BMW steht für Reihensechszylinder und Heckantrieb. Bisher. Doch die Zahl der Brennkammern wird aus Spritspargründen verringert, und jetzt verliert auch der Hinterradantrieb seinen Status als Kernelement der Marke. Fest steht, dass die nächste Generation des Einsers ab 2018 an der Vorderachse angetrieben wird. Mitte 2014 will BMW außerdem mit einem frontgetriebenen Kompakt-Van auf Kundenfang gehen. Und das, obwohl BMW jahrzehntelang die alleinseligmachende Dynamik des Heckantriebs predigte.

Die Konkurrenz hatte lange Anerkennung gezollt für die harte Linie in Sachen Fahrdynamik, Gewichtsverteilung und Heckantrieb. Aber nun knicken die Bayern ein. Der ehemalige Produktionsvorstand und jetzige Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer ist bereit, ein sportliches Alleinstellungsmerkmal den Skaleneffekten zu opfern, um BMW zukunftsfähig zu machen. Ein Stellhebel sind dabei möglichst viele Gleichteile und Synergieeffekte.

Das greift auch beim Kompakt-Van, der im Moment noch unter dem sperrigen Namen Concept Active Tourer firmiert. Er teilt sich die Plattform mit der dritten Generation des Minis, der Ende kommenden Jahres erscheinen wird. Der Van ist 4,35 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Damit bewegt er sich am oberen Ende der unteren Klassen. Die Studie wird Ende des Monats auf dem  Pariser Autosalon vorgestellt und dürfte zumindest äußerlich nahe an der Serienversion sein. Das Design ist nicht sehr überraschend, aber gefällig. Die kurzen Überhänge, die seitlich verlaufende Sicke und der Hofmeister-Knick in der C-Säule kennzeichnen den Wagen eindeutig als BMW.

Ohne breite Mittelkonsole

Die Motorhaube ist allerdings kürzer als bei den heckbetriebenen Brüdern. Statt harter pfeilgerader Kanten verleihen sanft nach außen verlaufende Linien dem Vorderwagen Sportlichkeit. Designer Michael de Bon vergleicht den Van mit einem Sprinter, der im Startblock kauert. Ob das die bevorzugt betagte Kundschaft in dem Van-Segment ähnlich sieht? Zu der sehnigen Physiognomie eines Usain Bolt fehlt noch etwas.

Das Prinzip Form follows Function durchzieht das gesamte Auto – typisch Van. Das beginnt bei den Airblades in den Türen und geht bis zu besonders aerodynamischen Felgen. Auffällig sind auch die großen Fenster und die tiefe Schulterlinie. Sie geben dem Fahrer zusammen mit der erhöhten Sitzposition einen guten Rundumblick. Das dürfte bei der Klientel gut ankommen. Auch das Fahrverhalten wird eher komfortabel sein.

Der Radstand von 2,67 Metern macht sich nicht nur bei der Silhouette, sondern auch im Innenraum bemerkbar. Vorn wie hinten ist ordentlich Platz. Ein Raumwunder mit der Beinfreiheit einer Oberklasse-Limousine ist der Concept Active Tourer aber nicht. Positiv ist, dass BMW innen auf den Mitteltunnel verzichtet. Die breite Mittelkonsole entfällt und lässt ein luftigeres Platzgefühl entstehen.

Viele der futuristisch anmutenden Bedienelemente dürften den Weg in die Serie allerdings nicht schaffen, ebenso wenig die einzelnen Bildschirme für die Fondpassagiere. Gute Chancen hat das aus dem Mini bekannte Rail-System, mit dem sich je nach Bedarf Getränkehalter, Armlehnen oder andere Elemente auf einer Schiene zwischen den Sitzen befestigen lassen. Dass die Rückbank verschiebbar sein wird, ist bei Vans schon gang und gäbe.