Spanier, Griechen und Portugiesen haben derzeit anderes im Sinn als sich für neue Autos zu begeistern. Der südeuropäische Automarkt wird sich in den nächsten Jahren kaum erholen. Und auch in Frankreich fürchten viele einen heißen Herbst . Es herrscht also eine recht getrübte Stimmung, in der der Autosalon in Paris an diesem Samstag seine Tore öffnet und bis 14. Oktober Neuheiten präsentiert. Vor allem europäische Autobauer, die sich auf den lokalen Markt konzentrieren, blicken mit Bangen auf das schwache Marktumfeld. Strahlen können die Hersteller, die mit großen Modellen, sportlichen Wagen und SUVs in China , Russland , den USA oder Südamerika prächtige Absatzzahlen erzielen.

Doch gerade die französischen Marken zählen dazu eher nicht. Sie tun aber – von ihren Messeauftritten auf dem Gelände der Paris Expo her zu schließen – auch wenig dazu, dass das Geschäft in Europa in Bälde besser laufen könnte. So schwach hat man die Franzosen auf ihrer heimischen Messe wohl noch nie gesehen. Ein Citroën DS3 Cabrio – der ganz nebenbei ein Targa und kein Cabrio ist – und skurrile Elektro-Spielereien sind zu wenig, um Lust auf Citroën zu machen. Peugeot träumt mit dem geduckten Karbon-Sportwagen Onyx wirre Träume ohne Realitätsbezug.

Einer der wenigen französischen Lichtblicke ist der neue Polo-Konkurrent Clio , den Renault gleich in 20-facher Ausführung ausstellt. Gut, wenn man sonst nichts hat. Ansonsten glänzt nur die Renault-Billigmarke Dacia mit dem neuen Doppel aus Sandero und Stepway. Der Sandero ist mit einem Einstiegspreis von 6.790 Euro ein Knaller, das Design des Kompaktwagens ist solide.

Um den Golf kommt man nicht herum

Derweil laufen vor allem die deutschen Hersteller den Franzosen auf deren Salon den Rang ab – was nicht nur daran liegt, dass es in diesem Jahr keine IAA in Frankfurt gibt. Man könnte glauben, die Deutschen hätten den Frankfurter Messeturm kurzerhand ein paar hundert Kilometer weiter westlich aufgestellt und den Autosalon zu ihrer Heimatmesse gemacht. Beispiel VW : Ganze neun Monate wurde der Stand designt und neun Wochen lang aufgebaut. Auf der knapp 2.800 Quadratmeter großen Fläche in Halle vier ist nur der neue Golf VII zu sehen, sonst nichts. Nur die sportlichere GTI-Variante ist noch mit am Start.

Der Golf basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB), der neuen VW-Architektur für die kleineren Klassen. Ein großer Vorteil dieser Bauweise ist die große Variabilität. Die zeigt sich beim Audi A3 Sportback, der ebenfalls in Paris seine Weltpremiere feiert. Damit ist die MQB-Offensive auf dem Autosalon noch lange nicht vorbei. Auch der Seat Leon, der spanische Golf-Ableger, ist in Paris zu bewundern. Das kantigere Design soll die kränkelnde VW-Marke wieder stärken. Doch auf der Messe ist der durchaus sehenswerte Leon neben dem Golf nur ein Statist am Rande.

Für imposante Premieren ist in Paris auch BMW zu haben. Die Bayern zeigen erstmals öffentlich den ersten Van der Marke, den BMW Concept Active Tourer . Für den Antrieb über die Vorderachse sorgen Motoren mit drei Zylindern – gleich zwei Revolutionen für BMW auf einmal. Allerdings wird es noch zwei Jahre dauern, bis der Kompaktvan Modellen wie dem VW Touran oder der Mercedes B-Klasse Konkurrenz machen wird. Daneben stellt BMW die Einser-Reihe mit Allradantrieb und kräftiger Motorisierung als M135i xDrive vor. Die Konzerntochter Mini steht mit der sportlichen Countryman-Variante Paceman in der zweiten Reihe.