ErdgasDer Benz, der Benzin nur zur Reserve braucht

Mercedes ergänzt die B-Klasse um ein Erdgas-Modell. Es stößt nicht nur weniger CO2 aus, der Fahrer spart auch Geld. Da ist das geringere Höchsttempo zu verschmerzen. von Jürgen Wolff

Mercedes B 200 Natural Gas Drive an der Erdgastankstelle

Mercedes B 200 Natural Gas Drive an der Erdgastankstelle  |  © Hersteller

Im üblichen Marketing-Englisch formulieren die zuständigen Daimler-Mitarbeiter, was die Mercedes B-Klasse aus ihrer Sicht zum idealen Erdgasauto macht. "Energy Space" nennen sie den Teil des "modularen Karosseriekonzepts", der einem großen und zwei kleineren Erdgastanks Platz bietet: ein zumindest teilweise doppelter Boden unter der Rücksitzbank. So muss nicht wie bei anderen Erdgasautos der Kofferraum ordentlich Volumen für die Gasbehälter abgeben.

Die drei Tanks in der B-Klasse mit dem Zusatz Natural Gas Drive können mit insgesamt 125 Litern Erdgas, auch kurz CNG genannt , befüllt werden, was rund 21 Kilogramm entspricht. Das reicht angesichts eines Normverbrauchs von 4,2 Kilogramm je 100 Kilometern für eine Strecke von rund 500 Kilometern. Ist dann keine Erdgas-Zapfsäule in Reichweite, schaltet der Mercedes automatisch und praktisch unmerklich auf Benzinversorgung um. Dann stehen aus einem separaten Benzintank noch einmal zwölf Liter Treibstoff zur Verfügung.

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Umschalten kann allerdings nur die Fahrzeugelektronik selbst, nicht der Fahrer. Immerhin zeigt das Kombi-Instrument im Cockpit an, mit was man gerade unterwegs ist. Das Prinzip, nach dem der Motor grundsätzlich mit Gas betrieben wird, schränkt zwar die Wahlfreiheit des Fahrers ein – aber auch die des Finanzamts: Das muss den B 200 Natural Gas Drive günstig als zertifiziertes Erdgasfahrzeug besteuern.

Etwas langsamer, dafür umweltfreundlicher

Auch an der Tankstelle spart der Erdgas-Fahrer . Daimler rechnet vor, dass man gegenüber dem herkömmlichen Benziner mit rund 50 Prozent niedrigeren Treibstoffkosten unterwegs ist, wenn man den CNG-Verbrauch auf das entsprechende Energieäquivalent von Benzin umlegt.

An der Motorleistung selbst ändert sich zum rein benzingetriebenen B 200 nichts: Es bleibt bei 115 kW (156 PS), wahlweise gibt es ihn mit Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe. Bei der Umsetzung dieser Leistung auf die Straße geht es der Gas-Benz allerdings etwas geruhsamer an. Für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h benötigt er 9,1 Sekunden statt 8,6 Sekunden wie der Nur-Benziner, und als Höchstgeschwindigkeit schafft er nur 200 km/h statt 220.

Doch das ist vernachlässigbar, zumal der CNG-Mercedes sauberer unterwegs ist als der B 200 BlueEfficiency mit Benzinmotor. Der bläst pro Kilometer 138 Gramm CO2 durch den Auspuff – sein Bruder mit Gasantrieb bleibt mit 115 Gramm deutlich darunter. Das verschafft ihm nicht nur die Effizienzklasse A+, er erfüllt damit auch schon die ab Herbst 2014 geltende Abgasnorm Euro 6. Zudem kann die CNG-betriebene B-Klasse auch mit synthetisch aus grünem Strom hergestelltem Gas fahren.

Mercedes stellt den B 200 Natural Gas Drive Ende des Monats als Weltpremiere auf dem Pariser Autosalon vor. Optisch unterscheidet sich die CNG-Variante nur in kleinen Details von den anderen Modellen der aktuellen B-Klasse, die im November 2011 auf den Markt kam. Bei den Händlern soll der Erdgas-Mercedes ab Anfang 2013 stehen. Zu welchem Preis, verrät Daimler noch nicht. Den normalen B 200 gibt es zu einem Basispreis von 28.292 Euro.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Mercedes | Daimler AG | CO2
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