Alle Autofahrer sollten spätestens ab dem 50. Lebensjahr zu einer regelmäßigen augenärztlichen Kontrolle verpflichtet werden – so lautet eine Forderung, die am Donnerstag auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin laut wurde. So soll verhindert werden, dass ältere Menschen durch schlechtes Sehen sich oder andere in Lebensgefahr bringen.

Bisher reicht für diejenigen unter ihnen, die nicht als Berufsfahrer arbeiten oder im Straßenverkehr auffällig werden, ein einmaliger Sehtest vor der Führerscheinprüfung. "Angesichts der Tatsache, dass die Fahrzeuge, die im wesentlich geringeren Umfang am Unfallgeschehen beteiligt sind, alle drei oder zwei Jahre, nach EU-Plänen sogar jährlich zum TÜV gefahren werden sollten, ist das ein Unding", sagte der Münchener Augenarzt Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der DOG.

Er schätzt, dass die Zahl der Unfälle, die auf mangelndes Sehvermögen zurückzuführen sind, in der Größenordnung derjenigen liegt, bei denen Alkohol im Spiel ist, also bei rund 15.000 im Jahr. Tückisch ist dabei vor allem, dass die altersbedingten Augenleiden sich langsam und zunächst unbemerkt entwickeln. Dazu gehört etwa der Graue Star, bei dem sich die Linse trübt und der das Fahren in der Nacht wegen des eingeschränkten Sehvermögens und der erhöhten Blendungsgefahr in der Dämmerung besonders gefährlich macht. Auch eine altersbedingte Makuladegeneration, also das Absterben von Netzhautzellen am "Gelben Fleck", zählt dazu; ebenso ein Glaukom ("Grüner Star"), bei dem es zu den besonders risikobehafteten Ausfällen von Teilen des Gesichtsfelds kommen kann.

Die DOG schlägt vor, dass die Untersuchungen mit 60, 65 und 70 Jahren wiederholt werden und ab da alle zwei Jahre stattfinden. "Nur wenn der Fahrer weiß, dass er schlecht sieht, kann er seine Fahrgewohnheiten entsprechend einstellen", sagte Lachenmayr.

Bei den Sehtests geht es nicht allein um die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr, sondern generell darum, Gefahr für das Augenlicht rasch zu erkennen. Etwa beim Glaukom, das unbehandelt zur Erblindung führen kann. Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärzte, Bernd Bertram, forderte beim Kongress denn auch, eine umfassende augenärztliche Untersuchung alle zwei Jahre in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. Und zwar für alle Bundesbürger ab 40 Jahren, ob nun mit oder ohne Führerschein. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ( IQWiG ) bemängelt allerdings bislang, dass zum Nutzen eines solchen Screenings wissenschaftliche Studien fehlen.

Erschienen im Tagesspiegel