Die Europäische Kommission steht in der Nutzung von Agrarkraftstoffen vor einer Kehrtwende. Nachdem wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis kamen, dass Sprit aus Mais, Zuckerrohr oder Raps das Klima stärker belastet als lange angenommen, will die Brüsseler Behörde die Verwendung künftig beschränken. Das geht aus einem Gesetzesentwurf hervor.

Demnach soll der Anteil von solchen Treibstoffen am gesamten Energieverbrauch im Transportsektor bis 2020 auf fünf Prozent begrenzt werden. Der Anteil der Treibstoffe aus Getreide beträgt in der EU schon heute 4,5 Prozent. Damit bleibt kaum Spielraum für einen weiteren Ausbau der Produktion.

Bislang verpflichtet eine europäische Richtlinie alle EU-Staaten, bis 2020 zehn Prozent des Treibstoffs im Verkehrsbereich aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Wegen dieser Vorgabe war in Deutschland der Kraftstoff E10 an Tankstellen eingeführt worden. Dabei wird aus Pflanzen gewonnener Treibstoff herkömmlichem Benzin zugegeben, mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent. Der neue Sprit war auf große Vorbehalte gestoßen, viele Autofahrer tanken ihn bis heute nicht.

Ende der Förderung

Ziel der Strategie war bisher stets, klimaschädliches CO2 einzusparen, denn bei der Verbrennung von Biokraftstoffen wird weniger CO2 frei. Umweltverbände hatten aber immer wieder auf die indirekten Klimaschäden hingewiesen. Zwar darf für den Anbau von Kraftstoffpflanzen kein Regenwald niedergebrannt werden, doch dieses Verbot führt oft dazu, dass Landwirte bestehende Felder umwidmen und sich für die Nahrungsmittelerzeugung neues Land durch Regenwaldrodung erschließen.

Solche negativen Folgen fürs weltweite Klima wurden bisher nicht berücksichtigt. Außerdem hatte die verstärkte Nachfrage etwa nach Mais für die Spritproduktion den Preis am Weltmarkt nach oben getrieben. Das löste Sorgen aus, die wachsende Nutzung von Getreide für die Energiegewinnung könne zu Engpässen bei Lebensmitteln führen.

Die EU-Kommission nimmt die Kritik nun auf und will auch die Subventionierung von Kraftstoffen aus Lebensmittelpflanzen in einigen Jahren beenden. "Die Kommission ist der Ansicht, dass in der Zeit nach 2020 Biotreibstoffe nur gefördert werden sollen, wenn sie zu einer deutlichen Senkung der Treibhausgase beitragen und nicht aus Getreide hergestellt werden, die für Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden", heißt es in dem Entwurf, dessen Endfassung im Oktober vorliegen soll. Danach geht diese in die Beratungen der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments.

Brüssel setzt auf Sprit aus Biomüll

Der Aktienkurs von Unternehmen, die Agrartreibstoffe herstellen, fiel am Dienstag zeitweise kräftig. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) lobte die EU-Kommission. Die Kehrtwende werde "den Preisdruck auf Lebensmittel verringern und zugleich den Druck auf die Autohersteller erhöhen, sparsamere Fahrzeuge anzubieten", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger . Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie wies den Ansatz insgesamt zurück. Die "willkürliche Kürzung bei Biokraftstoffen rettet keinen einzigen Hektar Regenwald", urteilte die Branchenorganisation in Berlin .

Statt Kraftstoff aus Lebensmittelpflanzen will die EU-Kommission die Produktion von Sprit aus Abfall, Stroh und Algen deutlich ausbauen. Agrarexperten fordern seit Längerem, auf diese sogenannte zweite Generation von Biotreibstoffen zu setzen. Diese konkurrieren nicht mit Lebensmitteln. Um sie effektiv nutzen zu können, muss aber noch Technologie entwickelt werden. Fachleute halten sie erst in zehn bis fünfzehn Jahren für marktreif.