Natürlich lebt eine Automobilmesse von ihren Premieren. Insbesondere, wenn es Weltpremieren sind. Nur: Warum muss uns die Automobilbranche regelmäßig mit Weltneuheiten behelligen, die bloß Studien sind und außerhalb der Messehallen nie das Licht der Welt erblicken werden?

Ein frisches Extrembeispiel stammt aus dem Hause Smart. Viele sind schon lange auf die nächste – die dritte – Generation des Smart Fortwo gespannt. Die aktuelle Version des Kleinwagens gibt es schon seit 2006, und 2013 soll die Neuauflage erscheinen. Doch wie sie aussehen wird? Das Unternehmen zögert die Präsentation einer Studie weiter hinaus. Stattdessen präsentiert es ein ums andere Mal verspielte bis skurrile Smart-Varianten, die nicht für den Markt taugen und deshalb nicht mehr als die Marketing-Bezeichnung Showcar verdient haben.

Auf der Automesse in Detroit wurde der Smart For Us vorgestellt, ein Pick-Up mit langer Ladefläche und Elektromotor. Man kann davon ausgehen, dass er niemals in Serie gehen wird. Jetzt kommen die Entwickler wieder mit einem Konzeptfahrzeug: "Forstars" haben die Marketing-Strategen das Auto getauft, das ab 29. September auf dem Pariser Autosalon gezeigt – und danach wohl wieder eingemottet wird.

Es ist ein langgestrecktes SUV-Coupé, das von der Seite betrachtet ein wenig an einen Mini denken lässt. Faktisch ist es kaum mehr als eine Weiterentwicklung des For Us: Die Designer haben über die Ladefläche nun eine gläserne Heckklappe gewölbt. Angetrieben wird das Fahrzeug vom 60 kW starken Elektromotor aus dem Brabus Smart electric drive.

Smartphone als Innenspiegel

Zwar konkretisiert Smart mit dem Messemodell ein wenig das grundlegende Design der nächsten Fortwo-Generation: An die Stelle der mandelförmigen Katzenaugen treten große rhombische Scheinwerfer, die Front ist überraschend breit und hat im Gegensatz zum aktuellen Serien-Smart eine Art vorspringende Nase. Mehr Realitätsnähe ist der 3,55 Meter langen Studie aber nicht zu bescheinigen.

Dafür haben die Designer allerhand Spielereien verwirklicht, die sicher kaum im nächsten Smart zu finden sein werden. Am praktischsten ist noch die Idee, die Sitze nur als Rahmen zu bauen, über die eine Stoffhülle gezogen wird. Nimmt man den Überzug am Beifahrersitz ab, kann ein Fahrer durch die offene Sitzschale hindurch auch lange Gegenstände verstauen und im Wagen transportieren. Was hingegen sicher auf den Messeauftritt beschränkt bleibt, ist die Nutzung eines Smartphones an Stelle des Innenspiegels. Die Halterung dafür ist oben mittig an der Innenseite der Windschutzscheibe befestigt. Eine Kamera am Heck soll dann ihr Bild an das Smartphone übertragen.

Erst recht zum reinen Gimmick verkommt ein Fahrzeugdetail, auf das die Smart-Marketingstrategen stolz gleich als erstes verweisen. Es ist ein Feature, das in einem Auto noch überflüssiger ist als ein Müdigkeitswarner. In die Fronthaube ist ein Beamer integriert, mit dem man Filme an eine Hauswand projizieren kann. Gesteuert wird er via Bluetooth über das Smartphone. Der Parkplatz wird zum Open-Air-Kino – darauf hat die Autowelt garantiert gewartet!

Auch wenn der Smart lifestylig sein will: Jetzt geht der Spieltrieb mit den Entwicklern zu sehr durch. Daimler, der seine Produkte gern mit der Bezeichnung Premium versieht, sollte sich in Erinnerung rufen, was damit eigentlich gemeint sein sollte: voranzugehen mit technisch innovativen Motoren, die sparsam und umweltfreundlich sind, und mit neu entwickelten Technologien, die die Verkehrssicherheit erhöhen. Noch gibt es Hoffnung, dass der neue Smart 2013 damit aufwartet. Und den Filmprojektor dort lässt, wo er hingehört.