Bio-Kraftstoff"Es darf nicht mehr Getreide in den Tank"

Verbio erzeugt Autogas aus Stroh. Der Chef der Firma, Claus Sauter, erklärt im Interview, worin der Vorteil gegenüber E10 liegt und warum Autofahrer irrational handeln. von Kevin Hoffmann

Frage: Herr Sauter, Sie produzieren aus Nutzpflanzen Biodiesel und Ethanol. Das ist in Verruf geraten . Nun wollen Sie aus Stroh Geld machen. Wie geht das?

Claus Sauter: Das ist kein Hexenwerk. In Stroh steckt viel Energie. Die Frage ist nur, mit welchem Aufwand man sie daraus lösen kann. Wir haben Prozesse und Verfahren über mehrere Jahre optimiert. So ist es uns gelungen, das Stroh mit neuen technischen Verfahren zu knacken. Wir erzielen derart hohe Ausbeuten, dass der Prozess wirtschaftlich funktioniert…

Frage: …weil Sie Fördergelder erhalten?

Anzeige

Sauter: Nein, weil wir prozesstechnisch mehr Energie rausholen können, als wir reinstecken. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist entscheidend, dass wir unser Endprodukt, Biomethan, als Biokraftstoff in den Verkehrssektor bringen und nicht – wie alle anderen – in den Strommarkt.

Frage: Ein Buchhaltungstrick?

Sauter: Im Gegenteil! Wir gehen sinnvoll mit nachwachsenden Rohstoffen um, obwohl der Staat zum Gegenteil motiviert: Er hat die Fördersätze für Strom aus Biogas in den vergangenen Jahren erhöht. Das führte dazu, dass heute fast jeder Landwirt versucht, aus Pflanzen subventionierten grundlastfähigen Strom zu produzieren und damit am Markt gegen billigen Kohle- und Atomstrom antritt, was wirtschaftlicher Unfug ist.

Frage: Aber jede neue Technologie braucht eine Anschubfinanzierung.

Sauter: Ja, aber aus Pflanzen gewonnener Strom kann auch auf längere Sicht ohne Förderung nicht mit Strom aus fossilen Brennstoffen konkurrieren. Wenn ich aber aus Pflanzen Kraftstoff für den Verkehr mache, trete ich am Markt damit gegen Diesel an. Und da bin ich mit unserem Biomethan aus Stroh, was chemisch als CH4 identisch ist mit Erdgas, schon heute absolut wettbewerbsfähig.

Frage: Wie machen Sie das?

Claus Sauter

Der Diplomkaufmann Claus Sauter, Jahrgang 1966, studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Bei der von ihm mitgegründeten Verbio Vereinigte Bioenergie AG verantwortet er unter anderem die Unternehmensentwicklung sowie die Finanzen.

Sauter: Wir haben alles anders gemacht, als die Betreiber der anderen 7.000 Biogasanlagen in Deutschland. Die zielen auf die staatlich garantierte Einspeisevergütung für Stromerzeugung und folgen dem Anreiz, dass man für die kleinste dezentrale Biogasanlage die höchste Vergütung erhält. Wir aber haben Riesen-Anlagen im industriellen Maßstab gebaut, erzielen so Skaleneffekte, erhalten aber keine staatlich garantierte Vergütung, weil wir das Produkt ins Gasnetz einspeisen.

Frage: Sie produzieren aber auch weiterhin Bioethanol und Biodiesel – für viele Autofahrer Teufelszeug.

Sauter: Ich will nicht sagen, dass Biokraftstoffe schlecht sind für die Motoren, aber es gibt einiges zu beachten. Und sobald hier nur ein Fragezeichen hochkommt im Zusammenhang mit dem geliebten Auto, nimmt der Deutsche Abstand davon und zahlt lieber vier Cent je Liter mehr an der Tankstelle für E5, quasi als Versicherungsprämie. In anderen Ländern Europas und den USA gehen die Leute viel entspannter mit ihrem Auto um.

Leserkommentare
  1. Guten Tag Herr Hoffmann,

    Ihr Interview ist sachlich gut geführt. Jedoch nervt gleich die Überschrift. Wann lernt der deutsche Journalist endlich einmal den Unterschied zwischen den Gasen? Autogas/LPG/Flüssiggas ist Propan/Butan. Erdgas/CNG/Biomethan/Biogas ist das worüber Sie in diesem Interview reden, Hauptbestandteil Methan. Autogas kann außerdem nicht Bio.

    Nicht jedes Gas mit dem Autos fahren können ist gleich Autogas! Das wäre doch wirklich zu einfach, oder?

    Nix für ungut!

    MfG

    M. Weber, München

  2. In diesem Gespräch wird das Dilemma deutlich:

    Die Politik/Regierung/Parlament will ein Ziel vorgeben. Das ist in Ordnung und auch ihre Aufgabe.

    Die Politik/Regierung/Parlament will aber auch den Weg dahin vorgeben. Detailiert mit exakt einzuhaltenden Wegmarken. Das schafft vor allem Bürokratie, weil alles dokumentiert und abgeheftet werden muß.

    Erweist sich dann der Weg als falsch, kann nicht mehr korrigiert werden, da politische Prozesse eben langwierig sind (was in Ordnung ist), die Entscheidungsträger nicht einräumen wollen sich geirrt zu haben (was verständlich ist) und inzwischen eine Menge Leute viel Geld am Irrweg verdienen (und entsprechend medialen Druck auf die Politik ausüben nichts zu ändern).

    Politik sollte sich wirklich nur darauf beschränken Ziele zu definieren, zu vereinbaren und deren Einhaltung zu kontrollieren. Dann würden auch die Abgeordneten wieder verstehen, was sie an Gesetzen beschließen.

  3. Das Interview ist sachlich gut geführt, aber die Antworten sind teilweise tendenziös (wie ja auch nicht anders zu erwarten).
    "E10 enthält zehn Prozent reinen Alkohol. Den trinken wir sogar. Warum soll es dann dem Auto schaden? "
    Wir trinken sogar Wasser oder Kuhmilch. Bei beidem würde ich jedoch davon abraten, es in den Autotank zu kippen.
    "Ich habe schon mit Ingenieuren, Doktoren, Rechtsanwälten und Steuerberatern gesprochen, die neue Autos fahren – aber kein E10 tanken. Ich habe es aufgegeben, denen mit Chemie zu kommen."
    Reden Sie mal mit einem Kautschukverarbeiter. Die kommen Ihnen mit Chemie!
    "Ethanol hat 130 Oktan, das ist der wahre Superkraftstoff."
    Stimmt! Aber wenn ein Motor sich mit 95 oder 98 Oktan begnügt, gibt's keinerlei Grund dafür, was höheres zu tanken.
    "Der einzige Nachteil ist, dass er geringe Mengen Wasser aufnimmt – und das kann bei einigen wenigen Fahrzeugen, die älter als zehn Jahre sind, über einen längeren Zeitraum Korrosionen verursachen. Alle anderen haben kein Problem."
    Das ist bei ausnahmslos jedem Fahrzeug ein Problem, das mal längere Zeit rumsteht (Saisonkennzeichen).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "E10 enthält zehn Prozent reinen Alkohol. Den trinken wir sogar. Warum soll es dann dem Auto schaden?"

    H. Sauter verbreitet gefährlichen Unsinn.
    E10 kann in vielen Fällen zu Problemen führen. Es greift verschiedene Gummi und Kunststoffe, aber auch Aluminium an.

    Nebenbei bemerkt: H. Sauter kann ja mal reinen Alkohol zu sich nehmen. Wenn er das eine Weile gemacht hat, wird er merken, dass das auch den Körper massiv angreift und schädigt.

    Wirklich hanebüchen, was der Mann so von sich gibt. Aber was macht man nicht alles, um Geld zu verdienen...

  4. Viele Tiere sind darauf angewiesen, dass es kostengünstiges Stroh gibt. Jede Form der Verbrennung in großen Mengen führt zu einer unnatürlichen Verknappung, vor allem weil der Strohhalm ohnehin nur noch in "Kurzform" existiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dem Acker ists egal ob die Reststoffe des Strohs wieder zurückkommen oder ob das Stroh direkt untergegraben wird.

    • JASN_DE
    • 27. August 2012 15:04 Uhr

    "Das ist doch irre! Vier Cent pro Liter mehr zahlen dafür, dass nicht zehn, sondern nur fünf Prozent Ethanol dem Benzin beigemischt sind?"

    Nein, das machen die wenigsten. Meistens die, bei denen ältere Autos E10 nicht vertragen. Der Großteil wird das wohl aus Verbrauchsgründen machen. Ein sehr unwissenschaftlicher Test hat bei mir einen Verbrauch von 7,3L E5 / 100km und 7,6L E10 / 100km ergeben. Der Unterschied ist so groß, dass der Mehrverbrauch den Preisvorteil von E10 einfach schluckt. Warum also E10 tanken? Außer natürlich um Herrn Sauter mehr Umsatz zu verschaffen.

  5. "E10 enthält zehn Prozent reinen Alkohol. Den trinken wir sogar. Warum soll es dann dem Auto schaden?"

    H. Sauter verbreitet gefährlichen Unsinn.
    E10 kann in vielen Fällen zu Problemen führen. Es greift verschiedene Gummi und Kunststoffe, aber auch Aluminium an.

    Nebenbei bemerkt: H. Sauter kann ja mal reinen Alkohol zu sich nehmen. Wenn er das eine Weile gemacht hat, wird er merken, dass das auch den Körper massiv angreift und schädigt.

    Wirklich hanebüchen, was der Mann so von sich gibt. Aber was macht man nicht alles, um Geld zu verdienen...

    Antwort auf "irrationale Autofahrer"
    • CNGolf
    • 27. August 2012 15:40 Uhr

    @ Kommentar 4: vom 27.08.2012 um 15:00 Uhr

    In welchem Stall gibt es denn noch Stroh? In den meisten Fällen dürfte sich das erledigt haben. Die langen Strohhalme wurden doch sogar extra auf "kurz" zurückgezüchtet, damit nicht so viel Stroh produziert wurde. Jetzt kann man es wenigstens anständig verwerten. Immerhin bringt Biomethan die höchste Energieausbeute je Flächeneinheit im Vergleich mit anderen Energieträgern! Wenn Tankstellenbetreiber schon dazu verdonnert wurden, einen bestimmten Prozentsatz des Treibstoffs aus regenerativer Erzeugung zu beziehen, dann ist mir der kleinste Flächenverbrauch gerade recht. Sie müssten also froh sein, Biomethan verkaufen zu können!

    Immer nur her mit dem Biomethan!!! Der absolute Coup wäre noch, wenn alle Erdgastankstellen auf Biomethan "umgestellt" würden, da hätte man gute Gründe, bei der Kfz-Steuer nur noch den auf Hubraum basierenden Anteil zu bezahlen. Der Passat ecofuel mit ca. 30€ Jahressteuer ist eh schon ein Knaller...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Stroh muss in den Boden zurück - idealerweise zusammen mit Festmist. Sonst wird das nichts mehr in naher Zukunft mit dem Essen....!!!!

    Grüße
    eine Milchbäuerin

    vom Hasen bis zur Ziege untergebracht ist. Nehmen sie den Pferdestall oder so manchen Kuhstall. Wenn oft auf die Stroheinstreu verzichtet wird, liegt es daran, dass Stroh mittlerweile zu teuer (durch die massenhaft Verbrennung) und durch die angezüchtete Kürze unbrauchbar geworden ist. Durch den Einsatz als "Energielieferant" habe ich aber die Hoffnung, dass es bald wieder "wachsen" darf. Vielleicht wird dann ein sinnvoller Schuh aus der Gesamtsituation.

  6. Es gibt viele Leute, die würden Bus und Bahn fahren, wäre das ÖPNV Angebot nicht so lausig. Hat ein Dorf weniger als 5000 Einwohner, kommt der Bus bestenfalls alle halbe Stunde zwischen 6 und 21 Uhr. Bisweilen sind die Umwege beachtlich und eine Fahrt, die mit dem Auto 15 Min dauert, dauert mit Bus eine Stunde, wenn alle Anschlüsse erreicht werden.
    Man weiß nicht, ob das Angebot so schlecht ist, weil alle Auto fahren oder das Umgekehrte zutrifft.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DDave
    • 11. September 2012 18:27 Uhr

    Aber zum Glück gibt es noch Mitfahrgelegenheit.
    Ansonsten Nachbarschaftshilfe, wenn möglich.

    Wenn ich Autofahrer über die hohen Spritpreise lamentieren höre, dann denke ich mir nur, solange, wie nur eine Person in einem Auto sitzt, kann das Benzin nicht teuer genug sein.

    Ich bin zwar nicht unabhängig vom Auto, aber ich versuche die Nutzung zu vermeiden, überall dort, wo es geht...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Europäische Union | Getreide | Biodiesel | Biokraftstoff | Gas | Kraftstoff
Service