Verkehrspolitik : Mehr Radverkehr – darf aber nichts kosten
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Promillegrenze für Radler bleibt

Zunehmende Probleme sind künftig vor allem durch den immer schneller werdenden Radverkehr zu erwarten, zumal immer mehr von Elektroantrieben unterstützte Fahrräder, sogenannte Pedelecs, unterwegs sind. Zur Zeit untersucht der Bund den Einfluss von Pedelecs auf die Verkehrssicherheit.

Bislang nicht zufriedenstellend gelöst ist nach Ansicht des Verkehrsministers auch die Problematik des "toten Winkels" bei Lkw und Transportern. Der Bund hat alle Verantwortlichen an einen Tisch geholt, um die Entwicklung und Einführung eines "Abbiegeassistenten für Lkw" zu beschleunigen.

Was tut der Bund für mehr Verkehrssicherheit der Radler?

Der Radverkehrsplan 2020 soll dazu beitragen, das Ziel des Verkehrssicherheitsprogramms 2011 zu erreichen: die Zahl der verletzten und getöteten Menschen im Straßenverkehr um 40 Prozent zu senken. Dazu seien aufeinander abgestimmte Konzepte von Bund, Ländern und Kommunen für Verhalten, Infrastruktur und Verkehrsregelung sowie Technik nötig. Eine Helmpflicht wird dabei nicht angestrebt, man will lediglich stärker für das Tragen von Fahrradhelmen werben. Nur 11 Prozent der Radler trugen 2011 einen Helm. Bei Kindern zwischen sechs und zehn Jahren waren es 59 Prozent.

Alkoholisierten Radfahrern wird noch nicht der Kampf angesagt. Die Promillegrenze für Radler, die bei 1,6 liegt, will Ramsauer nicht antasten, dieses Problem werde lediglich "aufmerksam beobachtet". Dagegen spricht sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) dafür aus, 1,1 Promille als neuen Gefahrengrenzwert zu definieren, ab dem Bußgeld verhängt wird.

Gemeinsam mit den Ländern wird hingegen derzeit geprüft, ob es härtere Strafen im Radverkehr, etwa gegen sogenannte "Kampfradler", geben soll. Das Gleiche gilt aber auch für Sanktionen gegen Autofahrer, die Radler behindern durch unzulässiges Parken oder Halten auf Radwegen. Bei der Fahrzeugindustrie mahnt der Bund neue Lösungen für mehr Sicherheit an – etwa Warnsysteme für sich öffnende Türen oder Außenairbags.

Was will Berlin für Radfahrer tun?

Auch in der Hauptstadt gibt es ein Programm, um den Fahrradverkehr zu fördern. Die 2004 beschlossene Radverkehrsstrategie des Senats soll nun fortgeschrieben werden, doch der Entwurf ist an Einwänden der Finanz- und Innenverwaltung hängen geblieben. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) will den vorgesehenen Anstieg der Investitionen für den Radverkehr nicht mittragen; Innensenator Frank Henkel (CDU) befürchtet weitere Personalausgaben, weil nach dem Entwurf in Zukunft die Mitarbeiter der Ordnungsämter auch die Radfahrstreifen und Radwege "konsequent in ihre Kontrollen einbeziehen" und gegen Falschparker vorgehen sollen.

Der Anteil der Radfahrer am Verkehr liegt inzwischen bei 13 Prozent – Tendenz steigend. Rund 3,5 Millionen Euro steckt das Land jährlich in die Infrastruktur für den Radverkehr. Die Ausgaben sollen nach dem Entwurf bis 2015 auf dann 17,5 Millionen Euro steigen – rechnerisch sind das fünf Euro pro Einwohner.

Vor allem Unfallschwerpunkte sollen beseitigt werden. Aber auch Radparkplätze sollen entstehen und eine Grüne Welle soll erprobt werden. Radwege werden kaum noch gebaut; die frühere Benutzungspflicht ist nach zahlreichen Klagen vor Gericht meist aufgehoben worden. Die inzwischen üblichen Markierungen von Radspuren auf den Fahrbahnen sind zudem billiger zu haben. Vorhandene Radwege sind aber oft sanierungsbedürftig. Wo das Geld dafür fehlt, schrauben die Bezirke einfach das blaue Schild ab, das zum Befahren zwingt – zuletzt etwa entlang der Lietzenburger Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Erschienen im Tagesspiegel

Kommentare

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Mitarbeiter einsparen - die Zahlen

Auf WDR5 wurde ueber eine Anfrage an Ramsauer's Ministerium berichtet, wieviele Mitarbeiter sich dort eigentlich mit dem Radverkehr beschaeftigten. Zuerst wusste der zustaendige Sprecher gar keine Zahlen, dann hiess es zwei und spaeter wurde die Zahl nach einer Zaehlung auf sechs Mitarbeiter korrigiert. 6 von insgesamt 2000 Mitarbeitern die sich mit Verkehrsthemen beschaeftigen.

Da sieht man gut wo die Prioritaeten dieses Ministeriums liegen und warum die Qualitaet der Vorschlaege so gering ist wenn es um den Radverkehr geht.

Meine Erfahrung lehrt etwas anderes:

Nicht alle Probleme lassen sich durch eine totalitäre Gesetzgebung und -auslegung lösen.
Insbesondere die Sicherheit beim Fahrradfahren lebt weniger von Gesetzen als vom Mitdenken aller Beteiligter.
Immerhin in einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Wenn man das Radfahren mit Vorschriften, Verboten, Strafen usw. aller erdenklicher Art verunmöglichen möchte, dann sollte man zumindest auch die - noch vorm Bei-Rot-Rüberradeln - häufigste Regelmißachtung in D'land nicht ganz unerwähnt lassen: die Nichteinhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen durch Kfz's.

Radwege in Großstädten...

Ich fahre täglich in Köln Rad, in der Woche mindestens 100Km. Dabei fällt auf: keine Radwege sind besser als schlechte Radwege. Sobald Ausfahrten über einen Radweg auf die Straße führen, lebt der Radler gefährlich. Gehalten wird seitens des Autofahrers nämlich frühstens an der Sichtlinie der Straße.
Was die Mio-investitionen ins Radwegnetz angeht: man hat hier in Köln einen Teil der Venloer Straße komplett erneuert, inkl. der Parkbuchten und hat den Radweg - gute Idee! -auf die Straße gelegt. Man hat aber nicht etwas bei der Neuanlage der Parkbuchten Platz geschaffen, nein! Man hat die Straße am Rad rot angepinselt und nun kommt kein Auto mehr am Radfahrer vorbei. Nicht gefahrlos, versteht sich. Positives Beispiel ist die Subbelrather Straße (Abschnitt). Da ist der Radweg und die Straße breit genug. Vorausgesetzt, es parkt nicht grade ein Auto drauf. Ich bin für Radverkehr auf der Straße, da fährt es sich erfahrungsgemäß und auch laut diverser Studien am sichersten, da man sich gegenseitig besser beachtet. Herr Ramsauer sollte allgemein sehr viel mehr gegen Verkehrssünder vorgehen, egal welches Fortbewegungsmittel genutzt wird! Alle Rot- und Geschwindigkeitssünder: hohe Strafen! Fahren auf dem Radweg gegen die Richtung: Strafen! Parken auf dem Radweg: Strafen! Rücksicht lernt heute keiner mehr, wenn es nicht im Portmonnaie wehtut! Und nochwas. Helmpflicht!

Schöne Grüße! Und bevor jemand was plant, sollte er die Welt auch mal von allen Seiten betrachten, auch vom Rad aus!!!!

Verwunderung über den Minister

Es ist schon verwunderlich, dass es keine gesetzliche Helmpflicht bei Fahrradfahrern gibt. Allein der Versicherungswirtschaft entstehen durch die fehlende Helmpflicht Kosten in Milliardenhöhe, ebenso den Renten- und Krankenkassen. Wo sind eigentlich hier die sonst so lautstarken Lobbyvertreter? Hier könnten sie etwas für die Unternehmen, die sie vertreten, unternehmen - zum Wohle Aller.

Ein weiteres Problem ist Alkohol im Straßenverkehr. Hier wird sich die CSU auf keinen Fall bewegen und zwar weder bei der 0,0-Promillegrenze beim Autofahren, noch bei einer deutlichen Herabsenkung der Promillegrenze bei Fahrradfahrern. Man fürchtet massiven Ärger mit der eigenen Basis - zumal ja einmal ein bayerischer Ministerpräsident lautstark die Meinung geäußert hat, man könne auch mit zwei Maß Bier intus noch gut Auto fahren. Dabei ist es hinlänglich bekannt, dass die allermeisten Unfälle unter Alkoholeinfluss passieren.

Auch bei den sogenannten "Kampfradlern" wird sich voraussichtlich nichts tun. Hierbei handelt es sich sehr oft um sogenannte "Fahrradkuriere", die ihren Job und ihre Firma Aufträge verlieren, sollte hier der Staat durchgreifen. Auch in den Ministerien würde man es sehr sehr schnell zu spüren bekommen, sollten die Fahrradkuriere langsamer werden oder gar ganz weg fallen.

Belege?

Wie kommen Sie auf solche Aussagen?

Die Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen des Helmtragens ist dem einzelnen Radfahrer ja wohl noch zuzumuten. Bislang darf ist sogar in meinem gefließten Bad ohne Helm auf die Leiter steigen (und Stürze im Haushalt sind für die Versicherungswirtschaft wesentlich teurer als Radunfälle).

Zum Alkohol: Dass 1,6 Promille extrem viel sind, sehe ich auch so. Eine "0,0-Promillegrenze beim Autofahren" wie Sie sie zu propagieren scheinen, ist jedoch nicht zielführend, weil sie auf eine Nachweisgrenze hinausläuft (und damit auf maximale Rechtsunsicherheit). Wieso nicht 0,2 Promille oder so ein Wert, bei dem man sich auch sicher sein kann, dass man darunter liegt, wenn im umgangssprachlichen Sinne "nichts getrunken" hat?

Wo kommt die Aussage mit den Radkurieren her? Haben Sie dafür eine Quelle?
Und was meinen Sie mit "durchgreifen"?

Überregulierung

"Alle Rot- und Geschwindigkeitssünder: hohe Strafen! Fahren auf dem Radweg gegen die Richtung: Strafen! Parken auf dem Radweg: Strafen! Rücksicht lernt heute keiner mehr, wenn es nicht im Portmonnaie wehtut! Und nochwas. Helmpflicht!"

Bei einer Art Überregulierung (übrigends typisch deutsch!), könnte vielen aber auch schnell die Freude am Radfahren vergehen. Das Fahren auf Ragwegen gegen die vorgesehene Richtung ist oftmals völlig unproblematisch, und stets einen Helm mit sich rumschleppen zu müssen wäre unpraktisch.

Bitteschön

Allein in Münster entstand in der Zeit zwischen 01.02.2009 und dem 31.01.2010 bei insgesamt 736 Fahrradunfällen ein volkswirtschaftlicher Schaden von 39 Mio EURO (Quelle: http://www.traumacentrum....). Bezogen auf das Bundesgebiet kommt man dann auf ganz andere Zahlen.

Die Behandlung von Schädel-Hirn-Traumata und Hirnschäden ist medizinisch äußerst kostenintensiv und kosten die Krankenkassen sowie die erstattungspflichtigen Haftpflichtversicherungen schnell einige hunderttausend Euro.

Anschließend kommen noch umfangreiche ReHa-Maßnahmen dazu und in der Regel die Verrentung des Verunglückten bzw. bei dauerhafter vollständiger Erwerbsminderung sein Abrutschen in die Sozialhilfe; Ehepartner und Kindern droht dann Hartz IV. Die Sozialhilfe sowie die Wohnkosten müssen die Kommunen aufbringen - und sich anschließend das Geld wieder über Steuern und Abgaben herein holen.

Nun sage mir keiner, dass das kein gravierender volkswirtschaftlicher Schaden ist. Deshalb: gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer.

Klarstellung

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Eine Helmpflicht für Berufsradfahrer wäre etwas anderes. Wir akzeptieren beim Arbeitsschutz ja auch Auflagen, die für Privatleute unverhältnismäßig wären (beim privaten Umzug hebt man schonmal Sachen, die am Arbeitsplatz nicht gehoben werden dürfen - vielleicht reinigt man auch die Dachrinne ohne Helm oder man lötet drinnen mal ohne Dampfabsaugung).

Und der Helm, den Sie verpflichtet sehen wollen ..

.. kann nur ein Integralhelm sein, wie ihn die Mofafahrer tragen müssen (die sind auch nicht schneller als viele Radler.) Die Styroporhüte können Sie nämlich vergessen.
Und wenn das Tragen eines Integralhelms Pflicht wird steigt der letzte Radler vom Rad. Hitzkopf, keine Sicht mehr, das geht nicht.

Beim Fahrrad ist und bleibt es ein Grenzfall - eine Entscheidung, die jeder am Besten selbst trifft.

Die "arme" Versicherungswirtschaft

hat gar kein Interesse an einer Schadensminimierung, schließlich kalkuliert sie die Prämien immer so, dass ein ordentlicher Gewinn übrig bleibt. Eine interessante Frage wäre, um wie viel Prozent die Prämien bei einer Helmpflicht gesenkt werden könnten.

Viele Autofahrer vergessen, dass es sich bei einer Straße, die nicht ausschließlich für den Kraftfahrzeugverkehr vorgesehen ist, um einen öffentlichen Raum für alle Arten der Fortbewegung handelt. Vom Handkarrenfahrer bis zum LKW, vom Ferrari bis zum Fahrrad dürfen sich dort alle gleichberechtigt fortbewegen. Gegenseitige Rücksichtnahme heißt das Gebot und nicht das Recht des "Stärkeren".

Eine Revolution

.. wäre dieser Satz:

"Viele Autofahrer vergessen, dass es sich bei einer Straße, die nicht ausschließlich für den Kraftfahrzeugverkehr vorgesehen ist, um einen öffentlichen Raum für alle Arten der Fortbewegung handelt. Vom Handkarrenfahrer bis zum LKW, vom Ferrari bis zum Fahrrad dürfen sich dort alle gleichberechtigt fortbewegen."

aus dem Mund des Bundesverkehrsministers. Zusätzlich vielleicht noch:

"Liebe Autofahrer - Radfahrer dürfen auf der Straße fahren, und Abstand zu rechts abgestellten Fahrzeugen müssen sie zu ihrer eigenen Sicherheit auch halten. Sicherheit hat Vorrang vor Eile. Wenn Sie dies bitte künftig berücksichtigen."

Und diese Sätze würden nicht einmal etwas kosten.

Nichts gegen den Fahrradhelm

Die von Ihnen zitierte Studie belegt die von Ihnen genannten Zahln in Zusammenhang mit einem Fahrradhelm aber nicht. Im Gegenteil weist die Studie darauf hin, dass bei einem Großteil der Unfälle überhaupt nicht erfasst wurde, ob ein Helm getragen wurde oder nicht.

Für Kinder und Jugendliche finde ich eine Helmpflicht OK. Wäre ich täglich in Münster, Hamburg oder Berlin im Stadtverkehr unterwegs, würde ich mir auch einen Helm zulegen aber doch nicht, um daheim über die Felder oder zum Supermarkt zu radeln.

Ich kenne auch Leute,

die ein solcher Helm vor schweren Unfallschäden bewahrt hat. Dennoch müsste, wenn schon, ein Integralhelm her - warum tut's denn sonst bei den Mofafahrern nicht auch ein Baumarkthelm?

Ich verlange ja nicht, dass Helme verboten werden, sondern dass ein Radfahrer sich selbst entscheiden können soll, bzw. Eltern für ihre Kinder (alle meine Kinder haben selbstverständlich Helme getragen solange sie klein waren; alle wollten es als Heranwachsende aber nicht mehr.)

Helmpflicht für wen?

Für wen oder was ist denn die Helmpflicht? Ein Zwang für alle, sich selbst zu schützen wird rechtlich schwierig. Man vergleiche die Rechtsstreitigkeiten bei der Gurtpflicht für Autofahrer.
Und wer ist überhaupt gefährdet? Es gibt im Straßenverkerhr aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Autofahrer, die 2012 durch Kopfverletzungen sterben, als Radfahrer. Also Helmpflicht für Autofahrer.

Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob ich einige meiner Beiträge mit - Achtung: dies ist nicht ganz ernst gemeint! - kennzeichnen muss, damit ich nicht nachher vorgeworfen bekommen, die neuen politischen Pläne kruder Hinterbänkler zu unterstützen...

Integralhelm?

Was reden Sie da für einen Unsinn mit Mofafahrern und Integralhelm? Ein Motorradsturzhelm muß den ECE-Vorschriften genügen und die verlieren kein Wort darüber, daß ein Kinnbügel vorhanden sein müßte. Ich selbst fahre ein 200+ km/h-Motorrad ausschließlich mit Jethelm und zwar völlig in Einklang mit den Gesetzen. Es gibt sogar ECE-geprüfte und -zugelassene Integralhelme in den Ramschangeboten der Discounter, die nur als Jethelm geprüft sind, wo also der Kinnbügel überhaupt nicht untersucht wurde. Das sollte übrigens m.E. wirklich unterbunden werden.
Ein Styroporhut auf dem Fahrrad ist erstens nützlich und zweitens lästig. Im Falle eines Sturzes minimiert er die Beschleunigung des Gehirns, schützt den Schädelknochen vor Bruch und entlastet die Halswirbelsäule. Aber man schwitzt darunter, wodurch die Konzentrationsfähigkeit leiden und die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes steigen kann. Das gegeneinander abzuwägen, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

Bloß nicht Münster...

...als Vorbild nehmen! Wissen Sie, wie diese knapp 800 Unfälle entstanden sind?

Ein großer Teil davon geht auf besoffene Studenten zurück, aber den zweiten großen Batzen an Fahrradunfällen hat diese Stadt einer völlig verkorksten Radverkehrsplanung einer komplett ignoranten und weitgehend unbelehrbaren Straßenverkehrsbehörde zu verdanken.

Hier werden munter für 40% Radverkehrsanteil viel zu schmale Radwege noch als benutzungspflichtig ausgewiesen und Radfahrer schön im Slalomkurs um Bushaltestellen und Parkplätze herumgeführt - Abbiegeunfälle, Kollisionen mit Fußgängern und Autotüren sind die Folge.

Gleichzeitig pflegt die Stadt mit entsprechenden Imgagekampagnen ihr Selbstbild als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands. Ne hübsche Radhelmkampagne hat man hier natürlich auch, aber bloß nicht den armen Automobilisten die paar Parkplätze an der Hammer Straße wegnehmen und eine vernüftige Fahrradspur hinbauen...

Zum Kotzen!

Reglementierwut

Die Reglementierwut einiger hier ist unerträglich. Helmpflicht ausgerechnet von Radfahrer zu verlangen wäre ungerecht. Wieso dann nicht gleich für alle? Wieso nicht gleich eine komplette Rüstung? Schließlich werden bei Stürzen auch andere Gliedmassen betroffen.
Das Land mit den meisten Rad-, Moped- und Rollerfahrern - überwiegend auch elektrisch und das ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 km/h - China, kennt keine Helmpflicht. Kaum jemand trägt dort einen Helm. Es scheint dort kein Problem zu sein.

Helmpflicht

Ich fahre immer mit Helm und nach einiger Umgewöhnung stellt das "Herumschleppen" kein Problem dar. Matschig in der Birne nach einem Sturz gegen ein Auto oder den Bordstein, DAS ist ein Problem.
Das Ende der "Mobilitätsbewegung". Auch ein Pseudoargument gegen den Menschenverstand.
Überregulierung: Parken wo man will, abbiegen ohne zu blinken, Schulterblick?. Fahren gegen die Richtung ist mit die häufigste Unfallursache!!!!

genau, und zum Wohle der Volkswirtschaft..

.. ziehe ich beim Gardinenaufhängen grundsätzlich einen Helm auf. Schließlich werden die meisten Kopfverletzungen im Haushalt verursacht.

Bitte, liebe Helmpflichtverfechter, werft einmal einen Blick über die Grenze zu unseren Nachbarn, die seit Generationen enthusiastische Fahrradfahren sind: Die betreiben Unfallprävention und lachen sich schlapp über die behelmten Deutschen..

Rumschleppen

Wenn ich mich auf mein MTB setze und in den Wald gehe, dann fahre ich selbstverständlich auch mit einem Helm, denn da hab ich ihn auf dem Kopf. Wenn ich aber in die Uni fahre, mir vielleicht ein bisschen die Haare stylen möchte und dann an einem normalen 8 Stunden Tag an 6 verschiedenen Orten auf dem Campus bin und danach noch in die Kneipe gehe, dann nervt mich ein Helm einfach nur.
Wenn ich als Radfahrer im Stadtverkehr unterwegs bin passiert mir aller voraussichtlich nach nichts, denn ich weiß dass Autofahrer Fehler machen und dass ich der Schwächere bin. Ich fahre so defensiv Fahrrad, dass ich die Behauptung aufstellen würde, dass mir im Stadtverkehr nichts passiert. Von dem Fakt, dass mich jetzt einer über den Haufen fährt, weil er die rote Ampel missachtet geh ich jetzt mal nicht aus, aber dann is es eh rum.

Helmpflicht im Stadtvekehr ergibt für mich persönlich überhaupt keinen Sinn. Für die "iPod-an-Hirn-aus" Fraktion vielleicht schon.

velo2010.de

Unter der o.g. Adresse kann man sich für Köln über Unfälle informieren, finde ich sehr interessant. In 2011 und 2012 gabe es bisher zusammen 9 Tote Radfahrer:
- 3 sind von rechtsabbiegenden Lkw überrollt
- 3 Alleinunfälle mit unklarer Ursache (Vorerkrankung?)
- 1 in Straßenbahnschiene hängengeblieben
- 1 an Bahnübergang von Straßenbahn überfahren
- 1 73 jähriger hat Rotlicht mißachtet

Rad Rambos etc. kommen da nicht vor.

welche Art von Radwegen

2 wichtige Punkte auf die schnelle:

1. Der Bund baut Radwege - hört sich toll an, was? Das Problem ist aber das es sehr wohl darauf ankommt was für Radwege das sind und vor allen Dingen wie an Kreuzungen damit umgegangen wird. Radwege, die hinter den parkenden Autos auf dem Bürgesteig verlaufen sind für alle beteiligten gemeingefährlich und sollten zu 100% abgeschafft werden.
An Kreuzungen ist es of hahnebüchen, da soll man manchmal als Radfahrer wenn man links abbiegen will plötzlich doch wieder die Fußgängerampel beachten und muss doppelt warten. Generell ist es oft ein ständiges Gewechsel von Radwegen auf der Straße zum Bürgersteig zu wieder gar keinen, da bleibt man doch lieber gleich auf der Straße...

2. Es sollte unbedingt mehr Geld in die "Aufklärung" zu diesem Thema gesteckt werden. Nach meiner Erfahrung fährt ein Großteil der Fahrradfahrer unmöglich - ständiges wechseln der Spuren/Bürgersteige ohne vorheriges ankündigen, völliges Missachten von Rechts vor Links, usw. Auf der anderen Seite haben viele Autofahrer eine unglaubliche Abneigung gegenüber Radfahrer, "die haben auf der Straße nichts zu suchen". Vermutlich lässt sich aber auch in diesem Bereich einiges verbessern wenn einfach die Verkehrsregeln und Bedingunen für Radfahrer einheitlicher gestaltet sind.

Und auf die Übersichtlichkeit achten

Ich kann Ihrem Kommentar nur zustimmen.

Zusätzlich zur Aufklärung sollte auch die Beschilderung von Radwegen angepasst werden. Wenn der Radverkehr schon über Gehwege geführt wird (was man vermeiden sollte), haben zumindest an jeder Kreuzung Schilder zu stehen, das alle Beteiligten über die Regelung (in allen Richtungen) informieren. Ansonsten haben Leute, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, nämlich oft eine Abweichende Meinung, wo zu fahren ist und entsprechend treten vermehrt Konflikte auf.

"Radfahrer haben auf der Straße nichts zu suchen"

Tatsächlich denken wohl einige Autofahrer in Berlin genau das.
Ein Makler hat mir mal erzählt, er mache alle Wege im PKW (was in Berlin ziemlich bekloppt erscheint) und empfinde den zunehmenden Fahrradverkehr als Bedrohung. Er forderte gewissermaßen Artenschutz, weil man wegen der zusätzlichen Bus- und Fahrradspuren immer häufiger im Stau stünde.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich so einige Autoisten im Alltag auf ihre Weise gegen die ökologisch wertvollen Einengungen wehren. So halten sie z.B. in der Schlange vor einer Ampel extra nah am Bordstein, weil sie nicht wissen, dass man als Fahrradfahrer in dieser Situation an ihnen vorbeigurken darf.

Die roten und schwarzen Verkehrsminister dürfen solcherlei natürlich nicht äußern, aber es sollte langsam common sense werden, dass Auto und Stadt nicht zusammenpassen.
Ich benutze besagtes Verkehrsmittel nur noch, um von Berlin wegzufahren und wieder zurückzukehren - diese Stunde Stau stresst mich genug für einen Monat...