Fahrradkurier in Berlin auf einem Lastenrad © Amac Garbe/DLR

Eine Proberunde auf dem Lastenrad? Da lehnen viele Menschen ab. Sie fürchten, die Kontrolle über die langen Kutschen zu verlieren und zu stürzen. Hans Dorsch sind derlei Ängste fremd. Bereits als elfjähriger Knirps bugsierte er seine Freunde auf der Ladefläche seines Lastenrads durch Bamberg . Später in Köln erledigte er mit dem Rad seinen Umzug. Heute fährt er damit zur Arbeit, zum Einkaufen und abends ins Kino.

Damit ist Dorsch eine Ausnahme. Zwar sieht man in Großstädten mittlerweile öfter Cargo Bikes über die Straße rollen, aber noch sind die langen Vehikel mit zwei oder drei Rädern eindeutig ein Nischenprodukt. Dabei bergen sie enorme Möglichkeiten für Alltagsradler wie für Gewerbetreibende.

Mehr als jedes andere Velo hat das Transportrad das Zeug dazu, den Kleinwagen in der Stadt zu ersetzen. In Kopenhagen ist das bereits geschehen. Dort besitzt immerhin jeder sechste Stadtbewohner ein Lastenrad. Von derlei Zahlen ist Deutschland weit entfernt. "Aber Transporträder spielen auch hier zusehends eine ernstzunehmende Rolle", sagt der Münchener Fachhändler Florian Borde. Einige seiner Kunden ersetzen damit bereits ein Auto.

Anfahren unter Last fordert Gewöhnung

Zurzeit sind es laut Händlern vor allem junge Eltern, die Lastenräder kaufen. Sie wollen während der Fahrt mit ihren Kindern sprechen und die Transportbox sehen, um leichter den Abstand zu Pollern oder Autos abzuschätzen zu können. Das gibt ihnen Sicherheit.

Aus Sicherheitsgründen favorisieren Einsteiger anfangs häufig dreirädrige Lastenräder. Sie können nicht umfallen, weder im Schneckentempo noch beim Ampelstopp. Ihr Nachteil ist ihr Gewicht. Sie sind bedeutend schwerer und behäbiger als zweirädrige Transporter.

Dass sich auch Cargo Bikes mit zwei Laufrädern lässig lenken lassen, zeigen die Erfahrungen auf Fahrradmessen. Dort wagen auf der autofreien Teststrecke auch Anfänger eine Probefahrt. Die erste Runde pedalieren sie noch am Rand entlang, konzentriert und etwas wackelig. Das Fahrgefühl ist etwas fremd. Das Vorderrad sitzt vor der Ladefläche, das vergrößert den Wendekreis. Doch einige Runden später sitzen die Fahrer bereits lächelnd im Sattel. Kurze Zeit danach bitten sie ihre Begleiter, sich auf die Ladefläche zu setzen.

Das ist der Moment, in dem es schwierig wird: Das Anfahren unter Last geht in die Beine und muss geübt werden. Ist das Fahrzeug aber einmal in Fahrt, spürt man auf ebener Strecke das Gewicht kaum. Es ist wie beim Tandem: Hat der Radler einmal Vertrauen gefasst, lenkt er den Transporter wie ein herkömmliches Velo.