AutoindustrieDeutsche Autobauer machen Pariser Salon zu ihrer Messe

Selten wirkten die französischen Autobauer auf ihrer Heimatmesse so kraftlos: Die Branchenkrise trübt die Stimmung. Die Deutschen dagegen fahren groß auf. Ein Überblick von Stefan Grundhoff, Wolfgang Gomoll und Jürgen Wolff

Spanier, Griechen und Portugiesen haben derzeit anderes im Sinn als sich für neue Autos zu begeistern. Der südeuropäische Automarkt wird sich in den nächsten Jahren kaum erholen. Und auch in Frankreich fürchten viele einen heißen Herbst . Es herrscht also eine recht getrübte Stimmung, in der der Autosalon in Paris an diesem Samstag seine Tore öffnet und bis 14. Oktober Neuheiten präsentiert. Vor allem europäische Autobauer, die sich auf den lokalen Markt konzentrieren, blicken mit Bangen auf das schwache Marktumfeld. Strahlen können die Hersteller, die mit großen Modellen, sportlichen Wagen und SUVs in China , Russland , den USA oder Südamerika prächtige Absatzzahlen erzielen.

Doch gerade die französischen Marken zählen dazu eher nicht. Sie tun aber – von ihren Messeauftritten auf dem Gelände der Paris Expo her zu schließen – auch wenig dazu, dass das Geschäft in Europa in Bälde besser laufen könnte. So schwach hat man die Franzosen auf ihrer heimischen Messe wohl noch nie gesehen. Ein Citroën DS3 Cabrio – der ganz nebenbei ein Targa und kein Cabrio ist – und skurrile Elektro-Spielereien sind zu wenig, um Lust auf Citroën zu machen. Peugeot träumt mit dem geduckten Karbon-Sportwagen Onyx wirre Träume ohne Realitätsbezug.

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Einer der wenigen französischen Lichtblicke ist der neue Polo-Konkurrent Clio , den Renault gleich in 20-facher Ausführung ausstellt. Gut, wenn man sonst nichts hat. Ansonsten glänzt nur die Renault-Billigmarke Dacia mit dem neuen Doppel aus Sandero und Stepway. Der Sandero ist mit einem Einstiegspreis von 6.790 Euro ein Knaller, das Design des Kompaktwagens ist solide.

Um den Golf kommt man nicht herum

Derweil laufen vor allem die deutschen Hersteller den Franzosen auf deren Salon den Rang ab – was nicht nur daran liegt, dass es in diesem Jahr keine IAA in Frankfurt gibt. Man könnte glauben, die Deutschen hätten den Frankfurter Messeturm kurzerhand ein paar hundert Kilometer weiter westlich aufgestellt und den Autosalon zu ihrer Heimatmesse gemacht. Beispiel VW : Ganze neun Monate wurde der Stand designt und neun Wochen lang aufgebaut. Auf der knapp 2.800 Quadratmeter großen Fläche in Halle vier ist nur der neue Golf VII zu sehen, sonst nichts. Nur die sportlichere GTI-Variante ist noch mit am Start.

Der Golf basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB), der neuen VW-Architektur für die kleineren Klassen. Ein großer Vorteil dieser Bauweise ist die große Variabilität. Die zeigt sich beim Audi A3 Sportback, der ebenfalls in Paris seine Weltpremiere feiert. Damit ist die MQB-Offensive auf dem Autosalon noch lange nicht vorbei. Auch der Seat Leon, der spanische Golf-Ableger, ist in Paris zu bewundern. Das kantigere Design soll die kränkelnde VW-Marke wieder stärken. Doch auf der Messe ist der durchaus sehenswerte Leon neben dem Golf nur ein Statist am Rande.

Für imposante Premieren ist in Paris auch BMW zu haben. Die Bayern zeigen erstmals öffentlich den ersten Van der Marke, den BMW Concept Active Tourer . Für den Antrieb über die Vorderachse sorgen Motoren mit drei Zylindern – gleich zwei Revolutionen für BMW auf einmal. Allerdings wird es noch zwei Jahre dauern, bis der Kompaktvan Modellen wie dem VW Touran oder der Mercedes B-Klasse Konkurrenz machen wird. Daneben stellt BMW die Einser-Reihe mit Allradantrieb und kräftiger Motorisierung als M135i xDrive vor. Die Konzerntochter Mini steht mit der sportlichen Countryman-Variante Paceman in der zweiten Reihe.

Leserkommentare
  1. ..ja, aber im Kanzleramt, wo sie um Staats-Fakelaki kriechen, um ihre überflüssigen, tonnenschweren Fossilmobile subventionieren zu lassen, die keiner mehr kaufen kann. Krise? 4000,- Euro pro Monat in Arbeiter-Lohngruppe 8, 4 Wochen Weihnachtsferien, Weihnachts-und Urlaubsgeld, 21% auf Jahreswagen, 250000,- Euro Abfindung im Vorruhestand, 12 - 18 Millionen pro Jahr für Vorstandsvorsitzende: Eine Krise kann ich da nicht erkennen, bei 5,3 Milliarden Sternengewinn im letzten Jahr.

    3 Leserempfehlungen
  2. ...Renault-Chef ist, baut Mercedes jetzt die Autos, Citan, vielleicht bekommen wir bald einen Sternen-Citadine für 5000,- Euro, für mehr werden unsere Resteuronen nicht mehr reichen, nach der Reichenrettung.

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  3. ... sich und den Usern eigentlich diesen automobilen Hurra-Patriotismus der VDA-PK "Press-Infom" noch antun? Journalismus kann man das ja wohl kaum noch nennen; es sei denn man nennt inskünftig Pressemappenparaphrasen Journalismus. Kann man dieses Abo nicht kündigen? Dagegen sind ja die vielgescholtenen "Autotests" vom vereinigten Feuilleton wahre Trouvaillen ...

    6 Leserempfehlungen
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    • abtz
    • 29. September 2012 13:14 Uhr

    Dafuer gibt es dann Rabatt, beim Mietwagen und Neukauf.
    Mein zweiter Versuch einen "Auto"-artikel in der ZEIT zu lesen ist gescheitert: wahrscheinlich mussten 3 Autoren ran, um die auftretenden Schmerzen zu dritteln.

    • Zeugma
    • 01. Oktober 2012 12:52 Uhr

    Die Press-Inform-Kopien, getarnt als Auto-Ressortartikel, stoßen mir auch jedes Mal in diesem doch meistens als Qualitätsmedium erkennbaren Auftritt auf.

    • abtz
    • 29. September 2012 13:14 Uhr

    Dafuer gibt es dann Rabatt, beim Mietwagen und Neukauf.
    Mein zweiter Versuch einen "Auto"-artikel in der ZEIT zu lesen ist gescheitert: wahrscheinlich mussten 3 Autoren ran, um die auftretenden Schmerzen zu dritteln.

    Eine Leserempfehlung
    • abtz
    • 29. September 2012 13:26 Uhr

    Da wird von VW ueberhaupt nicht gesprochen. Dafuer sieht man viele schoene franzoesische und japanische Autos und Frauen, sogar mit Video.
    Vor allem Lemonde.

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    Betrachten wir die ganze Sache doch mal nüchtern: Der Golf hat das langweilige Einheittsbrei-Design der anderen Konzern-Modelle bekommen und ist technologisch ein Nachläufer. Wenn man nicht gerade ein Faible für VW hat, ist der Golf nicht viel mehr als ein Nebensatz bei solch einer Messe wert.
    Da haut ein protziger Messeauftritt auch nicht viel raus.

    Die Franzosen und Japaner haben viel Energie in die neuen Antriebstechnologien gesteckt, während VW immer noch den alten Blechkuchen verkauft. Natürlich steht VW jetzt rein finanziell gerade besser da. Aber wie sieht es denn dann in 2-3 Jahren aus, wenn die Konkurrenz langsam die Früchte ihrer Investitionen ernten kann, während VW und Co noch mit deutschen Steuergeldern das Ei des Kolumbus sucht?

  4. Ich habe einige der Presse-Events per Live-Stream mitverfolgt und hatte dabei schon den Eindruck dass effiziente Motoren und auch elektrische Antriebe schon ein Schwerpunkt dieser Messe sind.
    Daimler hat in jedem Segment ein Modell mit elektrischem Antrieb vorgestellt. Den Smart for Stars (Konzept), Die B-Klasse Electric Drive (200 km Reichweite), den SLS Electric Drive (mit 1000 Nm Drehmoment eine Rakete).
    Nissan den Terra (Konzept) und Renault den Zoe und es wird auch einen Renault Clio mit elektrischem Antrieb geben (die gleiche Platform wird von Smart für den Viersitzer benutzt)
    Der Bereich Lieferfahrzeuge mit elektrischem Antrieb wurde auf der Hannover Messe abgedeckt. Da gibt es auch einige Neuheiten. Dazu die Antriebe mit Erdgas oder kleinen verbrauchsarmen Verbrenner Motoren. Die Industrie hat offenbar verstanden in welche Richtung sie entwickeln muss.

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  5. Dieser Beitrag gibt einen realistischen Einblick, in welcher Phase der europäischen Einigung wir - zumindest in den Hirnen der Top-Meinungsbildner - tatsächlich stecken. Die drei Verfasser können offenbar ihr Triumphgeheul nur mit großen Mühen unterdrücken. Jetzt fehlt nur noch, dass Ferdinand Piech mit dem Zug nach Versailles fährt und die PSA-Verantwortlichen dort ihre Kapitulationsurkunde unterzeichnen.

    Im September 2013 ist übrigens wieder IAA in Frankfurt. Mal schauen, ob Deutschlands Autohersteller dann immer noch jubilieren. Das Audi-Werk Neckarsulm hat demnächst jedenfalls schon einmal eine Woche Produktionsstopp.

    2 Leserempfehlungen
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    ...weil sich keiner mehr C,-E,-und S-Klasse leisten kann, außer den Werksangehörigen.

  6. ...weil sich keiner mehr C,-E,-und S-Klasse leisten kann, außer den Werksangehörigen.

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  • Schlagworte BMW | Audi | Mercedes | Toyota | Fiat | Mercedes-Benz
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