W126. Aber über Geschmack lässt sich eben trefflich streiten und wir sind vermutlich nicht das Zielpublikum einer neuen s-Klasse

    Antwort auf "Damals"
  2. Der hintere Teil des Wageninneren "Fond" ist maskulin, also "der Fond", nicht "das Fond". Kann man so eigentlich auch in jeder Motor-Klassik usw. lesen. Rückschlüsse auf die Sachkompetenz des Verfassers verkneife ich mir an dieser Stelle einfach mal.

    http://www.duden.de/recht...

  3. Anders als Sie behaupten, war die Werksreihe 116 sehr wohl in gepanzerter Ausführung lieferbar. Es wurde von/für Schleyer einzig aus Geiz bzw. Sparsamkeit diese Ausführung nicht angeschafft, weil sich Schleyer in Sicherheit wähnte, wie man z.B. der sehr empfehlenswerten Biografie "Schleyer. Eine deutsche Geschichte" von Lutz Hachmeister entnehmen kann. Noch peinlicher ist Ihre zweite Fehlinformation: Buback wurde nicht in einem W116, sondern in einem Strichachter-Mercedes ermordet. Dazu müssen Sie sich lediglich das bekannteste Tatortfoto angucken.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die Limusinen"
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    Richtig, warum auch nicht? Kundschaft für gepanzerte Fahrzeuge hat es schon seit eh und jeh gegeben. Schon in den 1920ern konnte man problemlos Karrosserien mit Stahl panzern.
    Am brüchtigsten ist wohl Hitlers Mercedes 770 K (es war natürlich nicht sein eigener, und er bediente sich verschiedener Exemplare einer ganzen Flotte). Der W 150 wird bei Wiki in seiner gepanzerten Version beschrieben:

    "Die von 1940–43 gebaute Sonderausführung mit der internen Bezeichnung W 150 II war mit 18 mm Stahl gepanzert, besaß eine Verglasung aus 40 mm Panzerglas, 19"-Panzerstahlfelgen und beschusssichere 20-Kammer-Reifen. Zur Gewichtsverringerung bestanden die Kotflügel aus Leichtmetall. Das Leergewicht betrug 4780 kg (sonst 3400 bis 3600 kg); die Höchstgeschwindigkeit war vom Hersteller mit 80 km/h empfohlen. 1943 endete nach 88 gebauten Wagen die Produktion des W 150/W 150 II."

    Kotflügel aus Leichtmetall... Wenn das Audi wüßte! ;-)

    Reinhard Heydrich hätte gut daran getan, sich seinen Wagen ebenfalls panzern zu lassen.

    Und ich denke, auch Kaiser Wilhelm II. fuhr schon gepanzerte Automobile.

    Richtig, warum auch nicht? Kundschaft für gepanzerte Fahrzeuge hat es schon seit eh und jeh gegeben. Schon in den 1920ern konnte man problemlos Karrosserien mit Stahl panzern.
    Am brüchtigsten ist wohl Hitlers Mercedes 770 K (es war natürlich nicht sein eigener, und er bediente sich verschiedener Exemplare einer ganzen Flotte). Der W 150 wird bei Wiki in seiner gepanzerten Version beschrieben:

    "Die von 1940–43 gebaute Sonderausführung mit der internen Bezeichnung W 150 II war mit 18 mm Stahl gepanzert, besaß eine Verglasung aus 40 mm Panzerglas, 19"-Panzerstahlfelgen und beschusssichere 20-Kammer-Reifen. Zur Gewichtsverringerung bestanden die Kotflügel aus Leichtmetall. Das Leergewicht betrug 4780 kg (sonst 3400 bis 3600 kg); die Höchstgeschwindigkeit war vom Hersteller mit 80 km/h empfohlen. 1943 endete nach 88 gebauten Wagen die Produktion des W 150/W 150 II."

    Kotflügel aus Leichtmetall... Wenn das Audi wüßte! ;-)

    Reinhard Heydrich hätte gut daran getan, sich seinen Wagen ebenfalls panzern zu lassen.

    Und ich denke, auch Kaiser Wilhelm II. fuhr schon gepanzerte Automobile.

  4. Hier eine x-beliebige Quelle für das Vorhandensein des W 116 in der gepanzerten Ausführung:

    http://www.focus.de/fotos...

  5. Zitat: "Auf diese Weise senkte Mercedes seinen Flottenverbrauch in den Vereinigten Staaten erheblich und erfüllte so neue Auflagen, die die US-Regierung angesichts der Ölkrise erhoben hatte." - Die US-Regierung soll Auflagen erhoben haben? Neue Sprachkreation? Erhoben werden meines Wissens z.B. Steuern, früher wurden manche Menschen in den Adelsstand erhoben, Auflagen aber bisher zumindest noch nie. Es mag wie eine Kleinigkeit wirken, zeugt aber doch von mangelnder Sorgfalt bzw. ungerechtfertigtem Verzicht auf das Korrekturlesen.

  6. Früher hat sich der im Vergleich zu anderen Marken hohe Anschaffungspreis für einen Mercedes auf die Dauer immer mehr als gerechnet: man bekam ein qualitativ sehr hochwertiges Fahrzeug mit geringem Reparaturbedarf und damit verbunden geringe Betriebskosten. Und wer als Privatmensch einen Mercedes kaufte, der fuhr diesen Wagen auch 15 bis 25 Jahre lang.

    Heute hat sich das alles grundsätzlich gewandelt: das Geld wird weniger mit dem direkten Verkauf eines Fahrzeugs verdient, sondern mit dessen FINANZIERUNG über die Hausbanken sowie seiner Wartung und Reparatur.

  7. Richtig, warum auch nicht? Kundschaft für gepanzerte Fahrzeuge hat es schon seit eh und jeh gegeben. Schon in den 1920ern konnte man problemlos Karrosserien mit Stahl panzern.
    Am brüchtigsten ist wohl Hitlers Mercedes 770 K (es war natürlich nicht sein eigener, und er bediente sich verschiedener Exemplare einer ganzen Flotte). Der W 150 wird bei Wiki in seiner gepanzerten Version beschrieben:

    "Die von 1940–43 gebaute Sonderausführung mit der internen Bezeichnung W 150 II war mit 18 mm Stahl gepanzert, besaß eine Verglasung aus 40 mm Panzerglas, 19"-Panzerstahlfelgen und beschusssichere 20-Kammer-Reifen. Zur Gewichtsverringerung bestanden die Kotflügel aus Leichtmetall. Das Leergewicht betrug 4780 kg (sonst 3400 bis 3600 kg); die Höchstgeschwindigkeit war vom Hersteller mit 80 km/h empfohlen. 1943 endete nach 88 gebauten Wagen die Produktion des W 150/W 150 II."

    Kotflügel aus Leichtmetall... Wenn das Audi wüßte! ;-)

    Reinhard Heydrich hätte gut daran getan, sich seinen Wagen ebenfalls panzern zu lassen.

    Und ich denke, auch Kaiser Wilhelm II. fuhr schon gepanzerte Automobile.

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