Design: So unübersichtlich müssen Autos nicht sein
In heutigen Autos ist die Rundumsicht oft schlecht, vor allem in SUVs. Das liegt an Sicherheitsanforderungen – aber nicht nur.
© Hersteller

Der Innenraum des neuen VW Golf mit dem Blick auf die A-Säulen und die vorderen Seitenfenster
Das Fahrgefühl in einem Mercedes W114 von 1968 ist erhaben. Man sitzt aufrecht im sogenannten Strich-Acht, das Auge schaut über die vorderen Kotflügel, und die großen Glasflächen um die filigranen A-Säulen des Daches geben den Blick auf die Umgebung frei. Nicht einmal eine Kopfstütze schränkte in den sechziger Jahren die Rundumsicht ein.
Die Zeiten der schönen Aussicht sind vorbei. Heute bewegt sich der Autofahrer in Karosserien, die von der Umgebung abschotten. Die Übersicht ist ein Bewertungskriterium, in dem fast alle Autos sich kontinuierlich verschlechtern – obwohl sie es nicht müssten. Davon ist auch Dino Silvestro, Projektingenieur am ADAC-Technikzentrum in Landsberg, überzeugt. Dort sind seit 2006 rund 700 Autos einem Messverfahren unterzogen worden, das abseits aller Emotionen objektive Vergleichsmaßstäbe anlegt.
Auf Augenhöhe eines 1,74 Meter großen Fahrers wird eine Kamera installiert, die ein Rundumbild erstellt. Auf dessen Basis werden Sichtbehinderungen bewertet und je nach Karosseriesäule unterschiedlich gewichtet. Die Einschränkung des Blicks nach rechts durch die B-Säule etwa wird weniger stark berücksichtigt als ein verdeckter Blick nach rechts hinten durch die C-Säule, wo sich zum Beispiel Radfahrer aufhalten könnten. Am Ende vergibt der ADAC Noten zwischen der Bestzensur 0,6 und dem schlechtesten Wert 5,5. Auf der Website des ADAC kann man die Ergebnisse abrufen.
SUV fallen durch
Die Ergebnisse sind ein Desaster für die Autoindustrie. Zwar gibt es Positivbeispiele für Fahrzeuge oder ganze Klassen. Kleinwagen schneiden generell gut ab, etwa der dreitürige VW up! (Note 2,3). Auch der Renault Grand Espace (2,4) wird seinem Ruf als fahrender Wintergarten gerecht. Cabrios und Roadster aber gehen komplett unter, beispielsweise der Renault Wind (5,5). Auch Durchschnittsautos vom Format eines Hyundai i30 (3,8) können kaum überzeugen.
Ein in mehrfacher Hinsicht herausragendes Negativbeispiel ist das Segment der SUV. Ein BMW X5 etwa hat außer der schlechten Note in der Rundumsicht (4,9) noch ein zweites Problem. Der ADAC misst in seinem Test nämlich nicht nur, wie die Karosseriesäulen die Sicht verdecken, sondern auch, wie hoch ein Hindernis – oder wie groß ein Kind – sein muss, damit es in einem Meter Abstand vor oder hinter dem Auto gesehen werden kann. Beim X5 sind das wegen der hoch angesetzten Heckscheibe 1,28 Meter. Darunter ist der Fahrer blind. "Elektronische Helfer wie Rückfahrkameras sind unerlässlich, um die Gefahr von Unfällen zu verringern", sagt Dino Silvestro.







ATTRAKTIV und sportlich möchten viele Kunden wahrgenommen. Einschränkungen werden vom Bauchgefühl für weniger groß eingestuft. Frauen tragen Röcke auch wenn das Risiko von Blasenentzündungen zunimmt; Frauen ziehen sich manchmal auch bei fallenden Temperaturen zu dünn an. Männer wollen mit sportlichen Formen, Größe und Stärken beeindrucken. Die gewählte Mode definiert sich nicht nur von Ergonomie und Zweckmäßigkeit.
Die Coupémode im Auto ist natürlich eine unerbittliche Antiergonomiemode. Autos werden größer, aber innen kleiner, da Überhänge größer ausfallen müssen. Fenster werden schmaler und hinten noch kleiner, um dynamische Linien zu ermöglichen. Der Einstieg wird schwerer und das Fahren fast liegend wahrgenommen ;-) - für Einstieg und Austieg ist schon eine gewisse Gelenkigkeit nötig. Schönheitsidealen zu entsprechen ist nicht immer schmerzfrei. Schönheit verkauft sich aber besser.
Autos werden aber immer teurer und Menschen über 50 Jahre werden sich notgedrungen Gedanken über die Ergonomie machen. Auch ist diese Kundschaft zumindest in den reifen Industriegesellschaften vermögender. Der SUV-Trend neutralisiert die negativen Designeffekte etwas u. ermöglicht einen leichteren Einstieg und etwas "mehr Raumhöhe". Zudem wird es noch als sportlich wahrgenommen. Auch sind Wachstumsraten u. Rendite stimmig. Da die Mode so tickt werden nun viele Autos SUV-Elemente erhalten. Die Ergonomie wird so verbessert. Zwar ein Umweg, aber Mode tickt so. Kleine SUV´s ist der neue Trend.
die angemahnte "gegenseitige Rücksichtnahme" ist für die meissten Autofahrer und vor allem für Fahrer der einschlägignen übermotorisierten Blechberge ein absolutes Fremdwort.
Haben Sie schonmal einen Aussenspiegel abbekommen?
Wo ist das Fehlverhalten des Radfahrers?
Der SUV hat den Mindestabstand unterschritten und einen Kratzer abbekommen.
Und Herr Jurist:
Mit der Macht steigt auch die Verantwortung.
Wenn der Radfahrer mal dem SUV gegenüber Rücksichtslos ist hat der SUV nen Kratzer.
Ist es anders herum ist der Radfahrer tot.
Einen perfekt sitzenden Anzug würde ich nie gegen Jogging-Klamotten eintauschen. Er ist mindestens ebenso bequem, sieht, wie Sie ja sagen, deutlich besser aus, man hat eine jacke mit diversen Verstaumöglichkeiten etc.
Aber das ist vermutlich Erfahrungs- und Ansichtssache...
sicher haben Sie mit der Einschätzung recht, dass beim genannten Vorfall ein erheblicher Schaden entstanden sein dürfte. Ihnen wird ganz sicher auch jeder Richter folgen, denn es ist ein Akt der Selbstjustiz.
Was natürlich von Gerichten nicht bewertet werden kann, ist die Gefahr, die das Fehlverhalten des SUV-Fahrers ausgelöst hat, und der möglicherweise eingetretene Lerneffekt des SUV-Fahrers, dass er niemanden so nah überholen sollte, und damit dann auch die Hoffnung, dass demnächst derartige Gefahrensituationen vermieden werden. All dies lässt sich in konkreten Schadenssummen, von denen Ihre Branche nun mal abhängt, nicht ausdrücken.
Und doch könnten Sie zu Vergleichszwecken mal annehmen, dass damit vielleicht ein Leben verschont wurde, ....
Ich wollte eigentlich keinen Applaus spenden für die Tat, weil mir Selbstjustiz fern liegt, und doch muss ich zugeben, schon öfter über genau jene "Rache" nachgedacht zu haben. Die Abschaffung des Sicherheitsabstandes ist ein viel zu häufig beobachtetes Delikt, was leider zu 99,9% straffrei bleibt.
Als Jurist muss man sich eh schon einiges anhören.
Und dann kommen Sie noch um die Ecke mit "Ich als Jurist...". Geht's noch peinlicher? Sie dürfen ja gerne Ihre Meinung kundtun, aber lassen Sie doch bitte diese "Ich als Fachmann erkläre Euch Laien jetzt mal was"-Attitüde.
Herzlichen Dank für den Bärendienst im Namen aller Kollegen.
jemand wie Sie gibt einem ja den glauben an Ihre Zunft zurück.
Ich als MENSCH urteile und handle im übrigen in der Regel nicht aufgrund den Strafgesetzbuches sondern aufgrund meines Verstandes und vor allem Situationsbezogen.
Wenn ich auf dem Fahrrad sitze und mir kommt eine Gruppe Kindergartenkinder NEHME ich Rücksicht.
Kommt mir ein SUV entgegen - VERLANGE ich sie.
jemand wie Sie gibt einem ja den glauben an Ihre Zunft zurück.
Ich als MENSCH urteile und handle im übrigen in der Regel nicht aufgrund den Strafgesetzbuches sondern aufgrund meines Verstandes und vor allem Situationsbezogen.
Wenn ich auf dem Fahrrad sitze und mir kommt eine Gruppe Kindergartenkinder NEHME ich Rücksicht.
Kommt mir ein SUV entgegen - VERLANGE ich sie.
Lieber StudentD,
„etwas in die Enge bugsiert“ ist Euphemismus.
Radfahrer sind schwache Verkehrsteilnehmer.
Und auf diese habe stärkere Rücksicht zu nehmen.
Das heißt u.a. einen Sicherheitsabstand beim Überholen von mindestens 1,5 Meter ist einzuhalten. Der in der Praxis, in der Stadt, fast nie eingehalten wird.
Und genau das hat der SUV Fahrer in meinem Fall nicht ansatzweise getan. Das Auto (der Spiegel) hat meinen Arm berührt. Das Zucken mit der Hand war also quasi Reflex. Und damit irgendwie Notwehr. Das Thema Sachbeschädigung ist in diesem Fall – wie Sie sich denken können – für mich völlig irrelevant.
Die Spurbreite der Fahrbahn lag bei ca. 3 Metern. Dieser SUV hatte mit Spiegeln vermutlich über zwei Metern. Sie können sich ausrechnen, wie Viel Platz er mir aufgrund des Gegenverkehrs eingeräumt hat.
Jetzt hat das Auto einen Denkzettel und der Fahrer auch. Und das ist gut so.
Ultimative Sicherheitsabstandsmaschine? Ein Rad mit Gepäckträger, darauf QUER befestigt ein länglicher, metallischer Gegenstand, der ungefähr 20 cm links und rechts über die Schultern des Radfahrers hinausragt. Wenn zu dicht überholt wird, schrammt es. Wobei, da müsste zuerst die Radwegpflicht abgeschafft werden, denn bei den üblichen schmalen Radwegen und danebenliegender Fußgängerspur spießt man damit vielleicht eher Unschuldige auf. :-(
... wie oft überschlägt man sich in seinem leben mit einem auto? wieviele unfälle hat man, die man nur dank modernster technik überleben kann? wie oft kommt man mit dem eigenen "fahrerischen können" so eklatant in den grenzbereich, oder darüber hinaus, dass die assistenzsysteme überhaupt in erscheinung treten? natürlich gibt es menschen die kritische situationen nur deshalb überlebten. das ist auch vollkommen logisch. wenn alle fußgänger stahlhelme trügen, würden viele den obligatorischen blumentopf (dachziegel, usw) überleben. das ist alles nur eine frage der wahrscheinlich- bzw verhältnismässigkeit...
wer zu solch situativen phobien neigt wird momentan eine grosse auswahl an fahrzeugen (stahlhelmen usw...) vorfinden
"24. aber sind wir mal ehrlich...
... wie oft überschlägt man sich in seinem leben mit einem auto? wieviele unfälle hat man, die man nur dank modernster technik überleben kann?"
Wenn Sie in einem Auto mit Sicherheitstechnik aus den 80ern fahren wird Ihnen ersteres wahrscheinlich nur einmal im Leben passieren und dann nie wieder.
Was glauben Sie warum die Verkehrstoten in Deustchland abnehmen? EIn sehr großer Teil davon ist moderner Sicherheitstechnik zu verdanken. Sprich Airbags, Karosserieversteifungen und Knautschzonen. Selbst in den letzten 10 Jahren hat sich hier noch einiges getan.
Diese Technik hat schon viele Todesfälle verhindert und aus Schwerverletzten Leichtverletze gemacht.
Ich habe vor kurzem auf der Autobahn einen neuen 5er BMW gesehen, der womöglich mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war und zuerst gegen ein Auto, dann gegen eine Leitplanke und dann noch einmal quer über die Fahrbahn geschleudert ist. Ergebnis: Die gesamte Karosserie von außen war an mehreren Seiten vollkommen zerstört. Die Insassenzelle hat aber kaum nachgegeben. Die Personen blieben unverletzt! So ein Unfall würde in einem 20 Jahre alten Auto ganz anders ausgehen.
Aber sprechen Sie bei X Tausend Toten jährlich ruhig von einer "situativen Phobie".
Danke für Ihre Rückmeldung. Das einzige Problem aber ist die weniger zart gezimmerte Realität: solche Tests sind gesetzlich vorgeschrieben, d.h. die Hersteller müssen sie erfüllen, unabhängig davon, was wir von den konkreten positiven Auswirkungen in einem Crash halten. (von mir aus sollte dem Kunden die Möglichkeit eingeräumt werden, freiwillig darauf zu verzichten, womit er freilig den Hersteller kaum mehr für etwas haftbar machen darf. Aber das würden dann die meisten Kundenn eben doch nicht machen... Und so schleppt man halt lieber weiter die paar Dutzend Kilo Mehrgewicht (Airbags, Seitenaufprallschutz, usw.) die ganze Zeit mit.
"24. aber sind wir mal ehrlich...
... wie oft überschlägt man sich in seinem leben mit einem auto? wieviele unfälle hat man, die man nur dank modernster technik überleben kann?"
Wenn Sie in einem Auto mit Sicherheitstechnik aus den 80ern fahren wird Ihnen ersteres wahrscheinlich nur einmal im Leben passieren und dann nie wieder.
Was glauben Sie warum die Verkehrstoten in Deustchland abnehmen? EIn sehr großer Teil davon ist moderner Sicherheitstechnik zu verdanken. Sprich Airbags, Karosserieversteifungen und Knautschzonen. Selbst in den letzten 10 Jahren hat sich hier noch einiges getan.
Diese Technik hat schon viele Todesfälle verhindert und aus Schwerverletzten Leichtverletze gemacht.
Ich habe vor kurzem auf der Autobahn einen neuen 5er BMW gesehen, der womöglich mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war und zuerst gegen ein Auto, dann gegen eine Leitplanke und dann noch einmal quer über die Fahrbahn geschleudert ist. Ergebnis: Die gesamte Karosserie von außen war an mehreren Seiten vollkommen zerstört. Die Insassenzelle hat aber kaum nachgegeben. Die Personen blieben unverletzt! So ein Unfall würde in einem 20 Jahre alten Auto ganz anders ausgehen.
Aber sprechen Sie bei X Tausend Toten jährlich ruhig von einer "situativen Phobie".
Danke für Ihre Rückmeldung. Das einzige Problem aber ist die weniger zart gezimmerte Realität: solche Tests sind gesetzlich vorgeschrieben, d.h. die Hersteller müssen sie erfüllen, unabhängig davon, was wir von den konkreten positiven Auswirkungen in einem Crash halten. (von mir aus sollte dem Kunden die Möglichkeit eingeräumt werden, freiwillig darauf zu verzichten, womit er freilig den Hersteller kaum mehr für etwas haftbar machen darf. Aber das würden dann die meisten Kundenn eben doch nicht machen... Und so schleppt man halt lieber weiter die paar Dutzend Kilo Mehrgewicht (Airbags, Seitenaufprallschutz, usw.) die ganze Zeit mit.
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